Entries in Südafrika (8)
Die merkwürdige Wein-Auswahl des "Stern"
So mancher Verlag verdingt sich in diesen Zeiten ein Zubrot als Weinhändler. Eigentlich eine reizvolle Sache: Größeren Blättern gelingt es durchaus, so viele Leser mobil zu machen, dass beim Einkauf ordentliche Rabatte rausspringen. Oder besser: rausspringen sollten. Denn fast immer werden Weinpakete unter bestimmten Motti verkauft, mal gibt es “Die besten Weißweine von der Loire”, dann wieder das “Kalifornien-Einsteigerpaket”.
Wirklich preisgünstiger ist die Auswahl aber für den Kunden nicht. Wer sich im Internet umschaut, findet fast immer Versender, die nochmal um die zehn Prozent unter diesen Angeboten liegen. Allerdings: Eben nicht im Paket. Und so sind die Verlagsangebote für Neugierige ein ordentliches Angebot. Vielleicht auch für die, die keine Zeit haben, sich im Weinladen des Vertrauens durchzutesten.
Nun startet der “Stern” derzeit eine neue Reihe in Sachen Wein. Einmal um die Welt soll es gehen, quer durch die Anbaugebiete, die gemeinhin als “Neue Welt” gelten. Und aus jeder Region gibt es einen oder mehrere Weine, die dann geordert werden können. Den Anfang macht Südafrika. Doch gleich der erste orderbare Wein machte mich stutzig:
"Hitgeheim Lodge", Südafrika: Daheim bei Archie
Und dann saßen wir auf der Veranda, oben am Berg, nippten am Roibos-Tee und blickten über unsere Ländereien im Sundays River Valley. Direkt unter uns die Koppeln mit den Straußen und den Kudu-Büffeln, ein paar Antilopen daneben. Weiter unten Apfelbäume. “Hach, schön ist es, als Farmbesitzer in Südafrika.”
Na gut, zugegeben: Es waren nicht unsere Ländereien. Aber so einen Moment lang wird man doch imaginieren dürfen, oder?
Das fällt leicht, bewohnt man für ein paar Tage eine der Hütten der “Hitgeheim Lodge” in der Nähe des Addo Elephant Parks. Der Addo ist der bequeme Ausweg, möchte man nach dem Befahren der Garden Route noch Tiere gucken. Dann ist kein Flug nötig, wie zum Krüger-Park oder gar nach Namibia. Doch es gibt auch mehr zu schauen, als in den Mini-Game-Reserves nahe Kapstadt.
Die New Economy der Gastronomen
Gerade lese ich über das Berliner Restaurant “Borsig B” und denke:
MUUHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!
Denn dieses strunzt mit seiner Weinauswahl:
“Neben dem mediterran angehauchten Speisenangebot etabliert sich das Gourmet-Restaurant “Borsig B”, das im “Best Western Premier Hotel am Borsigturm” zuhause ist, mit mehr als 250 Weinen aus über 30 Ländern. Zwölf offene Weine sind schon ab 2,50 € pro Glas zu genießen.”
250 Weine? Ein Dutzend offene? Wie süß. Das erinnert mich an die Internet-Wirtschaft. Da kann jeder Weltmarktführer sein - er muss Welt und Markt nur klein genug definieren. Und vielleicht sind ein Dutzend Offene in Berlin ein Lobhudelei wert. Doch jedes leidlich ambitionierte Kneipenrestaurant hat so viele im Angebot. Und die 250 Flaschen. Ein Witz, verglichen mit dem sehr empfehlenswerten Steakhaus “Belthazar” in Kapstadt: 100 offene Weine und 500 insgesamt - wenn sich das “Borsig B” diesen Dimensionen annährt, dann dürfen sie gerne mal strunzen.
Safari South Africa – oder wie man sich Nota Bene sparen kann
Ich reise gern. Ich reise viel. Ich reise teuer. Und das schon viele Jahre. Und aufgrund langjähriger Erfahrung wage ich es, zu behaupten, dass der Grenznutzen bei steigenden Hotelpreisen irgendwann abnimmt. Will sagen: Je mehr man für eine Edelherberge ausgibt, desto weniger hat man ab einer gewissen Grössenordnung davon.
Die Tatsache, dass beispielsweise das Zimmermädchen abends noch mal vorbeischaut, um die Laken durchzukitzeln zu richten, und auf dem Nachttisch malerisch eine in Leonidas-Schokolade-getauchte-Erdbeere zu platzieren, dass in der Minibar eine Bouteille Fiji-Water auf mich wartet statt einer vulgären Flasche Überkinger – für all diese aufmerksamen Kleinigkeiten (!) nimmt mir das Hotel einen Tarif ab, der das selten rechtfertigt. Ganz zu schweigen, dass das Edelwasser 15 Euro kostet (nur nebenbei: für den aus meiner Sicht besten Marketinggag seit langem) oder das Frühstück (ein kleiner Pfannkuchen, 4 Beeren, ein halber Teelöffel Puderzucker, anderthalb Tassen Tee) 50 Dollar (Four Seasons, Manhattan).

Aber wir wollen nicht nach Manhattan und ich nicht über Mineralwasser schreiben – und bevor ich ganz vom Thema abkomme – setzen wir uns lieber in den Flieger nach Mpumalanga. Das ist der Flughafen vor den Toren des Krüger Nationalparks in Südafrika. Denn wir gehen auf Safari.
 
Serendipity, Wilderness, Südafrika
Wenn ein Gastronom mal wieder ein paar Floskeln aus der Mottenkiste kramt, dann salbadert er Dinge wie: “Bei uns soll sich der Gast wie zu Hause fühlen.” Sollte ich mal wieder einem Restaurantbesitzer begegnen, der so etwas von sich gibt, werde ich ihn wahrscheinlich mit einem Buttermesser an der Kehle zwingen, einen Flug nach Kapstadt zu buchen und dann einen Mietwagen nach Wilderness zu nehmen, einem netten, aber nicht weiter erwähnenswerten Strandort an der Garden Route.
Dann muss es nur noch gelingen, einen der begehrten Tische im “Serendipity” zu bekommen - aber unter Gastronomen sollte so etwas ja möglich sein, noch dazu, wenn der Berufskollege ein Buttermesser am Hals hat.
Jenes Serendipity sieht zunächst einmal schon so aus wie ein südafrikanisches Zuhause: ein gewöhnliches Wohnhaus in einem gewöhnlichen, aufgeräumten Einfamilienhauswohngebiet, innen eingerichtet wie eine gewöhnliche Wohnung eines Paares in etwas gehobenen Alter.
Der Gast wird, so es nicht regnet, zunächst auf die Terrasse geführt. Zum Aperitif gibt es die Karte, klar. Aber wer braucht sie? Es gibt ja Mister Stolze, einen sportlichen Anfangvierziger mit zupackendem Temperament. Er ist die Nummer zwei im Hause, oder wie er sagt: “Ich arbeite unter meiner Frau.” Die nämlich steht am Herd.
Vize-Stolze ist die sprechende Ersatzkarte. Mit einer Euphorie als stelle er zum ersten Mal die Künste seiner Liebsten vor, erläutert er jedes einzelne Gericht, erklärt warum jene Speise mit dieser Zutat kombiniert wird, in welchem Winkel der Landesgeschichte die Rezepte einzuordnen sind. Und jede Beschreibung schließt er ab mit einem freudigen “Nnnniiiiicccceeee!” Serviert wird südafrikanische Küche mit einem modernen Touch. So lecker und interessant, dass sogar der urafrikanische Magenfüller Papp, eine Art Maisbrei, den Touristen aus dem Norden mundet.
Und dann, nach dem Dessert, vielleicht dem klassischen nationale Brandy-Brotpudding, werde ich dem entführten Gastronomen aus dem fernen Deutschland das Brotmesser vom Hals nehmen und fragen: “Würden Sie immer noch sagen, die Gäste fühlen sich bei Ihnen wie zuhause?” Und er wird den Kopf schütteln und sagen: “Nein.”
Serendipity
Fresia Ave.
Wilderness

