Entries by Gastautor (11)
"Bobby Chinn", Hanoi: Rosenblätter im Klosett
Die Ernährung auf Reisen ist manchmal geprägt von Entbehrung und Unverständnis der körpereigenen Darmflora. In Vietnam kann es durchaus passieren, dass der geneigte Gourmet von den ihn umgebenden kulinarischen Wundern nichts mitbekommt, weil er sich von Reiskeksen und Instant-Suppen ernährt.
Das aber wäre wirklich jammerschade, denn dann würde er sich des Vergnügens berauben, im dekadentesten Hot Spot Hanois zu speisen: bei “Bobby Chinn”, direkt an der Promenade um den idyllischen Hoan Kiem See.
Der Restaurantchef, Amerikaner mit sagenhafter ägyptisch-chinesischer Abstammung, ehemaliger Investment-Banker, gnadenloser Selbstvermarkter und Everybody’s Darling unter Hanois Expatriots und Nouveau Riches, kocht schon längst nicht mehr selbst…
"Hyuga", Düsseldorf: Guter Fisch und Shikataganai
Sushi in Düsseldorf – eigentlich schon fast alltäglich. Und doch gibt es immer noch etwas zu entdecken. So zum Beispiel das japanische Restaurant “Hyuga”: Klein, ursprünglich, gutes Essen. Authentisch japanisch - aber mit Schönheitsfehlern. Aber dazu später.
Es gibt nicht nur viele Restaurants mit japanischer Küche in Düsseldorf, sondern die Mehrzahl ist authentisch und gut. Das liegt sicher auch daran, dass in Düsseldorf rund 7.000 Japaner leben, die hohen Standard kennen und erwarten. Es gibt noch einige Lokale, die fast nur von Japanern aufgesucht werden. Die, die von deutschen Gästen entdeckt werden, verlieren manchmal an Beliebtheit bei Japanern, weil sie sich (wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit) assimilieren. So soll das bei den „Seiyo-jin“, also den westlichen Mitbürgern, bekannte und beliebte Restaurant “Kikaku” in letzter Zeit stark nachgelassen haben. Das munkelt jedenfalls die japanische „Community“. Wo also Hingehen, wenn der alltägliche Sushi-Jiper kommt?
Das „Hyuga“ liegt etwas versteckt in der Klosterstraße. Meine Schwester fragte direkt: „Aha, wie schreibt man denn Hyuga?“ Selbst Japanern erschließt sich der Name nicht sofort. Er besteht aus den Symbolen für „Tag“ und „Weiß“. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Ortsnamen, das ist nicht so genau zu bestimmen. Mein Liebster hat Geburtstag, ich lade ein. Wäre doof, wenn das Essen nicht gut ist.
Reservieren ist etwas umständlich. Theoretisch geht es, denn es gibt eine Telefonnummer. Praktisch ist es eine Tortur…
Das Wunder von Marrakesch – Der Platz der Gaukler
Marrakesch. Welch ein Name! Sprechen Sie ihn laut aus: M a r r a k e s c h. Man kann sich schon dem Reiz dieses Wortes nicht entziehen. Es steht in einer Reihe mit Sansibar, Tahiti, Bora Bora und der Copacabana. – Marrakesch – wem erscheinen beim Klang dieses Ortes nicht sofort Bazare, Oasen, Dünen und Kamele vor dem geistigen Auge? Was für eine Stadt!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: wenn ich von Marrakesch rede, dann von der Altstadt. Oder um noch genauer zu sein, vom Bazar und dem Platz der Gaukler, dem Djemaa el Fna . Der restliche Stadtkern sowie die Vororte sind eine Ansammlung von seelenlosen Zweckbauten, bei denen man meinen könnte, sie würden nur von den Dutzenden der oberirdischen Stromkabel am Zusammenbruch gehindert. Marrakesch ist also leider auch nur eine der unzähligen, urbanen Scheußlichkeiten, wie man sie in Afrika zu Hauf findet. In der Mitte der Stadt jedoch wartet ein Juwel, das seinesgleichen auf der Welt sucht: der Platz der Gaukler. Nicht weil er so schön ist, sondern weil er Ort eines einmaligen Schauspiels ist.

Der Djemaa el Fna ist ca. 300 x 100 Meter groß und liegt zwischen der Koutoubia-Moschee und dem Labyrinth des Bazars.
Toskana mit Kids: Höhlenforscher für drei Stunden
Die Dunkelheit umhüllt uns. Wir sehen nichts, keine Umrisse, keine Grauschattierungen - absolute Finsternis. Wir stehen 60 Meter unter der Erde, und unsere Führerin hat das Licht ausgeknipst, um uns zu zeigen, wie sich stockdunkel anfühlt. Wir stehen bewegungslos da, meine jüngere Tochter drückt meine Hand ganz fest. Nach einer Minute ist die Beleuchtung wieder an.
Der Besuch der Tropfsteinhöhle Grotta del Vento, der Windhöhle, ist ein Highlight unseres Urlaubes in der Toskana. Mit meinem Mann und meinen beiden Töchtern (8 und 11 Jahre alt) habe ich ein wunderschönes Häuschen in Marti, einem kleinen Ort zwischen Pisa und Florenz, gemietet und von dort aus erkunden wir die Toskana. Nach diversen Städtetouren nach Pisa, Lucca, Siena und Florenz ist die Begeisterung der Mädchen auf weitere Palazzi, Torri oder Musei abgeflaut, deshalb schlage ich eine Expedition ins Höhlenreich vor.
Woran erkenne ich gutes Sushi?
Wenn man als Asiate in Europa aufwächst, ist man für Europäer Experte für den Fernen Osten.
Somit bin ich als Japanerin Expertin auch für Sushi.
Wenn man in Europa aufwächst, dann ist man für Asiaten Europa-Experte. Somit bin ich bin als in Europa aufgewachsene Japanerin – auch das lässt sich irgendwie herleiten – Expertin für Brot.
Mich hat mal mein damaliger japanischer Chef gefragt: Woran erkenne ich gutes Brot? Und wie esse ich das am besten? Die gedanklichen Ansätze der Fragen kommen aus der gleichen Ecke.
Dieses Mal soll ich also als Sushi-Expertin dem gemeinen Mitteleuropäer erklären, woran er ein gutes Sushi erkennt.

