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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

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Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Freitag
Apr262013

Hamburg Marathon 2013: In Hamburch sacht man "Lauf!"

Woran erkennt man einen Marathon-Neuling?

Er erreicht seinen Startbereich, wenn dieser noch so aussieht:

OK, wir sind ein wenig früh dran an diesem Sonntag Morgen. Aber lieber das, als zu spät. Denn dieser Lauf, der Haspa-Marathon 2013, wird ja tatsächlich stattfinden - im Gegensatz zum New Yorker Marathon, der sich dank Run Anyway für uns in den inoffiziellen Central Park Marathon von 2012 verwandelte.

Frisch ist es zwar, aber wenn in Hamburg Marathon ist, gilt angeblich: gutes Wetter. Nein, perfektes Wetter, 10 bis 14 Grad, und was für ein Himmel. 

Langsam füllt sich dann auch der Block mit Menschen - und mit guter Laune. Eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen hat sich das Bild ein wenig gewandelt:

Hier hinten, im letzten Part der langen Starterschlange, will niemand den anderen ausstechen oder wegdrängeln. Neben uns verkündet ein graumelierter Herr per T-Shirt, dass er einen Tag später seinen 70. Geburtstag feiern - und heute seinen ersten Marathon laufen werde. Respekt! Überhaupt ist die Frage, ob dies der erste Lauf des Gesprächspartner ist, legitim. 

Eine Schweigeminute für die Opfer des Bombenanschlags auf den Marathon in Boston, gefolgt von lautem Applaus, der sich von vorne nach hinten arbeitet - Gänsehaut. Das Anglasen für Rollis uns Skater, traditionell wird in Hamburg nicht geschossen, müssen wir uns schon einfach mal vorstellen. So weit hinten bekommen wir nur die Streckenansager mit, die ein wenig zu sehr die Kunst der Dorfdisco-Animation beschwören. Kurz darauf steigen in einigen hundert Metern Entfernung rote und weiße Ballons auf - es geht los. 

Also für die, die schnell laufen.

Also, nicht für uns.

Stück für Stück werden die Startblöcke vorgelassen, doch von A bis Block N dauert es halt. Oder bis L - denn kaum ist dort Bewegung ist kein Halten mehr, die Halteleine wird über die Köpfe gehoben, wir traben Richtung Start. 

Ein unwirkliches Gefühl nach unserem Erlebnis in New York.

Wir.

Laufen.

Unseren.

Ersten.

Marathon.

Am Heiliggeistfeld geht es vorbei und dann auf die Reeperbahn. Eine Oliva-Jones-Kopie sitzt vor der ersten Pommes-Bude, ein Obdachloser mit rostiger Stimme feuert die Teilnehmer an, vor allem Läufer-Angehörige stehen ansonsten hier und klatschen. Am Eingang nach Altona die erste Kapelle. Es wird für uns der einzige spielende Spielmannszug bleiben - immer wenn wir vorbeilaufen, machen die Bands Pause. 

Für viele Hamburger ist der Lauf so etwas wie das Frühlings-Einläuten. Frühstückstische stehen im Garten oder auf dem Bordstein, vor allem in Familienmittelstandsgebieten wird geklatscht und geratscht, röhren die vom Sponsor Haspa verteilten Megaphone ein monotones “Stand up for the champions”. 

Je wohlhabender die Nachbarschaft, lautet die Regel, desto weniger ist an der Strecke los. Das merken wir kurz nach dem Einbiegen auf die Elbchaussee. Dafür steht die eine oder andere distinguierte Hanseatin gehobenen Alters vor der Tür ihres Anwesens und klatscht umso begeisterter. 

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Donnerstag
Apr182013

Die Hypochondrie des Läufers

“Vor den Feiertagen”, pflegte mein Vater anzusetzen um dann in westmünsterländisches Platt zu wechseln, “geht der Düvel up Stelzen”. Und tatsächlich schien das ja so in meiner kindlichen Naivität. In den Wochen vor Weihnachten oder Ostern fielen Flugzeuge vom Himmel, tobten Stürme, wüteten Erdbeben. Der Teufel war unterwegs. Auf Stelzen.

Seit dieser Woche haben wir das bittere Gefühl, jene Weiheit ließe sich auf uns umdichten. Denn kurz bevor wir den Marathon in New York laufen wollten, traf der Hurricane Sandy die Stadt - die abgefahrene Geschichte, wie wir dann einen Marathon liefen, den es nicht gab, können Sie hier nachlesen.

Am kommenden Sonntag steht nun unser erster “richtiger” Lauf im Terminkalender - und sechs Tage vorher trifft ein Bombenanschlag den Marathon in Boston. In gehobenem Zynismus darf man wohl künftig warnen, dass immer, bevor wir ein Großlaufprojekt der US-Cousin des Beelzebubs seine Stelzen aus dem Schrank kramt. 

Eine gewisse Zeit fürchtete ich schon, die Organisatoren in Europa (auch der London Marathon findet am Sonntag statt) könnten ähnlich panisch reagieren wie ihre Kollegen es im November in New York taten. Sie taten es nicht, ließen sich auch durch pseudo-erregte Medien aus dem Hause Axel Springer und dem immer mehr Richtung “Bild” tendierenden Spiegel Online nicht unter Druck setzen.

Noch dazu fielen die Kommentare auf der Facebook-Seite des Haspa Marathon anders aus als in NY: Das “Jetzt erst recht” der Teilnehmer war weitaus vehementer. Die Organisatoren haben zwar traurig wenig kommuniziert, dafür aber gearbeitet: Die Läufer werden gelbe Armbänder mit ihren Startnummern bekommen - gelb ist die Farbe des Boston Marathon; es wird einen Gottesdienst und eine Schweigeminute geben; Spenden werden gesammelt für die Opfer und deren Angehörige. “Run for Boston” heißt das Motto. 

Am Sonntag also laufen wir praktisch unseren zweiten und theoretisch unseren ersten Marathon. Seit zwei Wochen schon zeigen wir jene Symptome der Hypochondrie, die unerfahrene Läufer häufig ereilen. Der erste gezeitete Marathon ist etwas Besonderes, nichts ist Routine, die Nervosität steigt, ebenso die Vorfreude. Deshalb soll doch bitte der verdammte Körper jetzt nicht schlappmachen. 

Schließlich war die Vorbereitung dieses Mal schon hart genug. Der Winter wich nicht, immer wieder rannten wir mit Stirnlampen durch den verschneiten Grafenberger Wald, geleitet von unserem Trainer Philip (der übrigens jeden Freitag eine sehr empfehlenswerte Trail-Gruppe anbietet). Unser innerer Schweinehund hat sich spätestens Mitte März freiwillig im Schlachthof gemeldet und dürfte inzwischen in einer Ikea-Lasagne seine letzt Ruhe gefunden haben. Auch ist es mir noch nie gelungen, eine qualitativ hochwertige, lange Laufhose innerhalb eines halben Jahres aufzuarbeiten.

Eine Erkältung kam uns in den rund vier Monaten dazwischen und eine Rückenblockade. Aber alles in Grenzen. Also soll doch bitte nicht jetzt was dazwischenkommen. Zum Beispiel noch ein Schnupfen, Husten, ein Darmvirus. Irgendwas Ekliges also, das den Körper gerade so viel schwächt, dass wir mit der Startnummern-Bestätigung in der Mailbox doch noch absagen müssten. Jedes Halskrätzerchen sorgt deshalb für leichte Panik, kleine Unwohlsein lösen Visionen vom Lauftag auf dem Sofa aus, lieber wird nochmal schnell eine Batterie Orthomol Immun (hilft uns übrigens wirklich bei aufkommenden Erkältungen) in Stellung gebracht.

Nun aber ist es Donnerstag und - toitoitoi - es sieht gut aus.

Auch diesmal ist unser Ziel sehr simpel: durchkommen. Und die Stimmung genießen, die in Hamburg außergewöhnlich sein soll. Einige Freunde werden diesmal am Rand stehen und uns anfeuern. Sollten Sie, liebe Leser, auch vor Ort sein: Kurz nachdem die Spitzengruppe durch ist werden nur wenige Stunden vergehen, bis auch wir kommen. Harren Sie also aus. Auf Twitter werde ich versuchen zumindest vor dem Start und nach dem Ziel ein wenig zu berichten. 

Und nun: Drücken Sie uns bitte die Daumen!

Wenn Sie selbst übrigens ein kleines Zeichen gegen den Terror von Bosten setze möchten und aus Düsseldorf oder Umgebung kommen: Philip Mes hat für den Abend des Freitag (19.4.) einen kleine Gedenklauf am Rhein organisiert. Alle Details finden Sie unter diesem Link.

Fotos: Hochzwei

Montag
Apr152013

Wie Tiere ihr Essen essen

Wir bei Gotorio sind dafür bekannt, keiner wissenschaftlichen Studie aus dem Weg zu gehen und uns zutiefst zu begeistern für Zahlen, Daten und Fakten.

Deshalb sorgte das folgende Video für helle Begeisterung, das detailliert und absolut fundiert zeigt, wie die Futteraufnahme einzelner Tierarten von der des Menschen differiert. Es sei Ihnen, geneigte Leser, zum Anschauen wärmstens empfohlen:

 

Donnerstag
Apr112013

New York, London, Düsseldorf - Städte erlaufen

Der Wind kommt frisch von Richtung Liberty Island. Noch schafft er es, das Aroma der Abgase zurückzudrängen Richtung East River, langsam verfangen sie sich in den Schluchten von Manhattan. Wir laufen an einem frühen, grauen Frühjahrsmorgen an der Uferpromenade des Hudson entlang.

Dabei sind wir nicht die einzigen Menschen, mutmaßlich aber die einzigen Touristen. Die kommen eher selten hierher, erst recht so früh. Dabei verpassen sie echtes New Yorker Leben: Hier joggt sich der Investmentbanker die Kraft für gewagte Deals an, hier macht sich die Werberin fit für kreative Nachtschichten. Eine Gruppe im Studentenalter errichtet winzige Tore auf der Kunstrasenfläche, später werden hier Kleinkinder zur Fußballschule auf der Kunstrasenfläche gehen, während ein paar Schritte weiter ein Personal Trainer mit seinem Kunden Tai-Chi einübt.

All dies ist nicht spektakulär oder außergewöhnlich - es ist New Yorker Alltag. Diesen Alltag, über den sich der Besucher gemeinhin keine Gedanken macht, kennenzulernen ist eine der Lebensbereicherungen, die wir dank unseres Marathon-Trainings erfahren haben.

Denn wer sich entscheidet, an einem langen Lauf teilzunehmen, der darf keine Ausreden mehr gelten lassen: Er muss laufen. Die Vorstellungen des leichten Gepäcks bei Wochenendtrip hat sich dann erledigt: Die Laufkleidung mach den Koffer nicht so fürchterlich viel schwerer - aber die Schuhe sind halt sperrig (spätestens wenn man, wie ich, Sportschuhgröße 14 braucht). 

Als Entschädigung warten neue Blicke auf scheinbar bestens bekannt Städte.So wie die Hudson-Promenade, die für New York eine Art Strand-Resort ohne Sand geworden ist, mit aufwendigen Spielplätzen, jenem Riesen-Golf-Abschlagsort aus “Harry und Sally” und Kunstrasenflächen, die mal von Kinder-Fußballern, dann von Boule-Rentnern genutzt werden. Oder im Central Park die Dame, die ihre Rammler ausführt:

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Sonntag
Mrz242013

"The Bull and Last", London: Sunday Roast wie es sich gehört

Im 19. Jahrhundert, als die industrielle Revolution sich so recht austobte, hatten die Menschen in der Region Yorkshire nicht viel - aber ihren Glauben und am Sonntag ein Stück Fleisch. Dieses stellten sie in den Ofen, bevor sie sich zur Kirche aufmachten, Gemüse und Kartoffeln wurden im Topf daneben gelegt, auf dass sie sich vollsögen mit Fleischsaft. 

Kehrte die Familie heim vom Gottesdienst, so berichtet es die Kulinarik-Legende, hatte der Braten jenes angebratene Stadium erreicht, dass wir heute “englisch” nennen. Gern wurde er dann serviert mit einem Yorkshire Pudding, einem fluffigen Eierkuchengebäck, das sich ebenfalls seinen Teil von Fleischsaft und Bratensauce ansaugt. 

“Sunday Roast” nennt sich das und verbreitete sich im Lauf der Jahrzehnte über ganz England. Erst waren es die Pubs, die am Sonntag für die Gäste einen Braten in die Röhre schoben, damit die Gäste-Familien auch am siebten Tag der Woche die Bude füllten. Dann kamen die Gastro-Pubs und trieben die Idee eines Sonntagmittäglichen Familienessens auf eine neue Ebene. 

Wann immer wir an einem Sonntag im Königreich sind, versuchen wir solch einen Sunday Roast mitzunehmen. Unseren bisher besten hatten wir in der “Marquess Tavern” in Islington - leider aber scheint sich diese wieder weg vom Gastro-Konzept und hin zum traditionellen Pub zu entwickeln. 

Wohin also beim London-Trip?

Wir vertrauten dem Restaurant-Preis der “Observer”-Beilage “Food Monthly” und buchten einen Tisch im “The Bull and Last” in Highgate/Hampstead. 2008 gegründet, gewann der Gastro-Pub 2011 den nationalen Titel für das beste Sunday Lunch und landete 2012 wieder auf der Shortlist. 

Gäbe es auch einen Preis für das heimeligste Pub-Ambiente, auch hier würde “The Bull and Last” vorne mitkämpfen. In der eher untouristischen Nachbarschaft wirkt das Lokal von außen wie ein gepflegter, aber normaler Pub. Innen dagegen hat es die Kuscheligkeit eines Land-Gasthofs mit geklinkerten Wänden, Spiegeln, und ausgestopften Tieren an den Wänden.

Vollkommen durchnässt vom Regen treten wir ein und sofort wird uns ein wenig wärmer. Über dem Pub-Raum befindet sich ein noch schönerer Speisesaal mit offenem Kamin und hererwärmendem Service. Bemerkenswert auch: Die hohe Tafel weist nicht handgeschriebene Tagesempfehlungen auf - sondern listet die Zulieferer von Fleisch, Fisch und Gemüse. Wir ahnen, dass dies gut werden könnte.

Doch wir liegen falsch: Es wird sogar besser, es wird wundervoll.

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