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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

Praktischer Hinweis: Wenn Ihr in Rubriken suchen wollt, findet Ihr die weiter unten auf der Seite unter dem Stichwort Suchen und Finden!

 

Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Sonntag
Jul082007

Berliner Luft im Kohlenkeller

Ich geb jetzt mal einen Begriff vor und Sie ergänzen, was Ihnen als erstes dazu einfällt, OK?

Also: Berliner Hinterhöfe!

Na, wie viele haben jetzt sofort gedacht: “Heinrich Zille”? Wahrscheinlich einige. Doch heute haben die Hinterhöfe der Hauptstadt nichts kleinbürgerliches mehr. Im Gegenteil: Wer die witzigsten, besten, ungewöhnlichsten Cafés, Bars oder Läden  entdecken will, muss durch die Torbögen oder in die Keller gehen. Und entdeckt als Höhepunkt eines der charmantesten Geschäfte, die mir weltweit je begegnet sind. Es verbirgt sich unter diesem Hinweis:

 
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Dienstag
Jul032007

Münster - eine Skulptur von einer Stadt

QUUUUÄÄÄÄÄKKKK macht die Bremse des Hollandrades. Sein Fahrer, ein Herr im Grauhaar-Alter gewandet in eine beige Weste und weite Jeans, blickt Kopf schüttelnd auf die Installation aus buntem Metall vor ihm.

“Und dat soll Kunst sein?”, fragt er im sandweich geschmirgelten Akzent der Münsterländer.

Sein Eheweib, vom abrupten Abbremsen ihres Gatten überrascht, wendet und kommt neben ihm zu stehen. Erbost ob der kulturellen Ignoranz giftet sie zurück: “Wat iss denn für Dich Kunst. Sach mal: Wat iss Kunst?”

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Montag
Jul022007

"Basil's", Düsseldorf, oder: 10 Regeln, wie ich es mir mit Gästen verderbe

Updated on Montag, September 3, 2007 by Registered CommenterGotorio

Vor einiger Zeit listete der Thekenmeister in seinem Blog 10 Tipps auf, wie es sich ein Gast garantiert mit Personal und Wirt verdirbt. Zeit, den Spieß herumzudrehen. Hier also “10 Tipps, wie es sich ein Gastronom mit den Gästen verdirbt”. Und es sei hinzugefügt: Diese zehn Dinge sind uns tatsächlich an einem Abend widerfahren. Am vergangenen Samstag nämlich, im “Basil’s” in Düsseldorf - einem Restaurant, das wir sicherlich nur noch in einem Anfall akuten Masochismus betreten werden.

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Samstag
Jun302007

Schwarzmarkt für Gourmets

Wir modernen und einigermaßen solventen Menschen sind verwöhnte Säcke. Wir haben uns daran gewöhnt, jederzeit zu bekommen, was wir wollen. Und wenn uns jemand das verweigert? Dann erklären wir ihn zum “Kult”, “In-Ding” “Place to be”, nennen ihn “hip”, “begehrt” oder “boomchicawahwah”. Niemand hat diese Kunst der Knappheit besser kultiviert als die Gastronomie. Kein Wunder, dass es in den USA das erste Internet-Startup gibt, das versucht aus der Verknappung begehrter Restaurants Kapital zu schlagen.

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Donnerstag
Jun282007

St. Petersburg – oder: wieso wir nächstes Mal nach Stockholm fahren

„Wenn Du einen Menschen richtig kennenlernen … willst, … brauchst (Du) ihn nur beim Lachen zu beobachten. Hat er ein gutes Lachen, so ist er ein guter Mensch.“

(Der Jüngling, Fjodor Dostojewski)

Das mit der Lachanalyse wird schwierig werden. Es wird wenig gelacht in Russland.

Ich gebs zu: Wir hätten besser vorbereitet sein können. Wir hätten besser vorher mal in den Reiseführer geguckt. Wir haben uns doof angestellt. Und: Wir hatten von Anfang an dieses komische Gefühl im Bauch.

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Wo fahren wir diesmal hin? sage ich zu Claudi, Ina, Jutta, mit denen ich schon in Barcelona, Rom, Venedig unterwegs war. Wie wärs mit St. Petersburg?

 

Venedig des Ostens. Zarenstadt an der Newa. Winterpaläste, Sommerresidenzen. Magische Mittsommernächte. Klingt doch alles wildromantisch. Einstimmiger Beschluss: So wird’s gemacht!

kirchtrme.jpgDann erste Zweifel anlässlich der täglichen Zeitungslektüre: Ein Ex-KGB-Mann wird in London mit Polonium vergiftet (sind wir noch im Kalten Krieg?), Journalisten werden umgebracht (offenbar wegen regimekritischer Berichterstattung), Demonstranten verhaftet (unter anderem Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow) und der russische Staatschef Wladimir Putin, ohnehin keiner, der den Eindruck vermittelt, ein lupenreiner Demokrat zu sein (auch wenn er selbst das Gegenteil behauptet), schlägt alarmierende Töne an.

museum.jpg“Will ich da wirklich hin?”, fragt sich die Journalistin im Vorruhestand. Ist doch echt unsympathisch. Touristisch nicht unterstützenswert. Vielleicht doch lieber nach Stockholm? Die Neugier siegt. Das Visum wird beantragt. Visum ? Was für ein Visum? Brauchen wir etwa für vier Tage ein Visum? Ungläubiges Staunen in unserer Runde. Denn selbst eine kleine Touristentour produziert nervigen Papierkram (Einladungsschreiben vom Hotel, ohne das kein Visum erteilt wird; Auslandsreisekrankenversicherungsbescheinigung; Visumsantrag von der Konsulats-Webseite laden und mit Visumausfüllanleitung bearbeiten; hab ich irgendwo noch ein Passfoto??? Natürlich kein Passfoto. Das auch noch! Stöhn). Wir entscheiden uns gegen einen Visavermittlungs-Halsabschneider Dienstleister und fahren selbst nach Bonn zum Konsulat.

Und stellen überrascht (wieso eigentlich überrascht?) fest: Es gibt sie noch, die Sowjetzone! Beim Betreten des russischen Sektors begrüssen uns kyrillische Hinweisschilder, muffiges Linoleum-Holzvertäfelungs-Ambiente und stumpf auf den Boden starrende Menschen.

Es herrscht Schwarzmarktatmosphäre. Wir stecken inmitten merkwürdiger Pass-Kungelei ordnungsgemässer Visa-Beantragung, sind in der Schalterschlange offenbar umringt von dienstbaren Geistern russischer Provenienz, die im Auftrag von Reisebüros die Visafragen regeln. Nach einem nicht durchschaubaren System und mit Hilfe der lässigen Technik des mit-dem-Fuss-an-uns-vorbei-Schiebens von Pilotenkoffern (bis zum Rand voll mit Reisepässen) sind sie immer vor uns dran. Um fünf vor zwölf platzt uns der Kragen. Schliesslich schliesst Mittags der Schalter. Jetzt drängeln wir uns durch. Geschafft!

Gemach! Denn natürlich können wir das Visum (Bearbeitungsgebühr: 35 Euro), nicht am selben Tag wieder mitnehmen. Es dauert zwei Wochen. Zuschicken ausgeschlossen.

Tipp Nr. 1: Bucht das Hotel übers Reisebüro (und nicht über Internet, so wie wir), dann nehmen Euch die oben beschriebenen Gestalten das Visumsthema ab. Geht übrigens auch alles innerhalb eines Tages. Dann wird’s allerdings richtig teuer.

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Durch puren Zufall landen wir an ‚DEM’ Wochenende des Jahres in St.Petersburg; dem Samstag nach der Sommersonnenwende.

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An diesem Tag steht die Stadt Kopf: Es ist das Fest der ‚Roten Segel’ (so genannt nach einer Novelle von Alexander Grin); mit Rockbands, Feuerwerk und viel Alkohol wird der Schulabschluss gefeiert. Die Jungs in Marineschick, Mädchen im Abendkleid.

 

Wer Kölner Karneval super findet, oder Ballermann-Massenveranstaltungen, der ist in der Menschenmenge gut aufgehoben.

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Tipp Nr. 2: Ab Mitternacht fährt keine Metro mehr. Ab zwei Uhr werden die Brücken für den Rest der Nacht geöffnet – soll heißen: hochgefahren für den Schiffsverkehr. Sorgt also dafür, dass ihr in der Nähe des Stadtteils seid, in dem Ihr wohnt. Sonst ist Durchfeiern angesagt.

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Wer es sich leisten kann, mietet ein Boot und guckt sich das Spektakel vom Wasser aus an. Hochzeiten sind ebenfalls sehr beliebt während der weißen Nächte. Offenbar lautet das Motto der Petersburger Damenwelt: Einmal Prinzessin sein! Wenigstens für eine Nacht!

40 Prozent der Stiletto-Produktion wandert nach Russland, mutmaßt ein Typ aus Hamburg, der die vorbeilaufenden Mädchen mustert. Fahre morgen nach Hause, sagt er, eine Woche reicht mir hier völlig und fügt noch hinzu, er freue sich auf einen „knackigen Salat.“

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Womit wir beim nächsten Thema wären: der russischen Küche. Sie ist, wie sollte es auch anders sein, keine kulinarische Offenbarung. Es gibt nicht sehr viele tolle Restaurants, in denen alles stimmt: die Stimmung, das Essen, der Service.

Auch als kultig gepriesene Kneipen, mit angeblich tollem Ostblock-Retro-Charme, entpuppen sich als hässlich und unterdurchschnittlich und man fragt sich, wie sie sich von Reiseführer zu Reiseführer hangeln (z.B. das “Russky Kitsch” - nie hingehen. Unter keinen Umständen).

Einzig unser Kaviar-Dinner im “Grand Hotel Europe” kann komplett überzeugen. Das Essen lecker, die Kellner zuvorkommend, das Ambiente: very Titanic! Tische besetzt von als kultiviert zu bezeichnenden, man könnte auch sagen; stocksteifen Ehepaaren, die ihre Zuneigung zueinander durch einen Sitzabstand camouflieren, der auch der intimsten Beziehung Distanz verleiht. Genau so, dass sich die Blickachsen nie treffen, von möglichen Gesprächsachsen ganz zu schweigen.  

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Dann die Rechnung! Sie fällt durchaus hoch aus. Wird allerdings dadurch abgemildert, dass sie gemeinsam mit liebevoll verpackten Rosen und folgender Entschuldigung überreicht wird: „Usually the women get the roses and the gentlemen get the check.“ 

Ein Abstecher in den Delikatessen-Tempel Jelissejew, Top-Tipp in allen Reiseführern, entpuppt sich als Reinfall.

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Der Laden ist zu. Da kann man mal wieder sehen, dass gedruckte Medien stets veraltet sind!

Auch unsere geplanten Besichtigungstouren fallen Fehlinformationen zum Opfer – bis auf eine Ausnahme:

In der Eremitage umgehen wir den Massenansturm mit Hilfe einer Museumsführerin, die sich auskennt und in knapp zwei Stunden eine kompakte Führung für uns macht. Wir haben die ‚Highlights’ gesehen, mehr ist in der wenigen Zeit ohnehin nicht zu schaffen.

Tipp Nr. 3 deshalb: Vorm Museum mit einem der Führer verhandeln und nicht auf eigene Faust die Bilder stürmen. Und vor allem: Bei den Sachen, die man besichtigen möchte, gründlich die Öffnungszeiten checken:

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Manche Museen haben beispielsweise am letzten Montag oder Dienstag eines jeden Monats zusätzlich einen Tag geschlossen, unsere Reiseführer und die Dame am Concierge-Desk im Hotel machen widersprüchliche Angaben und so verpassen wir den Katharinenpalast, die Kunstkamera und den Peterhof.

Letzteren, weil der Tragflächenbootsbesitzer, den wir für 450 Rubel pro Person beauftragen, uns geschwind dahin zu schweben, wegen Schlechtwetter den finnischen Meerbusen meidet und uns nach anderthalbstündiger Wartezeit wieder auf den Anleger entlässt.

Allerdings einen anderen als den, von dem wir abgelegt hatten. Weshalb seine Angestellten die Auszahlung der 450 Rubel pro Person verweigern. Andere Kasse! Nicht zuständig! Es gibt kein Geld zurück!

Der darauffolgende Tumult erlaubt interessante Einblicke in das Aufwallungspotenzial russischer Volks-Seelen. Die Gemüter sind nämlich mindestens so aufgewühlt wie der Fluss. Fast kommt es zu Handgreiflichkeiten, eine ältere Dame mit stahlblauen Augen, Typ Lagerleiterin, verweigert mir das Aufnehmen der turbulenten Szenen und ein touristischer Leidensgenosse „ich bin Israeli, war vor 30 Jahren noch Russe“, erklärt uns: „Macht Euch nichts draus, typisch russische Bürokratie. Ich war ewig nicht hier, aber offenbar hat sich in diesem Land nichts geändert“.

Nicht nur mit dem Tragflächenboot, auch mit anderen Transportmitteln, haben wir so unsere Probleme. Mit Taxis vor allem. Fast jeder Taxifahrer versucht, uns gnadenlos übers Ohr zu hauen, ist Umwege gefahren, oder hat den fünffachen Preis verlangt. Je nach Wetterlage haben wir das wahlweise mit uns machen lassen oder sind wieder ausgestiegen. Bis uns der bereits erwähnte Mensch aus Hamburg einen guten Rat gegeben hat:

Tipp Nr. 4: Am Straßenrand Arm raushalten, innerhalb von 30 Sekunden stoppt ein Wagen. Immer den abgewracktesten Lada nehmen, der vorbei kommt: Die sind am billigsten. Fahrten innerhalb des Stadtgebietes zwischen 100 und 150 Rubel.

Wir haben’s ausprobiert. Arm rausgehalten. Ladafahrer-Mann kommt angebrettert. Riskiert alles, um als Erster bei uns anzukommen. Ruiniert fast den Vorderreifen des erbarmungswürdigen Gefährtes, als er mit quietschenden Reifen in den Bordstein hineinbremst. Wir fragen nach dem Preis für die Fahrt auf die andere Fluss-Seite. 100 Rubel sagt er. Prima, sagen wir. Und steigen ein.

Er lacht! Ein gutes Lachen! Guter Mann!

“Das höchste Gut ist die Freiheit”, sagt die Frau mit russischem Akzent im Flughafenbus zu ihrem Gegenüber. Und mutmasst im nächsten Atemzug, Putin könne wohlmöglich die Verfassung ändern lassen, um ein drittes Mal gewählt zu werden. Sie ist nicht die Erste, die sowas vermutet. Was sie sonst noch so meint: Gestützt durch die florierende Wirtschaft und die steigenden Energiepreise würden viele ihrer Mitbürger auch und gerade aus einfacheren gesellschaftlichen Schichten einen nie gekannten Wohlstand erleben. Alles relativ gesehen natürlich. Aber es ging ihnen nie besser. “Und darum”, sagt sie, “finden viele Putin gut.” Die Mehrheit sogar.

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Fazit nach vier Tagen: Uneingeschränkt empfehlenswert ist St. Petersburg nur für Männer in den zweitbesten Jahren, mit tiefen Taschen und akutem Sex-Defizit. Und selbst dann, würde ich mir es an deren Stelle nochmal überlegen.

Auf meiner persönlichen Hitliste europäischer Städte, die eher östlich liegen, rangiert St. Petersburg ganz weit hinten. Fahrt lieber nach Prag, oder Tallinn, oder Riga, oder Llubljana oder Budapest. Alles schicker, charmanter, interessanter.

Oder vielleicht lieber doch nach Stockholm nächstes Jahr?

nach St. Petersburg:

Flug ab Köln mit Germanwings. Lufthansa fliegt auch ab Düsseldorf.

Unser Hotel: “Petro Palace”. Recht zentral. Grosse Zimmer. Frühstücksraum unterirdisch. Service durchschnittlich. Doppelter Preis, vermutlich wg. Weisse-Nächte-Zuschlag.