Entries in Münster (3)
"Große Freiheit 26", Münster: Hummel, Hummel - Steak, Steak
Die wichtigste Klarstellung vorweg: Ja, Münster hat wirklich einen Hafen. Einen Kanalhafen. Das verwundert jene, die noch nie dort waren. Und ihnen sei empfohlen, im Sommer unbedingt einen Abstecher dorthin zu machen. Denn wenn es warm wird, ist dort die Hölle los. Dann wandern die Zersteuungssucher zwischen Großkino, Kneipen, Restaurants, Stadtstrand und Jazz-Keller umher, ein Sitzplatz ist kaum zu finden.
Im Gegensatz zu anderen Binnenhafen-Städte, die entdecken, dass Menschen gern am Wasser sitzen, hat sich der Münsteraner Hafen wenigstens noch ein paar der Relikte aus alter Zeit erhalten. Aber auch hier dominieren leider moderne Spektakulär-Bauten in Stahl und Glas. Architektur gewordene Austauschbarkeit.
In einem der älteren Gebäude ist die “Große Freiheit 26” zu finden. Die Norddeutschen hör ich schon stöhnen: “Oh Gott, jetzt machen die Bauern einen auf hanseatisch!” Aber keine Sorge: Hier wird nicht Hansestadt simuliert, die große-weite-Welt-Bezüge sind zurückhaltend. Eher schon erinnert die “Freiheit” an einen aufgerüschte Hafenkneipe.
Die Decke ist niedrig (was die Temperatur schon mal unangenehm steigen lässt), das Licht schummerig…
"Giverny", Münster: Oui, es dauert zu longe
In Münster, meiner Heimat, ist das so eine Sache mit den Restaurants. Der Münsterländer an sich ist ein geselliger Mensch, weshalb er lieber selber kocht. Aus diesem Grund ist der samstägliche Wochenmarkt auf dem Domplatz Pflichtveranstaltung für alle Freunde guten Essens.
Deshalb aber auch gibt es so wenige wirklich gute Restaurants in der Stadt. Eines, das sich seit Urzeiten hält ist das “Giverny”. Noch immer, bestätigen meine ortsansässigen Freunde, sei es der Platzhirsch, ständig ausgebucht und für lokale Verhältnisse zu teuer (Hauptspeisen 20 bis 25 Euro, wobei das Preisniveau in Münster unter dem von Düsseldorf oder Hamburg liegt) - aber das Essen sei eine Wonne.

Als Gruppe liefen wir auf, müde und schlapp gelaufen nach einer Runde über die Skulptur Projekte. Immerhin erwies sich der Chef, ein Franzose namens Zaragoza, als flexibel: Zufällig begegneten wir ihm am Nachmittag zwischen zwei Kunstwerken, als er sein Lokal aufschloss. “Wir sind ausgebucht”, klagt er zwar bei der Bitte, unseren Tisch von fünf auf acht aufzustocken - doch “wir versuchen alles”.
Und so saßen wir sogar im Wintergarten, hinten, dem bevorzugten Teil des lichten Restaurants…
Münster - eine Skulptur von einer Stadt
QUUUUÄÄÄÄÄKKKK macht die Bremse des Hollandrades. Sein Fahrer, ein Herr im Grauhaar-Alter gewandet in eine beige Weste und weite Jeans, blickt Kopf schüttelnd auf die Installation aus buntem Metall vor ihm.
“Und dat soll Kunst sein?”, fragt er im sandweich geschmirgelten Akzent der Münsterländer.
Sein Eheweib, vom abrupten Abbremsen ihres Gatten überrascht, wendet und kommt neben ihm zu stehen. Erbost ob der kulturellen Ignoranz giftet sie zurück: “Wat iss denn für Dich Kunst. Sach mal: Wat iss Kunst?”

