Entries in Düsseldorf (15)
"Alte Metzgerei", Düsseldorf: Versuppte Tarte
Es klingt nach typisch Düsseldorfer Egomanie, wenn man einen Stadtteil in Nord und Süd unterteilt. So groß ist das Dorf an der Düssel ja nun auch wieder nicht. Im Fall von Flingern aber ist das nötig. Flingern-Süd ist echtes Arbeiterviertel und wenig hübsch. Flingern-Nord ist so was wie das Düsseldorfer Gegenstück zu Berlin-Mitte. Na ja, irgendwie. Künstler gibt es hier, kleine Mode-Ateliers, ungewöhnliche Geschäfte, interessante Gastronomie.
Zur letzteren Kategorie gehört die “Alte Metzgerei”. Von der berichten Menschen, die in Flingern arbeiten und dort mittags essen, nur positives - Zeit also für einen Besuch.
Das geht nur tagsüber, denn die “Metzgerei” hat nur von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Name verrät schon, was das kleine Lädchen früher beheimatete. Ex-Fleischgeschäfte, gerade alte, mutieren ja gerne zu Restaurants, denn oft bilden alte Kacheln eine echt schöne Umgebung. So zum Beispiel in Hamburg im wirklich hübschen “Rexrodt”.
Die “Alte Metzgerei” ist nicht anders…
"Naan & Namak", Düsseldorf: Viel Geschmack, zu wenig Fleisch
Es gibt diese “Da sollten wir auch mal wieder hingehen”-Restaurants. Es sind Lokale, in denen man schon mal war und deren Besuch in positiver Erinnerung geblieben ist. Aber eben nicht so positiv, als dass die Örtlichkeit in den Teil des Gehirns gelangt wäre, der für spontane Nennungen bei der Frage: “Wo wollen wir essen gehen?” zuständig ist.
Solch ein Restaurant ist für mich das “Naan & Namak” am südlichen Rand der Düsseldorfer City. Jedesmal auf dem Weg nach Köln, die A57-Auffahrt ist nahe, fahre ich daran vorbei und denke genau das: “Da müssteste auch mal wieder hin.” Im Sommer 2005 war ich da, wenige Monate nach der Eröffnung. Und danach - siehe oben.
Es wurde mal wieder Zeit. Erst recht, weil der sonst doch so kritische Jürgen Dollase von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” da gewesen ist - und ein ordentliches Lob schrieb. Und der lobt sonst selten. Und er geht sehr, sehr selten in Restaurants einer ethnischen Ausrichtung. Noch etwas sprach für das “Naan & Namak” - eine mittelmäßige Kritik des Blogs Speisundtrank: Deren Geschmack und meiner gingen bisher nicht zusammen (was überhaupt nicht als Kritik gemeint ist).
Das “Naan & Namak” bietet etwas, was ich nirgends sonst bisher gefunden habe: afghanische Küche. Mehr noch: gehobene afghanische Küche. Und das in sehr nettem Ambiente, die Wände sind rot, die Tische dunkel, ein Teil des nicht sonderlich großen Lokals ist eine Wasserpfeifen-Lounge.

So angenehm wie das Innere ist auch der Service. Sehr, sehr herzlich und fröhlich erklären die Inhaber die unbekannten Gerichte, versichern sich immer wieder, ob alle Fragen geklärt sind, weisen auch auf Details hin. Da haben ein paar Menschen Freude daran, die Kultur ihres Landes näherzubringen.
Auf ihre Empfehlung hin…
"Fehrenbach", Düsseldorf: 60 Stunden bis ins Paradies
Ja, wir haben gefragt. Ob es einen Unterschied macht, ob man eine Rinderschulter 40 Stunden bei Niedertemperatur gart, oder 60 Stunden. Solch eine zweieinhalbtägige Behandlung wies nämlich das “Fehrenbach” auf seiner Karte aus. Wir hatten mit einer humorvollen Replique von Chefin Julia Fehrenbach gerechnet. Stattdessen antwortete sie trocken: “40 Stunden haben wir probiert. Aber in der Schulter ist eine Sehne. Nach 40 Stunden war sie noch da, nach 60 war sie weggeschmolzen.”
Touché.
Aber irgendwie typisch, wenn man Gast im “Fehrenbach” ist, einem kleinen Restaurant am nördlichen City-Rand von Düsseldorf. Jürgen Fehrenbach steht am Herd, seine Frau begrüßt die Gäste mit Handschlag und führt fröhlich und charmant durch den Abend. Das Paar ist Gast-Wirt im schönsten Sinne: Den beiden ist anzumerken, dass ihnen das Wohl Menschen an dem runden Dutzend Tische am Herzen liegt. Für gewöhnlich gibt es zwei Menüs, das eine von ihr, das andere von ihm ausgewählt…
"Tafelspitz 1876", Düsseldorf: Tierisch gut im Zoo
Eines vorweg für die Nicht-Düsseldorfer: Düsseldorf hat keinen Zoo. Nur damit Sie nicht denken: “Mönsch, gucken wir erst ein wenig Tiger, Löwe & Co. und gehen dann richtig schnuckelig essen.” Düsseldorf hat zwar ein Zooviertel, aber nur einen Aquazoo und der ist ganz woanders.
Das, was einst Zoo war, haben die Raumordnungsmaßnahmen der britischen Luftwaffe in die Grundlage für den Zoopark und das darin befindliche, legendäre Eisstadion an der Brehmstraße verwandelt. Auferstanden aus den Trümmern ist rundherum ein Stadtviertel, das sich durch eine hohe Konzentration der Erbengeneration und eine extrem geringe Konzentration ansprechender Gastronomie auszeichnet. Hier ein gehobenes Restaurant zu eröffnen, ist irgendwie logisch - schließlich befinden sich zahlreiche Sterne-Läden ebenfalls in der Pampa. Und das Zooviertel ist in Sachen Vergnügungen ganz schön pampig.
Gehoben, das ist das “Tafelspitz 1876”. Mehr noch: Es ist das wohl nächste Restaurant in der NRW-Hauptstadt, dass auf Sterne hoffen darf. Am Herd steht Daniel Dal-Ben, jung, aber nicht wild, sondern eher klassischen Werten verpflichtet. Und was er zubereitet ist so bemerkenswert, dass selbst der sonst hyperkritische Jürgen Dollase in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” eine Lobeshymne (die leider nicht online zu finden ist) verfasste. Also für Dollases Verhältnisse.
Das Innere des “Tafelspitz” ist fast verdächtig unauffällig. Ein Ladenlokälchen war es einst vielleicht, links findet sich ein Bar-Thresen mit reichlich Alkoholika, ansonsten ist alles schlicht und weiß - und klein. Gerade einmal 26 Gäste können tafelspitzen. Umso auffälliger ist das Bemühen um die Gäste. Mit Handschlag werden die Eintreffenden begrüßt , und den gesamten Abend über bleibt der Service freundlich und schwungvoll - da hat jemand einfach Spaß an seinem Job. Noch bevor wir die Karte in Händen halten grüßt die Küche ebenfalls. Und das in einer Vehemenz, wie sie gemeinhin Generälen von frischen Rekruten entgegengebracht wird.
"Hyuga", Düsseldorf: Guter Fisch und Shikataganai
Sushi in Düsseldorf – eigentlich schon fast alltäglich. Und doch gibt es immer noch etwas zu entdecken. So zum Beispiel das japanische Restaurant “Hyuga”: Klein, ursprünglich, gutes Essen. Authentisch japanisch - aber mit Schönheitsfehlern. Aber dazu später.
Es gibt nicht nur viele Restaurants mit japanischer Küche in Düsseldorf, sondern die Mehrzahl ist authentisch und gut. Das liegt sicher auch daran, dass in Düsseldorf rund 7.000 Japaner leben, die hohen Standard kennen und erwarten. Es gibt noch einige Lokale, die fast nur von Japanern aufgesucht werden. Die, die von deutschen Gästen entdeckt werden, verlieren manchmal an Beliebtheit bei Japanern, weil sie sich (wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit) assimilieren. So soll das bei den „Seiyo-jin“, also den westlichen Mitbürgern, bekannte und beliebte Restaurant “Kikaku” in letzter Zeit stark nachgelassen haben. Das munkelt jedenfalls die japanische „Community“. Wo also Hingehen, wenn der alltägliche Sushi-Jiper kommt?
Das „Hyuga“ liegt etwas versteckt in der Klosterstraße. Meine Schwester fragte direkt: „Aha, wie schreibt man denn Hyuga?“ Selbst Japanern erschließt sich der Name nicht sofort. Er besteht aus den Symbolen für „Tag“ und „Weiß“. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Ortsnamen, das ist nicht so genau zu bestimmen. Mein Liebster hat Geburtstag, ich lade ein. Wäre doof, wenn das Essen nicht gut ist.
Reservieren ist etwas umständlich. Theoretisch geht es, denn es gibt eine Telefonnummer. Praktisch ist es eine Tortur…

