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Montag
Okt122015

"House of Tides", Newcastle: Paradies neben der Kotze

Newcastle könnte eine wunderschöne Stadt sein – ohne Alkohol.

Mit Alkohol aber verwandelt sich die Stadt an der schottischen Grenze wochenendabends in einen Moloch, der die Düsseldorfer Altstadt wie einen Kindergeburtstag aussehen lässt, der von vegan lebenden Waldorf-Eltern ausgerichtet wird. 

An einem solchen Abend mutiert gefühlt die gesamte Bevölkerung unter 35 – ja, auch die weibliche – spätestens um 22 Uhr in eine Massenszene aus “The Walking Dead”. “Ihr naht euch wieder schwankende Gestalten”… Nur, und das sei zur Ehrenrettung gesagt, ohne Aggressivität. Deutsche  Volltrunkene wollen sich prügeln, englische Volltrunkene sich übergeben um weiterzutrinken. Nie zuvor sahen wir so viel – verzeihen Sie die Deutlichkeit – Kotze auf der Straße.

Das klingt ganz schrecklich und doch ist Newcastle einen Wochenendtrip wert. Denn das Stadtbild, entstanden zu Zeiten der Industrialisierung, ist sehenswert. Zum Beispiel jenes wunderschöne Panorama an der Tyne, bestehend aus alten, mächtigen Brücken, der hochklappbaren Millennium-Bridge, dem modernen, wie eine Riesenamöbe daliegenden Konzertsaal The Sage und dem Baltic-Museum für zeitgenössische Kunst, das seinen Sitz in einer alten Mehlmühle hat. 

In seiner Gesamtheit ist dieser Blick am Fluss eine der gelungensten Kombinationen aus Alt und Neu ist, die wir in Europa kennen. 

Bei gutem Wetter lohnt sich auch die halbstündige Metro-Fahrt nach Tynemouth, dem Strandort von Newcastle. Englische Dorfidylle mischt sich hier mit Seaside-Stimmung, mächtig hebt sich das alte Kloster vom blauen Himmel ab. In der “Longsand Fish Kitchen” gibt es richtig guten Fish & Chips, nicht mal auf Google Maps verzeichnet ist eine herrliche Strandbude (direkt unterhalb des Pubs “Gibraltar Rock”), in der es Fisch und Craft Beer gibt. 

Kulinarisch jedoch gilt die Gegend in England als unterentwickelt. Und bevor hier wieder einige Vorurteilsbehaftete lästern, das gelte doch für die ganze Insel, sei noch einmal an unseren inzwischen 8 Jahre alten Artikel über die Wundervolligkeit der englischen Küche erinnert. 

Und nun kommt der Moment, da wir uns einfach mal über den Klee loben. Liebe Leser: Nennen Sie uns Trüffelschweine, Truffel Pigs or whatever.

Denn diesmal buchten wir ein Restaurant Monate im Vorhinein, ohne es zu kennen. Eine Woche vor unserem Besuch erhielt es den ersten Michelin-Stern, eine Woche nach unserem Besuch wurde es ausgezeichnet als Englands Restaurant des Jahres – und das nach nur anderthalb Jahren seines Bestehens.

So, nun kommen Sie. 

Aber hat das “House of Tides”, so der Name, diese Ehre verdient?

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