Entries in Mallorca (5)
Mallorca - Sex mit der Ex
Einst war Reisen echtes Abenteuer. Damals war es etwas Besonderes mit Thomas Cook, dem Erfinder des Massentourismus, in deutsche Bäderstädte zu reisen. Deutschland - wie unendlich weit schien das für den normalen Bürger von England weg, einen ganzen Ärmelkanal und eine Nordsee weit weg, ein exotisches Land. Auch nach Amerika ging es, jenes Land der Hoffnung für die Vorväter. 1865 als Tourist nach Übersee. Wie unendlich aufregend muss das gewesen sein für die, die nicht zuvor als Soldaten oder Beamte in Kolonien tätig gewesen waren.
Mit Thomas Cook begann alles. Und mit Karl Baedeker. Reiseführer im roten Ledereinband entwarf er, die Lonely Planets des 19 Jahrhunderts, als der Planet wirklich noch lonely war an vielen Städten. Und Reisen eine Tätigkeit, die Mut erforderte.
Auch heute suchen viele das Abenteuer. In Maßen, zumindest. Sie suchen sich Ziele, an denen sie möglichst wenigen Touristen begegnen. Meist sind es Orte, an denen die Gefahr nicht mehr von wilden Tieren ausgeht, sondern von Militär-Regimen, Straßenräubern oder Transportmitteln von fragwürdiger Sicherheit. Es sind die Gefahren werdender Industrienationen.
Jene, die das Abenteuer suchen, meiden einen Ort: Mallorca.
Mallorca, das ist der Inbegriff des Billig-Tourismus, zumindest für die Inhaber deutscher Pässe. “Putzfraueninsel” schimpften sie viele schon in den 80ern. “Malle” ist ein Schimpfwort wie “Dom Rep”.
Dabei war doch Mallorca…
Son Brull: viel Design, mir zu fein
Es gibt Leute, die lieben dieses Hotel: Das Son Brull in der Nähe von Pollenca auf Mallorca. Wirklich toll durchgestylt. Freunde von uns waren kürzlich da und komplett begeistert.
Auch über die kreative Küche. Wir haben noch nie dort gewohnt, es uns aber angeguckt. Und ich find die Lage so: naja. Kein Meerblick. Gut - dafür eine schöne Aussicht in die Hügellandschaft. Aber da ist diese Strasse, die bei Tripadvisor immer mal wieder diskutiert wird. Wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt, dann ist der Geräuschpegel irgendwie lästig. Fanden wir jedenfalls. Ein Aussenpool (gehörte, glaub ich zum Spa-Bereich) hatte ausserdem Rost- bzw. Gebrauchsspuren. Fand ich jetzt nicht so ansprechend. Und dann, im Wettervergleich: Pfingsten schien bei uns im Südwesten die Sonne. Und über Pollenca hingen Wolken. Aber das kann auch an diesen Freunden von uns liegen: Die bringen den Regen überall mit hin. Haben es sogar mal geschafft, 14 Grad Kälte nach Südafrika einzuschleusen. Im Februar. Im Sommer. Wo sich in Kapstadt normalerweise alle untern Sonnenschirm verkriechen.
Kultur auf Mallorca
Mallorca hat mehr zu bieten als Ballermann-Tourismus. Das hat sich inzwischen herumgesprochen. Obwohl ich Pfingsten im Flugzeug echt erstaunt war, wieviel Fussballvereine, Kegelclubs, Junggesellenabschieds-Truppen unterwegs waren…
Eines der weniger bekannten Gesichter der Insel ist die Museumslandschaft. Denn irgendwo muss man ja hin mit dem vielen Geld - in diesem Fall die Balearen-Regierung. Mallorca ist reich geworden. Vor allem durch den Tourismus. Und das Geld wird in ambitionierte Projekte gesteckt. So unter anderem in ein Museum, das in die Stadtfestung von Palma hineingebaut worden ist: das Es Baluard. Zeitgenössische Kunst in umwerfender Architektur. Tolle Aussicht auf den Hafen von Palma. Wer sich den Museumsbesuch sparen will, trinkt einen Kaffee oder ein Glas Wein in einem der beiden schicken Restaurants, die zum Museumskomplex gehören. Unbedingt sehenswert!
Auch lohnenswert, um mit den eigenen Vorurteilen aufzuräumen, ist das Museum der Fundacio Pilar i Joan Miro. Miro hat auf Mallorca gelebt und gearbeitet. Und künstlerisch ein viel grösseres Spektrum als die inflationär auf Poster, T-Shirts und Tassen gedruckten Striche, Punkte, Halbmonde in rot-schwarz-gelb-grün. Neben der Ausstellung kann das Atelier (auch von innen) und das Wohnhaus (nur von aussen) besichtigt werden. Lässt sich übrigens gut mit einem Abstecher ins Hotel Maricel verbinden. Liegt in unmittelbarer Nachbarschaft (siehe Beitrag ‘Ausgerechnet Mallorca’).
Schöne Wechselausstellungen gibts - quasi im Vorbeigehen - in der ehemaligen Seehandelsbörse ‘Sa Llotja’, am Passeig Sagrera. Katalanische Gotik, inzwischen eine Kathedrale der Kunst!
Ausgerechnet Mallorca
Ja, ich gehöre dazu. Zu den Leuten, die immer wieder nach Mallorca fliegen. Langes Wochenende, kurzer Urlaub, Regen in Düsseldorf: ab auf die Insel. Zu jeder Jahreszeit. Und da ich das schon seit 10 Jahren mache, kenn ich mich ein klein bisschen aus.
Da wäre zunächst das Wetter: Im Winter eigentlich immer besser als bei uns (keine Kunst, das geb ich zu!). Besonders schön im Februar, wenn die Mandelbäume blühen. Achtung im November: Da kann es ziemlich stark regnen. Und wenn es regnet auf Mallorca, dann heisst das REGEN. Ich erinnere mich an ein Mittagessen im Clubhaus vom Golfclub in Camp de Mar (nein, solche Clubhäuser sind NICHT mein bevorzugter Aufenthaltsort, aber dazu mehr in einem anderen Beitrag). Wie gesagt: Camp de Mar im November, Clubhaus vom Golfplatz des Dorint Hotels, das da noch ziemlich neu war. Und das Wasser lief die Wände runter (im Gastraum), sooooooo hats geregnet.
Rein regional ist das Wetter übrigens im Südwesten am besten. Was ein Grund dafür ist, dass wir zwar schon vieles ausprobiert haben an Unterkünften: Ferienwohnungen, Fincas, Hotels in verschiedenen Ecken der Insel, aber dann doch immer wieder hier landen: Im Punta Negra Resort. Nah an Puerto Portals, schön zum dicke Boote gucken.

Mein Liebling: Die Alexa. Möcht ich mal chartern.
Lage vom Hotel auch sonst sehr gut, weil nah zu Palma (30 Minuten). Nachteil: wenig Strand, nur eine klitzekleine Badebucht. Gleich nebenan übrigens seit einigen Jahren das Hotel Mardavall. Ein Stern mehr. Aber überhaupt nicht mein Fall. Gehört seit neuestem zur St. Regis-Gruppe. Kein direkter Strandzugang - Gelände eingezäunt, ein Durchgang zu einem Badesteg. Grosse Poolanlage innen und aussen soll über dieses Manko hinwegtrösten.
Noch ein Hotel in der Nähe, das ich auch nicht wirklich empfehlen würde: Das Maricel. Es ist zugegebenermassen wunderschön. Innen wie aussen. Einen Blick zu riskieren und einen Drink zu nehmen lohnt auf jeden Fall. Genauso wie ein Lunch auf der Terrasse des zugehörigen Restaurants Senzone. Küchenchef Juan Portillo ist auf der Insel kein Unbekannter und zaubert köstliche Kleinigkeiten. Warum ich das Hotel trotzdem nicht mag: Das Personal trägt die Nase ziemlich weit oben und die Preise sind gesalzen. Unser Versuch, dort ein Fest auszurichten, wurde von der sogenannten Marketingleiterin mit soviel Auflagen belegt, dass wir am Ende dankend abgelehnt haben. Dann doch lieber wieder ins:
H10 Punta Negra Resort
E-07181 - Costa d´En Blanes (Mallorca)
T: (34) 971 68 07 62
F: (34) 971 68 39 19
h10.puntanegra@h10.es
Schnitzel Teil II
Das leckerste Schnitzel der jüngsten Vergangenheit hab ich übrigens auf Mallorca gegessen. Im Vienna in C’as Concos. Inhaber Rainer, geschätzte um-die-60, gefühlte fühl-mich-wie-40-forever-young-Fraktion hat in dem Dorf im Südosten ein besonders bei der Mallorca-Clique vom Typ ‘Hamburger Hügel’ einen Hit gelandet. Brechend voll, ohne Reservierung (fast) keine Chance. Prädikat wertvoll weil Rainers gesammelte Werke an der Wand (darunter Kippenberger).
Promidichte: hoch. An Ostern z.B. Herbert Knaup mit Cowboyhut (würde tippen: schwere Midlife-Crisis), Axel und Judith (Betzler) Milberg mit dem gesamten Friends & Family-Clan. Vor der Tür ketterauchen: Strombergs Chef. Name vergessen.
Wer das alles nicht braucht und noch besser essen will, geht einmal um die Ecke ins ‘Kote’. Baskische Küche mit Pfiff, toller Innenhof. Die Wirtin hat Witz und Biss und manchen Schwank zu erzählen. z.B. über Gäste, die bei Ihr ‘duschen’ wollten, weil das Lokal früher ein Hippie-Treff war, wo Pärchen zum Apero ein Handtuch mitbrachten, um sich den Sand vom 10 Kilometer entfernten Es Trenc-Strand endlich abzuwaschen und sich bei der Gelegenheit mal so richtig einzuseifen….

