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"Castell", Amsterdam: Totes Tier auf Skihütte

Konferenzen sind eine Schädigung der Volksgesundheit auf Magenebene. Vor allem, seit es der Wirtschaft wieder besser geht und die Zahl der Bissnäss Ihwänts wieder zunimmt. Nun füllen sich ohnehin schon gestresste Entscheider ihre Mägen wieder zunehmend mit Kleinteiligem von hohem Fett- und geringem Geschmacksanteil.

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Früher gab es wenigstens noch Buffets und somit die Aussicht wenigstens etwas an ein Hauptgericht erinnerndes zu sich nehmen zu können. Dann aber kam die bunte, wilde Zeiten der New Economy, deren aufgeblähte Dotcom-Gelder den wohl größten Innovationsschub in der Historie des mobilen Essens bewirkten. Und aus dem Buffet wurde erst das Finger Food und nun das Flying Buffet.

Heute wird selbst dieses Finger Food in Massen gefertigt, nur noch Aufwärmen muss der zuständige Dienstleister, dessen Berufsbild nun als “Caterer” bezeichnet wird.

In dieser Funktion reicht er nun grausames Pressfleisch am Stock, gepaart mit undefinierbarer brauner Sauce - eine Saté-Spieß-Behauptung. Fettige Käsecreme wird in Jalepenos gequetscht, die das Wassertomaten-Gegenstück ihrer Art sind: groß und geschmacksbefreit. Gesundheitsfanatiker dürfen ihre Zähne mit nicht sonderlich appetitlicheren Möhrenstängchen trainieren, die in etwas weißes, glibberiges getaucht werden sollen.  Die  kulturelle Gepflogenheit des bröckchenauffangenden Tellers wird dabei gern ignoriert. Verschmierte Entscheiderhände schütteln verkrümelte Managerfinger. Und wer versucht beim Flying Junk Food satt zu werden, in dem erwachen die Gene seiner Vorväter, die bei der Jagd dankbar waren, wenn sie nach Tagen des Hungerns ein Zwerghuhn erlegten.

Auf dem Innovations- und Internet-Kongress Picnic 07 in Amsterdam wurde diese kulinarische Folter in der vergangenen Woche durch eine neue Variante angereichert: Sandwiches von so extremer Pappigkeit, dass ihre Verwendung als Kopfkissen als gangbare Lösung erschien. Auch Brötchen gab es. Sie warfen die Frage auf, ob es im Niederländischen überhaupt einen Begriff für “knusprig” gibt? Wenn ja, wozu braucht man ein Wort für etwas, das nicht existiert?

Am Abend gelüstete es nicht nur mir nach einem Essen am Stück.

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Posted on Dienstag, Oktober 2, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | CommentsPost a Comment | PrintPrint