Entries in Essen & Trinken (16)
Home of the Luxury Whopper
Es gibt ja manchmal Ideen, die sind so gaga, dass sie schon wieder gut sein könnten. So wie diese: Burger King will laut “Brand Republic” eine Art Vertu-Burger entwickeln. Ja genau, ein echtes Luxusprodukt, das es nur selten gibt, das dafür aber seeehr teuer ist. Für 85 Pfund, also rund 108 Euro soll der Luxusburger an die reiche Klientel im Londoner Chelsea und Knightsbridge über den Fast-Food-Tresen gehen. Experimentiert wird derzeit mit Wagyu-Rind, Trüffeln, edlem Blauschimmelkäse und Tiger-Prawns. Foie Gras war angeblich auch schon in der Versuchsküche, wurde aber aufgrund von Tierschützerprotesten wieder verworfen.
Wer dann diesen Burger kaufen soll, frage ich mich allerdings. Wer will schon für das Geld in eine Burger-Bude? Wenn es das bei Jean-Georges Vongerichten gäbe, oder Heston Blumenthal, ja klar. Tolles Ambiente, tolle Köche, da stimmt das Drumrum. Aber Burger King? Die einzigen Esser die ich mit vorstellen kann, sind eine kleine Gruppe geschniegelter Neureicher, die sich mit viel Bling-Bling und Vertu-Handy locker aus einer Hummer-Strechlimousine pellen und mal eben reinrauschen um zehn “Whopper Superdeluxe” zu odern. Burger King sollte dafür noch eine Kooperation mit Gucci eingehen. Dann stimmt das Logo auf der Tüte.
Ameisen statt Viagra
Wenn es gilt eine bedrohte Tierart zu retten, dann ist einer der Gründe, warum selbige bedroht sein soll, mit absoluter Sicherheit die Verwendbarkeit gewisser Bestandteiler dieser Art in asiatischen Potenzmitteln. Zumindest im Rahmen der medialen Begleitung des Dahinscheidens taucht diese These fast immer auf. Den Westeuropäer beschleicht das Gefühl, östlich von ihm steigere sich die Erregung nicht durch die Präsentation oder die Handwerkskunst eines kundigen Geschlechtspartners, sondern durch die Einnahme nach unseren Maßstäben als eklig zu klassifizierender Tierbestandteile.
Womit wir beim wunderbaren Weblog Weird Meat wären.
Seit 2004 reist sein Autor, ein Amerikaner namens Michael, um die Welt und isst - alles. Davor empfinde ich einen hohen Respekt. Denn bei unserem ersten Besuch in Thailand, es war auf Phuket, schlenderten wir über eine Thai-Kirmes.
Keine andere westliche Nase ließ sich dort blicken, der Besitzer einer wackeligen Motorräder-fahren- Wand-rauf-Bretterbude war höchst begeistert, dass Touristen es wagten, seine Show zu bestaunen. Nie schienen uns Plastikstühlchen und Tuppa-Dosen romantischer, als hier, in einer warmen Sommernacht, umflutet von überirdisch kaltem Neonlicht. Statt Luftgewehrschießen übt sich die Jugend hier mit einer Fletsche - oder sie boxt.
Natürlich aßen wir auch etwas…
Hacker-Brause
Vor genau einem Jahr kannte ich sie auch noch nicht. Dann reiste ich zum Internet-Kongress Re-Publica und dort flöste mir einer der Organisatoren Club-Mate ein. Ein Eis-Tee auf Mate-Basis ist die braune Limo und ihr Werbespruch sagt alles: “Man gewöhnt sich dran”.
Stimmt. Leicht muffig kommt der erste Schluck daher, so wie Mate-Tee nun mal ist. Der wird hergestellt aus den getrockneten Blättern einer südamerikanischen Stechpalme - was ja nur halb so aromatisch klingt wie “First Flush Darjeeling”.
Daraus eine Limo zu machen, darauf kam schon ein gewisser Georg Latteier im Jahr 1898. In Dietenhofen, westlich von Nürnberg, gründete er eine Fabrikation. Das Getränk namens Sekt-Bronte soll “gesundheitsfördernd, anregend und vollmundig weinartig schmeckend” gewesen sein. Der Zweite Weltkrieg machte der Sekt-Bronte aber erst einmal den Gar aus, Ende der 50er ging es weiter - doch der Vertrieb blieb auf die Region beschränkt. 1994 kaufte die Brauerei Loscher die Rechte an dem Getränk und machte daraus “Club-Mate”. Und schließlich endeckte die deutsche Hacker-Szene die Mate-Limo, weshalb sie in Web-Kreisen den Spitznamen “Hacker-Brause” trägt.
Wie aber reagiert ein Ersttrinker auf Club-Mate? Dazu der Selbstversuch von Bloggerin und Internet-Journalistin Franziska Bluhm…
Die Feiglinge von der "Rheinischen Post"
In Deutschland existiert kaum richtige Gastro-Kritik. Entweder, ein Lokal wird bejubelt - oder… Nein, kein oder. Richtige Verrisse sind selten. Als richtigen Kritiker schätze ich eigentlich nur Jürgen Dollase mit seiner exzellenten Rubrik in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” ein. 
Warum ist das so? Im Lokalbereich sicher Feigheit vor dem Anzeigenkunden. Wer schlecht über ein Restaurant schreibt, muss befürchten, dass der Gastronom Anzeigen storniert. Und überhaupt möchten man im kleinen Biotop, in dem journalist sich so tummelt, doch lieber gut Freund mit allen sein.
Welche Blüten das erzeugt, bewies die “Rheinische Post” vor einigen Wochen. Ohne Namensnennung erwähnte sie ein schlechtes Essen in der Nähe einer Kulturinstitution. Davon gibt es dummerweise mehrere in der Stadt. Und so folgte einen Tag später dieser lächerliche Text, verfasst vom Lokalchef Düsseldorf:
“Als wir gestern über ein denkwürdiges, weil gänzlich ungenießbares Essen in einem Düsseldorfer Restaurant berichteten, da haben wir keine Namen genannt, sondern nur die Örtlichkeit beschrieben: Blick in einen Park, einen berühmten Kulturtempel im Rücken. Das hat leider zu Missverständnissen geführt. Jedenfalls wurde Ciro Colella, Chef des ,Op de Eck’ im K20 (Grabbeplatz) von vielen Gästen gefragt, ob seine Crew so daneben gerührt habe. Nein, hat sie nicht.
Außerdem guckt man vom ,Op de Eck’ auf die Heinrich-Heine-Allee und erst dahinter in den Hofgarten. Auch das Café im Nordpark neben dem Aquazoo von Bernd Arens ist nicht gemeint: Arens war ebenfalls von einigen verdächtigt worden.”
So, jetzt wissen wir, wer nicht gemeint ist. Wer gemeint ist, verschweigt der Autor Hans Onkelbach auch weiterhin. Es darf gerätselt werden, weil der Herr nicht genug Mumm hat, auszuprechen, welches Lokal er meint. Bleiben zwei Möglichkeiten: Das Restaurant “Hofgarten” im Schauspielhaus (von dem in der Tat nicht so fürchterlich viel gutes berichtet wird) oder die “Bar am Kaiserteich” im K21, die aber eher weniger auf Essen ausgerichtet ist.
Warum ich nicht "Big Brother" gucke
Haben wir nicht alle eine Schwäche für Müll? Im Fernsehen, meine ich. Der eine schaut “Lindenstraße”, die andere “Verbotene Liebe”, obwohl er oder sie über Uni-Abschluss und beruflich gute Position verfügen. Ich zum Beispiel gestehe: “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” empfinde ich in gesenkter Dosis als unterhaltsam.
“Big Brother” aber finde ich scheußlich. Warum, das hat mir ein Artikel aus dem “Tagesspiegel” heute deutlich gemacht. Dort wird der frisch eingezogene Big-Brother-Haus-Bewohner Adrian zitiert. Beim Anblick des ersten Mahl rief er aus:
“Boah. Lachs und Kaviar, pfui Deibel.”
Wer unbekanntes Essen probiert, erweitert seinen Horizont. Und ich habe keine Lust auf beschränkte Horizonte in meinem Fernseher.

