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"Alte Metzgerei", Düsseldorf: Versuppte Tarte
Es klingt nach typisch Düsseldorfer Egomanie, wenn man einen Stadtteil in Nord und Süd unterteilt. So groß ist das Dorf an der Düssel ja nun auch wieder nicht. Im Fall von Flingern aber ist das nötig. Flingern-Süd ist echtes Arbeiterviertel und wenig hübsch. Flingern-Nord ist so was wie das Düsseldorfer Gegenstück zu Berlin-Mitte. Na ja, irgendwie. Künstler gibt es hier, kleine Mode-Ateliers, ungewöhnliche Geschäfte, interessante Gastronomie.
Zur letzteren Kategorie gehört die “Alte Metzgerei”. Von der berichten Menschen, die in Flingern arbeiten und dort mittags essen, nur positives - Zeit also für einen Besuch.
Das geht nur tagsüber, denn die “Metzgerei” hat nur von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Name verrät schon, was das kleine Lädchen früher beheimatete. Ex-Fleischgeschäfte, gerade alte, mutieren ja gerne zu Restaurants, denn oft bilden alte Kacheln eine echt schöne Umgebung. So zum Beispiel in Hamburg im wirklich hübschen “Rexrodt”.
Die “Alte Metzgerei” ist nicht anders…
"Naan & Namak", Düsseldorf: Viel Geschmack, zu wenig Fleisch
Es gibt diese “Da sollten wir auch mal wieder hingehen”-Restaurants. Es sind Lokale, in denen man schon mal war und deren Besuch in positiver Erinnerung geblieben ist. Aber eben nicht so positiv, als dass die Örtlichkeit in den Teil des Gehirns gelangt wäre, der für spontane Nennungen bei der Frage: “Wo wollen wir essen gehen?” zuständig ist.
Solch ein Restaurant ist für mich das “Naan & Namak” am südlichen Rand der Düsseldorfer City. Jedesmal auf dem Weg nach Köln, die A57-Auffahrt ist nahe, fahre ich daran vorbei und denke genau das: “Da müssteste auch mal wieder hin.” Im Sommer 2005 war ich da, wenige Monate nach der Eröffnung. Und danach - siehe oben.
Es wurde mal wieder Zeit. Erst recht, weil der sonst doch so kritische Jürgen Dollase von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” da gewesen ist - und ein ordentliches Lob schrieb. Und der lobt sonst selten. Und er geht sehr, sehr selten in Restaurants einer ethnischen Ausrichtung. Noch etwas sprach für das “Naan & Namak” - eine mittelmäßige Kritik des Blogs Speisundtrank: Deren Geschmack und meiner gingen bisher nicht zusammen (was überhaupt nicht als Kritik gemeint ist).
Das “Naan & Namak” bietet etwas, was ich nirgends sonst bisher gefunden habe: afghanische Küche. Mehr noch: gehobene afghanische Küche. Und das in sehr nettem Ambiente, die Wände sind rot, die Tische dunkel, ein Teil des nicht sonderlich großen Lokals ist eine Wasserpfeifen-Lounge.

So angenehm wie das Innere ist auch der Service. Sehr, sehr herzlich und fröhlich erklären die Inhaber die unbekannten Gerichte, versichern sich immer wieder, ob alle Fragen geklärt sind, weisen auch auf Details hin. Da haben ein paar Menschen Freude daran, die Kultur ihres Landes näherzubringen.
Auf ihre Empfehlung hin…
"Bacar", San Francisco: Kelly-Bag ohne Logo
Im Silicon Valley wird gut verdient. Und weil das Leben im Valley für einigermaßen aktive Menschen nur schwer erträglich ist, wählen viele der Besserverdiener eine Wohnung in San Francisco und pendeln. Wer bei Google oder Yahoo arbeitet, hat es da leicht, die Web-Größen karren ihre Leute per Pendelbus (Wlan on board) nach Süden.
Und mit dem Zuzug in die Stadt, kommt das Geld. Weshalb es in San Fran (don’t call it Frisco!) eine äußerst lebendige Gastro-Szene mit reichlich gehobenen Lokalen gibt. Zu diesen zählt das “Bacar”, im Soma-Bezirk. Eröffnet wurde es 2000, in den goldenen Tagen der New Economy, als noch mehr Geld über die Gegend regnete. Damals galt es, glaubt man dem “San Francisco Chronicle”, als Muster für die Weinbar des neuen Jahrtausends. Doch zwischenzeitlich rutschte es wohl ein wenig in die Bedeutungslosigkeit.

Dann aber verkauften die Gründer im vergangenen Jahr ihr Restaurant und Robbie Lewis übernahm die Küche, in dessen Lebenslauf unter anderem die Bay-Area-Legende “Chez Panisse” (die auf unserer Müssen-wir-hin-Liste für den Kalifornien-Urlaub Ende Oktober steht) und das fast ebenso bekannte “Jardinière” zu finden ist. Und seitdem ist nur Überschwängliches zu hören.
Der erste Blick des neuen Gastes fällt auf die Wand mit den Weinflaschen. Das “Bacar” rühmt sich einer ausgedehnten Auswahl und man mag es nicht bestreiten. Das nächste was auffällt: die fröhliche Freundlichkeit des Personals, egal ob Mantelabnehmerin oder Barkeeper.
Der hohe Restaurant-Raum ist nicht weniger geschmackvoll eingerichtet als die Bar…
"Bobby Chinn", Hanoi: Rosenblätter im Klosett
Die Ernährung auf Reisen ist manchmal geprägt von Entbehrung und Unverständnis der körpereigenen Darmflora. In Vietnam kann es durchaus passieren, dass der geneigte Gourmet von den ihn umgebenden kulinarischen Wundern nichts mitbekommt, weil er sich von Reiskeksen und Instant-Suppen ernährt.
Das aber wäre wirklich jammerschade, denn dann würde er sich des Vergnügens berauben, im dekadentesten Hot Spot Hanois zu speisen: bei “Bobby Chinn”, direkt an der Promenade um den idyllischen Hoan Kiem See.
Der Restaurantchef, Amerikaner mit sagenhafter ägyptisch-chinesischer Abstammung, ehemaliger Investment-Banker, gnadenloser Selbstvermarkter und Everybody’s Darling unter Hanois Expatriots und Nouveau Riches, kocht schon längst nicht mehr selbst…
"Fehrenbach", Düsseldorf: 60 Stunden bis ins Paradies
Ja, wir haben gefragt. Ob es einen Unterschied macht, ob man eine Rinderschulter 40 Stunden bei Niedertemperatur gart, oder 60 Stunden. Solch eine zweieinhalbtägige Behandlung wies nämlich das “Fehrenbach” auf seiner Karte aus. Wir hatten mit einer humorvollen Replique von Chefin Julia Fehrenbach gerechnet. Stattdessen antwortete sie trocken: “40 Stunden haben wir probiert. Aber in der Schulter ist eine Sehne. Nach 40 Stunden war sie noch da, nach 60 war sie weggeschmolzen.”
Touché.
Aber irgendwie typisch, wenn man Gast im “Fehrenbach” ist, einem kleinen Restaurant am nördlichen City-Rand von Düsseldorf. Jürgen Fehrenbach steht am Herd, seine Frau begrüßt die Gäste mit Handschlag und führt fröhlich und charmant durch den Abend. Das Paar ist Gast-Wirt im schönsten Sinne: Den beiden ist anzumerken, dass ihnen das Wohl Menschen an dem runden Dutzend Tische am Herzen liegt. Für gewöhnlich gibt es zwei Menüs, das eine von ihr, das andere von ihm ausgewählt…

