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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

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Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Freitag
Jun082007

Wie war's in Düsseldorf? Och, du, blutig.

Vom Rheinländern heißt es gemeinhin, er sei sehr gesellig und habe gerne Menschen um sich. Für den Düsseldorfer scheint das nicht zu gelten - zumindest nicht, wenn er Oberbürgermeister ist.

Denn Düsseldorfs OB Joachim Erwin arbeitet munter weiter daran, seinen Bürgern jeden Spaß am Leben auszutreiben. Angefangen hat es mit “Monkey’s Island”, jenem wundervollen Stadtstrand im Medienhafen, der den Maßstab setzte für alle anderen Stadtstrände in der Republik. Die Betreiber aber überwarfen sich mit Erwin, oder er sich mit ihnen, warum, ist nicht bekannt. Die Affeninsel musste weichen, an ihre Stelle soll ein Hyatt-Hotel treten, das angesichts der hotelunfreundlichen Lage selbst mit dem großen Namen in absehbare Probleme laufen wird.

Überhaupt Hotels. Ein Lieblingsthema von Herrn Erwin. Ständig entstehen in Düsseldorf neue, tolle, große Herbergen. Wie sehr bei diesen Neuschöpfungen Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen, konnte ich im Intercontinental auf der Kö besichtigen. Meine Mutter war zu Gast, eine Dame, deren Alter selbstverständlich nicht öffentlich gemacht werden soll. Das ihres Sohnes, 37, gibt aber sicher einen Einblick. Solch einer Dame also wird weder die Tasche nach oben getragen noch der Weg gewiesen: “Sie finden das ja sicher.”

Die Zimmer, gehalten in jenem anonymen Hotel-Design, das die heutige Generation der Geschäftsreisenden in ihrer Austauschbarkeit sicher irgendwann in die Geschmacksverirrung treiben wird, wirken schon heute so verwohnt, als stehe das Hotel seit Jahrzehnten. Tut es nicht. Eröffnet wurde es 2005. Die Hotelbar schloss an jenem Abend bereits vor zehn, was zahlreiche Gäste in die Lobby trieb. Dort war eine Garderobe nicht vorhanden, die Mäntel wurden schwungvoll über die Sessel drapiert, die Szenerie bekam einen Touch Deutsche-Bahn-Lounge. Andererseits: Die völlig überteuerte Bar ist auch nichts, was man gesehen haben muss.

Am nächsten Morgen bewies das Interconti, dass die grassierende Unsitte des mittelmäßigen Buffet-Frühstücks zu aberwitzigen Preisen auch bei dieser Kette gern gepflegt wird. Gut, Robbie Williams ist auch im Interconti abgestiegen, aber angesichts seiner Depressionen, war ihm wohl auch alles egal.

Intercontinental
Königsallee 59
40215 Düsseldorf



Für Düsseldorf bleibt die Hoffnung, dass der neue “Breidenbacher Hof”, geführt von Ritz Carlton, vielleicht die edle Alternative zum Plüschpalast “Steigenberger Parkhotel” werden könte (auch wenn das neue Luxushotel, das noch in diesem Jahr öffnen möchte, noch keine funktionierende Homepage hat). Vom neuen “Breidenbacher Hof”, im alten hat Udo Lindenberg übrigens mal als Page gearbetet, lässt sich dann auch wunderbar das absehbare Chaos an der Heinrich-Heine-Allee beobachten. Womit wir wieder bei OB Erwin sind.

Die Heine-Allee, das muss für Auswärtige erklärt werden, ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der Innenstadt. Sie grenzt unmittelbar an die Altstadt, weshalb hier auch der wichtigste Taxistand für Altstadtgänger platziert ist. In Düsseldorf aber gibt es zu viele Taxi-Lizenzen. Und Ausgehabenden, also Mittwoch, Freitag, Samstag, stauen sich die Taxis so massiv, dass der restliche Verkehr schwer behindert wird und ausländische Gäste sich dem Glauben hingeben dürfen, Düsseldorf seit tatsächlich eine Metropole. Wegen Taxistau wie in New York, oder so.

Unordnung aber ist OB Erwin so unerträglich wie dem Schwerstheuschnupfer ein Graspollensturm. Und deshalb hat er schon beim großen japanischen Feuerwerk kürzlich den Taxistand dichtmachen lassen. Bald will er ihn ganz schließen. Und die Altstadtbesucher? Die könnten nach kreisenden Taxen Ausschau halten, meint Erwin.  Das klappe doch in Rom oder London auch,  zitiert ihn die “NRZ”.  Was nur beweist, dass Erwin noch nie versucht hat, an einem Samstag Abend im Londoner Westend ein Taxi zu bekommen, eventuell noch unter der erschwerten Bedingung eines Zieles außerhalb der Zone 1 - dann weist der Fahrer den Möchtegern-Fahrgast regelmäßig ab.

Vor allem aber unterscheidet Düsseldorf eines von London: Während in der britischen Hauptstadt die Vergnügungsviertel größtenteils befahrbar sind, gilt das für die Fußgängerzone Altstadt nicht. Sie wird auf der einen Längsseite vom Rhein begrenzt, auf der anderen von der Heine-Allee. Was passierenwird, ist so leicht vorhersehbar, dass selbst Nostradamus nicht orakeln müsste: vor fahrende Autos fallende, schwer angetrunkene Altstadtbesucher. Es wird blutig werden.

Aber vielleicht ist das ja Erwins Ziel: Gäste in der Stadt halten. Und wenn schon nicht in Hotel-, dann wenigstens in Krankhausbetten.

Mittwoch
Jun062007

Wulfgäng oder: Was ist Serendipity?

Apropos Serendipity: es ist mein Lieblingswort. In der deutschen Sprache habe ich leider noch keine Entsprechung dafür gefunden. Zufälliges, unverhofftes Glück. So würde ich Serendipity ungefähr übersetzen. Glück, das einen findet, wenn man es gar nicht sucht. Zu kompliziert?

Seit ich Wolfgang getroffen habe, weiss ich; Serendipity kann auch das Glück sein, eine Kamera zu entdecken, die man längst verloren geglaubt hatte. Letzten Sommer mit Gwen beim Radeln in Nova Scotia, machten wir Rast an einem See. Wir sassen auf einem Steg. An dem Steg festgemacht war ein rotes Boot. Das Boot trug den Namen Wolfgang. Spricht man in Kanada sicher so aus: Wulfgäng. Es war wunderbar bei ihm. Wir hätten ewig sitzen bleiben können. 

Der Tag endete leider etwas betrüblich. Am Abend stellten wir nach 70 Kilometern Radfahren fest, dass Gwens Kamera weg war. Wir rekapitulierten im Geiste jeden Abschnitt unserer Tour. Die Leute vom Lunenburg Arms Hotel waren herzallerliebst und telefonierten für uns sogar den Ferryman an. Nichts. Am Ende waren wir sicher, dass uns jemand beklaut hatte. Es musste auf der Fähre passiert sein, die wir genommen hatten. Unsere Gastgeber waren bestürzt. In Kanada wird nicht geklaut! In diesem Landstrich schon gar nicht. Wir blieben bei unserem Generalverdacht gegen die Neuschotten und stellten die Suche ein.

Am nächsten Morgen radelten wir mehr oder weniger aufs Geradewohl los und entdeckten in der Mittagszeit einen netten See, mit einem netten Steg. Und es gab so gar ein rotes Boot. Ideal, um Rast zu machen! Erst beim Näherkommen sahen wir den Schriftzug. Und die Kamera. Sie lag auf einem Stein und hatte auf uns gewartet. Wer hatte uns bloss heimlich wieder dahingelenkt? Vielleicht war’s Wulfgäng? Wir sagen: Danke!

Nova%20Scotia%20Wolfgang.jpg

Mittwoch
Jun062007

New York, New York

Also manchmal - und das ist ja das Fatale - verliebe ich mich doch in New York. Nur für einen Augenblick. Es gibt diese magischen Momente, da kann ich verstehen, weshalb die Stadt seit Jahrhunderten Menschen anzieht. So wie mich. Ich bin schliesslich auch dem Lockruf Manhattans gefolgt. Und auf den ‘If-I-can-make-it-there’-Mythos reingefallen. Weiss Frank Sinatra eigentlich, was er mit diesem Song angerichtet  hat?

Egal: Es gab zum Beispiel so eine magische Nacht im Winter 2004.  Ich war in Midtown zum Abendessen verabredet. Es war ein kalter, grauer, ungemütlicher Abend. Und als ich gegen Mitternacht das Lokal verliess, da hatte es geschneit und New York war wie verwandelt. Der Schnee lag in weichen, fluffigen Lagen auf dem Bürgersteig. Die wenigen Autos fuhren kleine Schneeflugschneisen in die weisse Märchenlandschaft, Hochhäuser trugen Mützen, die Ihnen ins Gesicht hingen. Es war stockdunkel und gleichzeitig strahlend hell. Wie auf einem Bild von Alex Katz. Und vor allem: völlig ruhig. 

Die Stille ist ein weisses Geräusch. New York ist der Beweis dafür. Einfach atemberaubend. Fahrt im Winter nach New York! Und versucht, einen Schneesturm abzupassen, damit Ihr das erleben könnt. Es ist einzigartig.  

 

Dienstag
Jun052007

Die Macht der Zahl

Vervollständigen Sie sinnvoll diese Zahlenreihe:

86, 81, 72, 59, 50, 42, 34, 23, 14…

Und?

Schon mal rumgerechnet????

Kopf zerbrochen?

Nicht drauf gekommen?

Hier kommt die Lösung:

 

 

 

Es ist die 4.

Das ist der Subway-Stopp Ecke 4. Strasse, West, an dem ich morgens in New York ausgestiegen bin, um den Rest des Wegs zum Büro zu Fuss zu gehen. Ich gebe zu, der Gag ist - leicht abgewandelt - geklaut. Von John Naisbitt, einem betagten amerikanischen Zukunftsforscher. Und der hat ihn übernommen von irgendeinem Dozenten bei IBM. Wenn ich das richtig behalten habe.

Das nur der guten Ordnung halber. Ansonsten wollte ich nur mal gesagt haben, dass ich New York nicht leiden kann. Und dass mir die Leute auf den Wecker fallen, die in Aaah! und Oooh! Rufe ausbrechen, wenn der Name dieser Stadt fällt - die dann völlig aus dem Häuschen sind und ihr gesamtes amerikanisches Faszinations-Vokabular rauskramen, um Dinge zu sagen wie: NEW YORK is awsome, marvelous, wonderful, breathtaking, stunning, just so exciting!!!!

bowerystreet.jpg

Ich finde hingegen - pardon my french - New York is a pretentious shithole. Sorry! Ich hab da gewohnt und mir diesen ganzen überteuerten Mist, die schlechte Luft und den Dauerlärm angetan. Hab mich in den Pendlerstrom eingereiht, bin in U-Bahn-Schächte geschwemmt und mit anschwellenden Menschenmassen am anderen Ende der Stadt wieder herausgeschwappt worden. Dieser ständige Gezeitenhub ist mir ein Graus. Ich erinnere mich an einen Morgen in der Station am Times Square, als ich umdrehen wollte im Tunnelsystem und es nicht geschafft habe, gegen die Menge anzukämpfen und die Richtung zu ändern. Da habe ich gemerkt: New York is not for me.

Bin trotzdem geblieben. Zwei Jahre. Und fahre seitdem immer wieder hin. Zum Beispiel im Juli. Wie absolut hirnrissig. Ich hasse New York im Juli. Es ist schwül und stickig und die Schuhsohlen bleiben am dahinschmelzenden Asphalt kleben. New York im Juli ist wie eine tropische Insel. Und jeder, der an der Wall Street Geld gemacht hat, verlässt die Stadt und fährt ins Sommerhaus in die Hamptons. Oder vermietet das Sommerhaus in den Hamptons und fährt zu Freunden in die Catskills. Zumindest ein Ausflug nach Fire Island ist geplant. Immerhin das. Werde berichten.  

Dienstag
Jun052007

Serendipity, Wilderness, Südafrika

Wenn ein Gastronom mal wieder ein paar Floskeln aus der Mottenkiste kramt, dann salbadert er Dinge wie: “Bei uns soll sich der Gast wie zu Hause fühlen.” Sollte ich mal wieder einem Restaurantbesitzer begegnen, der so etwas von sich gibt, werde ich ihn wahrscheinlich mit einem Buttermesser an der Kehle zwingen, einen Flug nach Kapstadt zu buchen und dann einen Mietwagen nach Wilderness zu nehmen, einem netten, aber nicht weiter erwähnenswerten Strandort an der Garden Route.

Dann muss es nur noch gelingen, einen der begehrten Tische im “Serendipity” zu bekommen - aber unter Gastronomen sollte so etwas ja möglich sein, noch dazu, wenn der Berufskollege ein Buttermesser am Hals hat.

Jenes Serendipity sieht zunächst einmal schon so aus wie ein südafrikanisches Zuhause: ein gewöhnliches Wohnhaus in einem gewöhnlichen, aufgeräumten Einfamilienhauswohngebiet, innen eingerichtet wie eine gewöhnliche Wohnung eines Paares in etwas gehobenen Alter.

Der Gast wird, so es nicht regnet, zunächst auf die Terrasse geführt. Zum Aperitif gibt es die Karte, klar. Aber wer braucht sie? Es gibt ja Mister Stolze, einen sportlichen Anfangvierziger mit zupackendem Temperament. Er ist die Nummer zwei im Hause, oder wie er sagt: “Ich arbeite unter meiner Frau.” Die nämlich steht am Herd.

Vize-Stolze ist die sprechende Ersatzkarte. Mit einer Euphorie als stelle er zum ersten Mal die Künste seiner Liebsten vor, erläutert er jedes einzelne Gericht, erklärt warum jene Speise mit dieser Zutat kombiniert wird, in welchem Winkel der Landesgeschichte die Rezepte einzuordnen sind. Und jede Beschreibung schließt er ab mit einem freudigen “Nnnniiiiicccceeee!” Serviert wird südafrikanische Küche mit einem modernen Touch. So lecker und interessant, dass sogar der urafrikanische Magenfüller Papp, eine Art Maisbrei, den Touristen aus dem Norden mundet.

Und dann, nach dem Dessert, vielleicht dem klassischen nationale Brandy-Brotpudding, werde ich dem entführten Gastronomen aus dem fernen Deutschland das Brotmesser vom Hals nehmen und fragen: “Würden Sie immer noch sagen, die Gäste fühlen sich bei Ihnen wie zuhause?” Und er wird den Kopf schütteln und sagen: “Nein.”

Serendipity
Fresia Ave.
Wilderness