Entries in USA (19)

"Bacar", San Francisco: Kelly-Bag ohne Logo

Im Silicon Valley wird gut verdient. Und weil das Leben im Valley für einigermaßen aktive Menschen nur schwer erträglich ist, wählen viele der Besserverdiener eine Wohnung in San Francisco und pendeln. Wer bei Google oder Yahoo arbeitet, hat es da leicht, die Web-Größen karren ihre Leute per Pendelbus (Wlan on board) nach Süden.

Und mit dem Zuzug in die Stadt, kommt das Geld. Weshalb es in San Fran (don’t call it Frisco!) eine äußerst lebendige Gastro-Szene mit reichlich gehobenen Lokalen gibt. Zu diesen zählt das “Bacar”, im Soma-Bezirk. Eröffnet wurde es 2000, in den goldenen Tagen der New Economy, als noch mehr Geld über die Gegend regnete. Damals galt es, glaubt man dem “San Francisco Chronicle”, als Muster für die Weinbar des neuen Jahrtausends. Doch zwischenzeitlich rutschte es wohl ein wenig in die Bedeutungslosigkeit.

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Dann aber verkauften die Gründer im vergangenen Jahr ihr Restaurant und Robbie Lewis übernahm die Küche, in dessen Lebenslauf unter anderem die Bay-Area-Legende “Chez Panisse” (die auf unserer Müssen-wir-hin-Liste für den Kalifornien-Urlaub Ende Oktober steht) und das fast ebenso bekannte “Jardinière” zu finden ist. Und seitdem ist nur Überschwängliches zu hören.

Der erste Blick des neuen Gastes fällt auf die Wand mit den Weinflaschen. Das “Bacar” rühmt sich einer ausgedehnten Auswahl und man mag es nicht bestreiten. Das nächste was auffällt: die fröhliche Freundlichkeit des Personals, egal ob Mantelabnehmerin oder Barkeeper.

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Der hohe Restaurant-Raum ist nicht weniger geschmackvoll eingerichtet als die Bar…

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Posted on Donnerstag, April 10, 2008 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | CommentsPost a Comment | PrintPrint

Blattgold für die Netz-Bohème

Für jene, die sich nicht täglich mit Internet, Web 2.0, Blogs, Twitter, Facebook & Co. sowie der damit verbundenen Szene beschäftigen, scheint es kaum glaubhaft: Gäbe es einen Wirtschaftszweig, der den Business-Club wiederbeleben würde, am ehesten wäre es wohl die Netz-Branche. Nirgends ist das Bedürfnis, sich zu treffen und kennenzulernen - als Fleisch- und Blut-Variante - stärker als bei jenen, die sich so oft im Bereich des Virtuellen und Avatarischen bewegen.

Es ist das Glühen eines freien WLan-Anschlusses, dass sie anzieht, die Ameisen und Königinnen der digitalen Wirtschaft. Eine Seltenheit, in Deutschland, so ein Gratis-Web-Zugang. Hier zu Lande mögen Café-Inhaber keine Laptop-Aufklapper, die durch ihr Tastatur-Hacken den Eindruck erwecken, sie blieben Stunden auf nur einen Kaffee - auch wenn das oft nicht stimmt. Wie belebend diese Szene aber auf ein Lokal wirken kann, demonstriert in Berlin am Rosenthaler Platz das “St. Oberholz”. Draußen hängen Sinnsprüche wie “Das Leben ist kein Ponyhof”, drinnen begrüßt die Eintretenden ein hoher Tisch, auf dem die Apple-Logos leuchten, als bezahle Steve Jobs für diese Werbung.

Wenn ich in Berlin bin, muss ich nur über den Kurznachrichtendienst Twitter ankündigen, dass ich mich ins “Oberholz” begebe - und irgendwer, den ich kenne, wird mit Sicherheit kommen.  Das ist nicht der einzige Grund, mal vorbeizuschauen: Es gibt guten Kaffee, sehr leckeren Kuchen und hippe Limonaden. Ach ja, die Buletten sind exzellent. “Oberangeberholz” nennt ein Mitglied der Web-Gemeinde das Café und vielleicht ist das auch nicht ganz falsch. Die Gäste sind so Berlin-Mitte, wie Berlin-Mitte nur Berlin-Mitte sein kann, sie sind die Digitale Bohème, wie sie im Buch “Wir nennen es Arbeit” beschrieben wird.

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Auch im Epizentrum des Internet-Geschäfts gibt es solche Treffpunkte…

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Posted on Montag, März 24, 2008 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments1 Comment | PrintPrint

Fred and Sharon, please come back

Meine erste Reise in die USA führte mich ins tiefe, tiefe Land. Nach Martinsville, Indiana, wo Basketballkörbe und Maisfelder schon zu den Touristenattraktionen gehörten. Ich wohnte in der Familie einer Bekannten, die ein paar Jahr zuvor die Austauschschülerin einer Ex-Freundin gewesen war und sich damals so sehr für Deutschland begeisterte hatte, dass sie damals Deutsch studierte und heute Deutschlehrerin ist.

Zu dieser Zeit, 1992, lief in Deutschland gerade die Serie “Roseanne”. Und vieles, was ich in Martinsville sah, wirkte wie eine Roseanne-Kulisse. Die dunklen Holzmöbel in Küchen, zum Beispiel, die knöchelkitzelnden Flauschteppiche, den Besitzer einhüllende Sessel und Klappstühle, immer wieder Klappstühle.

Gern vergessen wir, dass die US-Kultur unser deutsches Leben zwar erheblich beeinflusst, dass aber das tatsächliche Leben in Nordamerika gespalten ist. Eine tiefe Kluft liegt zwischen Ost- und Westküste, eine noch tiefere zwischen Metropolissen wie New York oder San Francisco und dem Rest da draußen. Wer sich für das Leben dort entscheidet - oder wer von dort nicht wegkommt - für den ist die nächste Mall oft eine Stunde weit weg. Oder mehr. Ein wenig nachempfinden lässt sich dann die Begeisterung Ende des 19. Jahrhunderts, als Richard Sears mit dem ersten Versandhauskatalog die große, weite Welt in das Reich der unendlichen Maisfelder brachte.  

In solchen Gegenden muss jede kleine Festivität, die in Deutschland als liebenswertes Pfarrfest mitgenommen wird, hochgeredet werden zu etwas, dass den Begriff  “awesome” verdient.  Dann spielt die örtliche Schulband auf und bunte Schleifen gehen an die Bäckerin des besten Kuchens und den Besitzer des folgsamsten Hundes. Einmal im Jahr ist Homecoming, dann reisen viele derer an, die es dort nicht ausgehalten haben. Und sie sagen, dass sie es vermissen, das kleine Örtchen, und essen den preisgekrönten Kuchen auf wackeligen Klappstühlen.

 

Das Leben draußen, auf dem Land, in den USA und Kanada ist weit, weit von dem entfernt…

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Posted on Donnerstag, März 13, 2008 by Registered CommenterGotorio in | Comments1 Comment | PrintPrint

"Argonaut Hotel", San Francisco: Wahrhaft goldenes Vlies

070220081097.jpgDie Legende der Suche nach dem Goldenen Vlies durch Jason und seinen Mannen, die wegen ihres Schiffs “Argo” Argonauten genannt wurden, gehört zu den weniger im Detail bekannten Erzählungen des alten Griechenland. Das liegt nicht daran, dass sie langweilig wäre. Nein, sie ist vielmehr sehr, sehr kompliziert. Und mit Brad Pitt wurde sich auch noch nicht verfilmt. Kommt sicher noch.

 In dieser Sage tauchen verschiedene Dinge auf, die nicht dazu verleiten, ein Hotel “Argonaut” zu nennen. Ich sage nur: Die Zerstückelung eines Vaters durch seine Töchter, um ihn dann einzukochen und so zu verjüngen (was ja ohnehin eine, sagen war mal, recht fantasievolle Idee ist), weckt kein Vertrauen in die Qualität einer Hotelküche.

Hinzu kommt das böse Wort “Themenhotel”. Themenhotels gibt es  in Disneyland, wo man diese kindische Verkitschung lustig finden kann. Aber in der freien Touristenbahn? Da gehen solche Motto-Herbergen meist ziemlich daneben.

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Nun handelt es sich beim “Argonaut” an Fisherman’s Wharf zu San Francisco jedoch um ein Kimpton Hotel. Und über diese Kette schwärmte ein US-kundiger Bekannter in den höchsten Tönen. Motto der Muttergesellschaft: “Every hotel tells a story.” Und die des “Argonaut” ist eine seefahrerische…

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Posted on Mittwoch, März 5, 2008 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | Comments3 Comments | PrintPrint

"Alamo Square", San Francisco: keine Verniedlichungs-Funksprüche

Das abgenudelste Zitat der Gastronomie-Kritik kommt von Oscar Wilde. “Ich habe einen einfachen Geschmack - immer nur das Beste”, soll er gesagt haben. Eine oberflächliche Übersetzung - denn im Original heißt es: “I have but the simplest taste - I am always satisfied with the best.” 040220081008.jpg

Dieser Ausspruch eines hellen Kopfes und Freund des guten Lebens hat schon so manchen verleitet zu glauben, nur die Verniedlichungs-Funkspruch-Küche sei der echte Luxus, jene Gerichte, die drei bis vier Zeilen auf einer Speisekarte einnehmen und sich überschlagen mit “Schäumchen an Sößchen”, woraufhin Esser oft genug zurückfunkt mit “Over and out”.

Um die Ecke vom Alamo Square in San Francisco liegt ein sympathisches, kleines, französisches Restaurant, in dem Funkstille herrscht. Obwohl doch die Chen-Manie aus der Grande Nation kommt. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum das Alamo am anderen Ende der Welt seinen Sitz hat. Und dort ist das romantische kleine Lokal ein schöner Abschluss, nachdem man eine der Attraktionen der Stadt besichtigt hat, die Reihe viktorianischer Häuser, die als “Painted Ladies” in den Reiseführern zu finden sind.

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Angenehm schummerig ist es im “Alamo”, die Wände sind in Saffran-Gelb gehalten, einzelne Mauerteile werden duch indirekte Beleuchtung hervorgehoben. Wer sich nichts zu sagen hat, der hat die hohe Fensterfront mit dem Blick hinaus in das Viertel, das vom hippen Nachwuchs langsam erobert wird. Auch zwei Nischen am Fenster gibt es, die sind zwar besonders romantisch, doch sollte der Europäer bedenken…

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Posted on Freitag, Februar 22, 2008 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | Comments1 Comment | PrintPrint
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