Entries in Berlin (9)
"The Mandala Suites", Berlin: Friedrichstraßendepression
Ich wollte es ja nicht glauben. Nein, dachte ich, das “Mandala Hotel” in Berlin hat ein so tolles Restaurant, das “Facil”, nämlich, die werden nicht so stillos sein und im Internet Design vortäuschen, was nicht da ist. Und so buchte ich ein Zimmer in den “Mandala Suites” in der Friedrichstraße, einem Ableger des Hotels.

Die Homepage aber hinterließ bei mir ein mulmiges Gefühl. Denn es gibt ja gewisse Dinge, die beim Internet-Auftritt eines Hotels darauf hindeuten, dass der Schein das Sein übertrifft. Zum Beispiel, wenn es viele Fotos von Zimmerdetails gibt, aber wenige Panoramaansichten; wenn Blumen- und Accessoiresbilder verwendet werden, die überall enstanden sein könnten; und wenn Fotos so überirdisch hell wirken, als sei dies die Heimstatt des Heiligen Geistes. 
Auf diese Regel wollte ich nicht hören - und das war ein Fehler. Schon die Lage der Suiten ist etwas gewöhnungsbedürftig. Sie liegen im hinteren Bereich der Friedrichstraße, umgeben von Büros. Einen großen, überdachten Innenhof muss der Gast durchqueren, bevor ihn das untadelig freundliche Personal empfängt. Die Rezeptionistinnen erklären ihm dann, dass es einen Nebeneingang für die Nacht gibt und führen ihn durch recht kahle Gänge zum Zimmer.
Das ist vor allem eines:…
"Facil", Berlin: Die Leichtigkeit der Jugend
Irgendwann, in ein paar Jahren, können wir richtig strunzen. Dann werden wir beisammen sitzen in fröhlicher Runde und über Essen und Ausgehen reden. Sicherlich wird dann jemand den Namen Michael Kempf fallen lassen. “Hach, da müsste man mal essen - drei Sterne!”, wird es dann heißen. Und dass sein neues Kochbuch so toll sei. “Habt Ihr seine Kochsendung gesehen? Klasse”, ergänzt noch jemand. 
Und wir? Wir nehmen noch einen Schluck Rotwein, lächeln mitleidig und werfen ein: “Ach, beim Kempf haben wir schon gegessen, da hatte der noch einen Stern und kaum jemand kannte ihn.”
Die Gruppe schweigt erstaunt. “Und”, fragt jemand etwas leiser, “wie war es?”
Wir verdrehn schwärmerisch die Augen, nippen noch einmal am Wein und seufzen:
"Grill Royal", Berlin: Treffpunkt der medialen Dienstleistungs-Masochisten
Updated on Donnerstag, November 22, 2007 by
Gotorio
Zwei Tische weiter sitzt Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. Drei Tische weiter Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski im Kreise seiner Investoren. Hinter uns einer der Gründer des angesagten finnischen Startups Dopplr mit Freunden. Und quer durch den Raum Gesichter, die wir schon mal irgendwo gesehen haben – nur woher? Ja, doch, das „Grill Royal“ ist der Hotspot der Berliner Medienszene, das Edel-Steakhaus unter den Edel-Steakhäusern. Und Fleisch lieben die Mitglieder der Branche, die sich gerne als Haifischbecken sieht. 
Dass aber gerade das „Grill Royal“ so hoch in der Beliebtheitsskala liegt, beweist vor allem eines: Medienmenschen legen keinerlei Wert auf Service, mehr noch – hundsmiserabler Service geht ihnen am Iphone vorbei. Vielleicht mögen sie es ja auch von heillos überforderten Kellnern bedient zu werden? Verleiht es den Medialen etwa ein Gefühl der Überlegenheit? Ich weiß es nicht. Sicher ist nur: Das „Grill Royal“ untertrifft in Sachen Bedienung sogar unsere Erfahrungen aus dem „Basil’s“ in Düsseldorf.
"Lux 11", Berlin: Coole Mitte
Man könnte das Folgende als Luxusproblem ansehen. Schließlich ist es ja nicht so, dass es Berlin an Hotels mangelt - im Gegenteil, wie die mit Kampfpreisen um jeden Gast ringenden Hoteliers immer wieder beklagen.
Auch schöne, sympathische, metropolig desingte Herbergen gibt es einige. Doch hiermit tasten wir uns an das Problem heran. Denn die Differenz zwischen den Berliner Gegenden, in denen man als Großstadt-Touris seine Stunden verbringt und den Vierteln, in denen jene interessanten Hotels liegen, ist der Haken.
Nehmen wir nur einmal das herrlich überdrehte “Q”, in dessen Frühstücksraum sich Gäste fühlen wie leicht deprimierte Existenzialisten in französischen 70er-Jahre-Filmen. Adresse: Knesebeckstraße, Ecke Kudamm. Kudamm! Bitte! Die Ex-Prachtstraße ist heute nur noch Anlaufstelle für unverbesserliche 80er-Jahre Fetischisten!
Ziemlich weit den Kudamm runter, weg von der Gedächtniskirche und vom munteren Leben liegt das “Kudamm 101” - etwas weniger euphorisch entworfen, aber ein nettes Designhotel, wenn man mal vom kasernenartigen Betonboden der Zimmer absieht. Dafür gibt es einen tollen Frühstücksraum über den Dächern der Hauptstadt mit nicht minder angenehmem Essen.
Und dann das “Bleibtreu”, ein wenig renovierungsbedürftig aber immer noch ein sehr angenehmes Haus, bei dem einem zum Frühstück der omnipräsente Jürgen Vogel serviert wird - kommt anscheinend jeden Morgen hierher, wenn er in der Stadt ist. Und wo liegt es: am Kudamm.
Wer aber in diesen Zeiten Berlin besichtigt, der möchte coole Bars, hippe Restaurants, perfekte Latte Macchiatos. Und die gibt es eben in Mitte oder Friedrichshain. Ausgerechnet dort aber gibt es vor allem anonyme Kettenhotels mit Teppichböden, die allein nach dem Merkmal der Fleckunempfindlichkeit ausgesucht worden sind. Mit einer - so weit mir bekannt - Ausnahme: das “Lux 11”.
Die New Economy der Gastronomen
Gerade lese ich über das Berliner Restaurant “Borsig B” und denke:
MUUHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!
Denn dieses strunzt mit seiner Weinauswahl:
“Neben dem mediterran angehauchten Speisenangebot etabliert sich das Gourmet-Restaurant “Borsig B”, das im “Best Western Premier Hotel am Borsigturm” zuhause ist, mit mehr als 250 Weinen aus über 30 Ländern. Zwölf offene Weine sind schon ab 2,50 € pro Glas zu genießen.”
250 Weine? Ein Dutzend offene? Wie süß. Das erinnert mich an die Internet-Wirtschaft. Da kann jeder Weltmarktführer sein - er muss Welt und Markt nur klein genug definieren. Und vielleicht sind ein Dutzend Offene in Berlin ein Lobhudelei wert. Doch jedes leidlich ambitionierte Kneipenrestaurant hat so viele im Angebot. Und die 250 Flaschen. Ein Witz, verglichen mit dem sehr empfehlenswerten Steakhaus “Belthazar” in Kapstadt: 100 offene Weine und 500 insgesamt - wenn sich das “Borsig B” diesen Dimensionen annährt, dann dürfen sie gerne mal strunzen.

