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"Große Freiheit 26", Münster: Hummel, Hummel - Steak, Steak
Die wichtigste Klarstellung vorweg: Ja, Münster hat wirklich einen Hafen. Einen Kanalhafen. Das verwundert jene, die noch nie dort waren. Und ihnen sei empfohlen, im Sommer unbedingt einen Abstecher dorthin zu machen. Denn wenn es warm wird, ist dort die Hölle los. Dann wandern die Zersteuungssucher zwischen Großkino, Kneipen, Restaurants, Stadtstrand und Jazz-Keller umher, ein Sitzplatz ist kaum zu finden.
Im Gegensatz zu anderen Binnenhafen-Städte, die entdecken, dass Menschen gern am Wasser sitzen, hat sich der Münsteraner Hafen wenigstens noch ein paar der Relikte aus alter Zeit erhalten. Aber auch hier dominieren leider moderne Spektakulär-Bauten in Stahl und Glas. Architektur gewordene Austauschbarkeit.
In einem der älteren Gebäude ist die “Große Freiheit 26” zu finden. Die Norddeutschen hör ich schon stöhnen: “Oh Gott, jetzt machen die Bauern einen auf hanseatisch!” Aber keine Sorge: Hier wird nicht Hansestadt simuliert, die große-weite-Welt-Bezüge sind zurückhaltend. Eher schon erinnert die “Freiheit” an einen aufgerüschte Hafenkneipe.
Die Decke ist niedrig (was die Temperatur schon mal unangenehm steigen lässt), das Licht schummerig…
Jeder bekommt die Gäste, die er verdient
Kürzlich führte mich eine Dienstreise nach Badenweiler, ganz weit im Süden der Republik. Dort nächtigte ich im “Römerbad”, dem, wie mir ein in der Region kundiger Kollege versicherte, “erstem Haus am Platze”. Fünf Sterne zählt das “Römerbad” und gehört zu jenen “ersten Häusern am Platze”, die zwar ständig renoviert werden, aber trotzdem so aussehen, als hätten sie Mitte der 80er das letzte Mal einen Inneneinrichter gesehen. Der Service, das muss hervorgehoben werden, bewegt sich aber auf Sechs-Sterne-plus-Niveau. Privat würde ich dort also nie absteigen, allein schon wegen der typisch deutschen Mondpreise für WLan-Zugänge.
Eines aber ist berichtenswert. Ein Schild auf dem Schreibtisch meines Zimmers. Es sorgte dafür, dass ich mich zum ersten Mal in einem Fünf-Sterne-Hotel fragte: “Wer verkehrt denn, bitteschön, hier sonst?”
"Waz-Kantine", Essen: Es gibt sie noch, die guten Dinge
Achtung: Dieser Beitrag enthält Ironie.
Wir leben in hektischen Zeiten, auch gastronomisch. Ständig tauchen neue Konzepte auf, fühlen sich Restaurants genötigt, “sich neu zu erfinden”. Solches Kauderwelsch lernen sie wohl von Gästen, auf deren Visitenkarten Worte auftauchen wie “Partner” oder “Consultant”.
Dann reißen sie ihre alte Theke heraus und auch alles, was dunkel ist und aus Holz. Coolness ist angesagt und lichte Lichtheit, und eine Lounge gehört auch dazu, dort lümmeln sich dann jene, die sich Essen nicht leisten können, in unappetitlichen Positionen herum. Meist liegt diese Lounge im Eingangsbereich des Lokals, was den Restaurantbereich oft Gäste kostet - denn wer hineinschaut, glaubt, hinter den fluffigen Kissen komme nichts mehr.

In der Nähe des Essener Bahnhofs aber liegt ein Hort der Tradition, ein gastronomischer Asterix in einem Land, das von römischen Vandalen besetzt ist. Und den Römern verdanken wir ja auch die Idee, das Essen im Liegen ein Fortschritt sei. Als nächstes werden sich neu erfindende Gastronomen wahrscheinlich Straußenfedern zulegen, um ihren Gästen nach dem Mahl den Gaumen zum Brechreiz zu kitzeln.
Mit modernem Treiben aber hat man hier, in einem Lokal, das nicht mal einen Namen trägt, nichts am Hut. “Kantine” nennen die Gäste liebevoll ihre Speiseanstalt. Praktisch jeden Mittag sind sie hier, Konkurrenz hätte in der Nachbarschaft nicht den Hauch einer Chance.
Betreten wir also die - der Öffentlichkeit traurigerweise nicht zugängliche - “Kantine” inmitten des grauen Betonklotzes des Verlagshauses der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” zu Essen.
Dortmund – oder: Ein Abend mit den Buddenbrooks
Das Glück liegt vor der Haustür. Genau wie der Erkenntnisgewinn. Seit nunmehr 10 Tagen bin ich auf Reportagetour im Ruhrgebiet unterwegs. Mit Annette und Luigi, dem Pottsblitz. Wer mal gucken möchte, was wir so alles erleben, der schaut nach unter www.pott2null.de Es lohnt sich!

Seit ich das mache, freue ich mich jeden Tag über die gewonnene Erkenntnis, dass man nicht weit wegfahren muss, um tolle Sachen zu erleben. Zum Beispiel gestern Abend. Anlässlich der Nacht der Museen hatte das Theater Dortmund zu einer öffentlichen Probe der „Buddenbrooks“ eingeladen. Ein solches Theatervergnügen an einem Samstagabend und dann noch zum Nulltarif – das wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen.
"Giverny", Münster: Oui, es dauert zu longe
In Münster, meiner Heimat, ist das so eine Sache mit den Restaurants. Der Münsterländer an sich ist ein geselliger Mensch, weshalb er lieber selber kocht. Aus diesem Grund ist der samstägliche Wochenmarkt auf dem Domplatz Pflichtveranstaltung für alle Freunde guten Essens.
Deshalb aber auch gibt es so wenige wirklich gute Restaurants in der Stadt. Eines, das sich seit Urzeiten hält ist das “Giverny”. Noch immer, bestätigen meine ortsansässigen Freunde, sei es der Platzhirsch, ständig ausgebucht und für lokale Verhältnisse zu teuer (Hauptspeisen 20 bis 25 Euro, wobei das Preisniveau in Münster unter dem von Düsseldorf oder Hamburg liegt) - aber das Essen sei eine Wonne.

Als Gruppe liefen wir auf, müde und schlapp gelaufen nach einer Runde über die Skulptur Projekte. Immerhin erwies sich der Chef, ein Franzose namens Zaragoza, als flexibel: Zufällig begegneten wir ihm am Nachmittag zwischen zwei Kunstwerken, als er sein Lokal aufschloss. “Wir sind ausgebucht”, klagt er zwar bei der Bitte, unseren Tisch von fünf auf acht aufzustocken - doch “wir versuchen alles”.
Und so saßen wir sogar im Wintergarten, hinten, dem bevorzugten Teil des lichten Restaurants…

