Entries by Katja Marjan (38)
Roberts Bistro: Ein Platz an der Sonne
Der Düsseldorfer Hafen bei Regen ist zugig und ungemütlich und wirklich nur zu empfehlen, wenn man zielsicher weiß, wo man hin will und das Lokal direkt und ohne Umweg ansteuert. Der Düsseldorfer Hafen bei Sonnenschein lädt zum Schlendern ein, zum Spazieren und Flanieren.
Einen Ort gibt’s im Düsseldorfer Hafen, der ist ein „Rain-or-Shine-Place“ – es ist Roberts Bistro. Ein französisches Restaurant, benannt nach dem Gründer Robert Hülsmann, der sich allerdings schon vor Jahren aus dem Lokal zurückgezogen hat. Damals hieß es, es sei ihm alles zu viel geworden. Erfolg kann müde machen.

Mit dergleichen Begeisterung, mit der Robert vorher viele Jahre kochte, führt jetzt einer seiner damaligen Mitarbeiter, Paul Meister, die Küchenbrigade an. Und dass das Restaurant schon immer gut geführt war, merkt man daran, dass man den kreativen Übergang von Meister zu Meister gar nicht bemerkt. Es schmeckt immer noch alles wie früher: Einfach super.
Dortmund – oder: Ein Abend mit den Buddenbrooks
Das Glück liegt vor der Haustür. Genau wie der Erkenntnisgewinn. Seit nunmehr 10 Tagen bin ich auf Reportagetour im Ruhrgebiet unterwegs. Mit Annette und Luigi, dem Pottsblitz. Wer mal gucken möchte, was wir so alles erleben, der schaut nach unter www.pott2null.de Es lohnt sich!

Seit ich das mache, freue ich mich jeden Tag über die gewonnene Erkenntnis, dass man nicht weit wegfahren muss, um tolle Sachen zu erleben. Zum Beispiel gestern Abend. Anlässlich der Nacht der Museen hatte das Theater Dortmund zu einer öffentlichen Probe der „Buddenbrooks“ eingeladen. Ein solches Theatervergnügen an einem Samstagabend und dann noch zum Nulltarif – das wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen.
Kultur im Ruhrgebiet – oder: Weshalb es sich lohnt, zur Triennale zu gehen

Huch! Da ist er weg. Der Satz. Hat sich verflüchtigt. Verabschiedet aus dem Kurzzeit-Gedächtnis. Ist verschwunden vom Blatt Papier, das vor ihm liegt.
Suchend huschen seine Augen über das Manuskript. Nichts. Er macht eine Pause. Eine Sekunde zu lang. Und dann schließt er an, als ob nichts wäre. Aber Sinn macht es nicht. Irgendwas fehlt. Egal. Das Herz sitzt links, nicht nur bei einem Kaiser. Und so lässt Mario Adorfs Vortrag bei der Ruhrtriennale, einem Kulturfestival in spektakulärer Kulisse, die Herzen der Zuhörer höher schlagen. Hans Christian Andersens Märchen „Die Nachtigall“ trägt der Schauspieler mit sonorer Stimme vor – und hat entweder die Brille vergessen oder liest den Text über einen chinesischen Kaiser und einen kleinen grauen Vogel zum ersten Mal , so überrascht und überraschend hebt er manchmal die Stimme am Ende eines Satzes.
Erst gegen Ende der Vorstellung, nachdem Edita Gruberová, die gemeinsam mit ihm und den Dortmunder Philharmonikern bei dem Abend mit dem Titel „Casta Diva“ aufgetreten ist; gesungen hat wie es ein gutes Dutzend Nachtigallen schöner nicht könnten - Donizetti-Arien und Stücke von Bellini, wird er lockerer und trumpft auf mit Franz Grillparzers Gedicht über die Nachtigall als Hommage an die Operndiva. Die meiste Zeit muss er der Gruberová ohnehin den Vortritt lassen und sitzt wie ein Musiker ohne Instrument im Orchester.
Ein Schauspieler ohne Rolle, der bis zur Halbzeit grimmig dreinblickt, ob des blöden Hängers vom Anfang, oder der vergessenen Brille. In jedem Falle: Unglücklich.
Leckere Insektenküche
Für Thomas:
Such Dir was aus, ich koch’s für Dich!

Belgien: Frikandeln versus feine Küche
Wir waren in Belgien. Genauer gesagt in Pepinster. In der Hostellerie Lafarque. Dieses weit über die Grenzen Belgiens bekannte Hotel und Restaurant, das zur Relais&Chateaux-Kette gehört, ist berühmt für seine Sterneküche. Den einzigartigen Ruf verdankt es Michel Lafarque. Nach Aussagen von Szenekennern war der Meisterkoch im Begriff, für sein Restaurant den dritten Stern zu erobern. Doch dann verstarb der Maître vor einigen Jahren unerwartet früh. Und seine Frau Agnes heuerte nach seinem Tod Samuel Blanc an. Auch er ist ein begnadeter Virtuose am Herd.

Doch das Erbe von Lafarque wiegt schwer und es will hart verdient sein. Die kritischen Tester vom Guide Michelin vergaben bisher an Blanc „nur“ einen Stern. Hätten wir an unserem Wochenende in Wallonien ein Publikums-Votum abgeben können: Wir hätten uns schwer getan, Bestnoten zu vergeben.

