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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

Praktischer Hinweis: Wenn Ihr in Rubriken suchen wollt, findet Ihr die weiter unten auf der Seite unter dem Stichwort Suchen und Finden!

 

Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Donnerstag
Feb142013

"Dinner by Heston Blumenthal", London: Downton Abbey auf der Zunge

So mancher Gernegutesser reagiert auf die Erwähnung der Molekulargastronomie wie alte SPD-Wähler auf die Nebenverdienstliste von Peer Steinbrück: mit Abscheu. 

Wir sind da ja nicht so puristisch. Ständig nur Molekulares, das wäre langweilig. Doch gelegentlich, als Abenteur für die Zunge, finden wir dieses Spiel mit den Elementen wundervoll.

Und vielleicht zeigt sich derzeit etwas ganz Erstaunliches: Sind Molekularköche vielleicht langfristig die besseren Handwerker? Hilft ihnen die Beschäftigung mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln dabei, das klassische Kochen auf eine neue Ebene zu bringen? So wie Maler vielleicht, die sich in verschiedenen Bereichen versuchen und so im Alter in höhere Dimensionen vordringen?

Nehmen wir nur Ferran Adrià, den Großmeister der Disziplin. Nachdem er sein “El Bullí”, einst als bestes Restaurant der Welt umjubelt, aufgegeben hat, arbeitet er nun an La Bullipedia, einer Bibel des Essens, die jedermann online zugänglich sein soll. Sein Buch “Das Familienessen” geht ebenfalls in die Richtung: Leicht nachzkochende und doch verfeinerte Klassiker gibt es darin als Rezept. 

Leider haben wir es nie ins “El Bulli” geschafft, schon aber vor einigen Jahren zur Nummer zwei der Molekularküche, der “Fat Duck” in Bray nahe Windsor, dem Reich von Heston Blumenthal (dem Herrn oben): Es war ein großartiges, vier Stunden dauerndes Zungenspektakel. 

Wie Adrià widmet sich Blumenthal verstärkt der bodenständigen Klassik. Zwei Gastro-Pubs betreibt er inzwischen in Bray, “The Hinds Head” ist mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden. Seit dem Januar 2011 ist ein Lokal in London hinzugekommen, dass den Begriff “Klassik” erheblich erweitert: das “Dinner”. 

Denn hier brät Blumenthals langjähriger Vize Ashley Palmer-Watts Speisen aus der britischen Historie neu auf. Und mit Historie ist gemeint - geschichtsunterrichtige Historie. Wie es sich in Zeiten der Transparenz gehört, erhält der Gast dabei auch korrekte Quellenangaben: Jedes Gericht weist das Jahr des Rezeptes aus, auf der Rückseite gibt es dann den Hinweis auf die Kochbücher, in denen Palmer-Watts fündig wurde. Auch der Name entstammt der Historie: Denn Dinner wurde einst, mangels elektrischem Licht deutlich früher serviert als heute, manchmal als Mittagessen. Dinner geht also immer, auch wir sind zum Lunch im “Dinner” - englische Ironie. 

Bei diesem Konzept lockt es, nicht nur nach der knapp gehaltenen Beschreibung in der Karte zu ordern - sondern auch nach dem Alter der Rezepts. Das höchste weist “Rice and Flesh” aus dem Jahr 1390 auf, die Köche Richards des II. haben dies schon zubereitet.

Es handelt sich um Risotto mit Rotwein, geräuchertem Kalbsschwanz und einer höchst üppigen Menge Safran. Der roweinig-runde und al dente gekochte Reis bekommt durch den Safran eine würzige Note, der Kalbsschwanz sorgt für den richtigen Schuss Salz. Ein rundes Grundaroma wird durch zwei deftigere Kontrapunkte ergänzte, verschiedene Texturen machen das Mundgefühl spannend - dieses Gericht könnte brandneu erfunden worden sein und doch schmeckt es eben irgendwie (und das ist positiv gemeint) historisch. 

Etwas moderner, nämlich aus dem Jahr 1830: die gerösteten Jakobsmuscheln mit köstlichem Gurkenketchup, gerösteten Gurken und Gurkenkraut. Schön frisch und durch die Röstnoten der Muschel doch ein wenig deftig. Erwähnt werden muss noch die Quelle: “The Cook and Houswife’s Manual” von Mistress Meg Dodds - Buchtitel die Feministinnen die Jakobsmuschel wieder hochkommen lassen. 

Den optischen Knaller liefert die dritte Vorspeise an unserem Tisch: Meat Fruit. Klingt unappetitlich - ist aber wunderschön.

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Donnerstag
Feb142013

Laufen im Winter: Stirb, Schweinehund, stirb!

Eine beliebte Frage in unserem Bekanntenkreis dieser Tage lautet: “Lauft Ihr auch bei dem Wetter?” Obwohl, meist wird sie etwas rhetorischer formuliert: “Bei dem Wetter lauft Ihr aber nicht, oder?”

Die zweite Variante legt schon nahe, was über die Option gedacht wird, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und bei Winde, Schnee oder Regen Trainingsrunden zu drehen: “Haben die einen an der Schacke? Die holen sich doch den Tod!”

Nein, tun sie, also wir, nicht. Es geht uns bestens. Und laufen tun wir auch, müssen wir schließlich, es sind noch rund 9 Wochen bis zum Hamburg Marathon. 

Doch es nicht nur die Pflicht, die uns nach draußen ruft. Es macht tierisch Spaß im Winter zu laufen. Vor zwei Wochen, als die Schneedecke so richtig dicht war, hatten wir einen der schönsten Läufe überhaupt in den knapp 10 Monaten, die wir intensiver trainieren. Am Freitag Abend, bei Dunkelheit, liefen wir mit der Trail-Lauf-Gruppe unseres Trainers Philip Mes durch den Grafenberger Wald.

Dieses Waldgebiet am Rand von Düsseldorf ist bei jedem Wetter ein großartiges Laufareal, versehen mit (was man kaum glauben mag) giftigen Steigungen. Doch in dieser Atmosphäre, erhellt nur durch die Stirnlampen auf unserem Kopf (die auch in die Rubrik fallen: “Dinge, von denen wir glaubten, wir würden sie NIEMALS kaufen, deren Erwerb aber eine richtig gute Idee war”), entfaltete er eine besondere Stimmung. Erst recht, wenn das Düssel-Dorf von oben betrachtet fast etwas metropolitanes bekommt.

Gesundheitsgefährdend ist das Laufen im Winter - da sind sich die Experten einig - nicht, erst ab minus 15 Grad wird es bedenklich. Ansonsten ist nur eine Kleidung nötig, die den Läufer vor dem Start leicht frösteln lässt. Also zum Beispiel Laufunterwäsche, lange Hose, ein Winter-Top und darüber eine wind- und wasserabweisende Jacke. Eine Mütze sollte auch zum Programm gehören, für mich als Brillenträger auf jeden Fall eine mit Schirm - damit die Sicht bei Niederschlag einigermaßen frei bleibt. Ohne Laufhandschuhe würde ich das Haus ebenfalls nicht verlassen.

Tja, und dann steht nur noch der berühmte Schweinehund im Weg. Den sollte man mit einem kräftigen Tritt in den Hintern an die Wand nageln. Das aber war zu Beginn des Winters nicht ganz so einfach. Denn die ersten Laufversuche auf Schnee waren sehr unschön, ich rutschte ständig weg. Ob das an meinem Laufstil liegt oder daran, dass ich als schwerer Läufer mehr Masse zum Schliddern mitbringe, weiß ich nicht.

Eine richtig gute Investition waren deshalb ein Paar Trailschuhe. Leider gibt es in diesem Spezialbereich in Düsseldorf wenig Auswahl - obwohl die Lauf-Industrie Trail-Laufen derzeit zum Trend ausruft. Ich hatte aber Glück: In meiner Kindersarg-Größe waren die Saucony Xodus 3.0 vorrätig. Die Sohle verhindert Rutschen, gleichzeitig ist sie aber nicht so fest und unflexibel wie bei anderen Querfeldein-Schuhen. Wasserdicht und atmungsaktiv sind Trail-Modelle ja ohnehin. Und anscheinend ist Saucony die Marke, die meinen Füßen am stärksten entgegenkommt.

Ja, wir laufen also, auch bei diesem Wetter. Und wir können es nur empfehlen. 

 

Montag
Feb042013

Run to Hamburg

“Es bleibt nie bei einem.” 

Diesen Satz sprach eine Dame aus Düsseldorf, die Anfang November mit uns zu ihrem New Yorker Hotel transportiert wurde. Zwei weitere Mitreisende nickten wissend: Nein, es würde nicht bei einem bleiben. Also, einem Marathon. 

Den wollten wir ja eigentlich im Big Apple laufen. Dann wurde er abgesagt und wir liefen trotzdem einen Marathon, einen ganz anderen, der später als “Underground Marathon” bezeichnet werden würde, ein Sonntag wie aus einer Kitschkomöde, organisiert via Facebook. 

Praktisch also sind wir einen Marathon gelaufen - theoretisch nicht. Und so war verständlich, dass die Frage, die uns in den vergangenen drei Monaten am häufigsten gestellt wurde, lautet: “Und? Lauft ihr weiter?”

Die Antwort lautet: ja. 

Denn natürlich wollen wir auch einen “richtigen” Marathon absolvieren. Aber auch so: Wir fühlen uns besser mit dem vielen Laufen, es macht tierisch Spaß, ist ein tolles Erlebnis. Und außerdem kickt ein großes Ziel dann eben doch erheblich. 

So sind wir zurück im Training, wieder hilft uns Philip Mes bei der Vorbereitung. Das Zeitfenster ist dabei kleiner als im Fall von New York. Schon am 21. April wollen wir auf der Strecke sein - in Hamburg. 

Deshalb wird es hier bei Gotorio auch weiterhin gelegentlich um das Laufen gehen (aber natürlich weiter auch um Essen, Trinken und Reisen) Und sollte einer unserer Leser am 21. an der Elbe sein, freuen wir uns über lautstarke Unterstützung!

Dienstag
Jan152013

Tanz das Sushi

Der Ausdruckstanz hat uns gelehrt, dass vieles tanzbar ist: Gefühle, Situationen, politische Zusammenhänge, Namen. 

Doch da geht noch etwas. Es lässt sich noch so viel mehr tanzen. Zum Beispiel… japanische Nationalspeisen!

Die norwegische Fisch-Seite Godfisk hat, finanziert vom Norwegian Seafood Council, eine mittelathletische Truppe Sushi tanzen lassen.

Hier die Ergebnisse…

Sashimi

Nigiri

Maki

 

Wir sind ein wenige enttäuscht über das Fehlen von California und Dragon Role.

Montag
Jan142013

"Steigenberger Parkhotel", Düsseldorf: Kein Clotted Cream beim Low Tea

In den Genuss meines ersten Cream Teas kam ich im Alter von 19 Jahren. Damals besuchte ich meine englische Brieffreundin im kleinen Ort Okehampton in Devon. Auf meine Nachfrage, was Cream Tea sei, bot mir ihre Mutter Jane an, diesen zuzubereiten. Damals aß ich das erste Mal Scones und – was noch viel wichtiger ist – Clotted Cream. Seitdem bin ich süchtig und immer auf der Suche nach einem guten Afternoon Tea mit Scones und Clotted Cream. 

Im “Reid’s Palace” in Funchal hatte ich bisher meinen besten Afternoon Tea: auf der überdachten Terrasse mit Blick auf das Meer, eine laue Brise wehte, der Service war freundlich, aufmerksam und unaufdringlich, die umfangreiche Teekarte machte die Auswahl schwer und die Sandwiches, das Gebäck und die Scones mit Clotted Cream schmeckten hervorragend. Es war also klar, dass sich zukünftige Afternoon Teas an diesem Erlebnis messen lassen müssten.

Düsseldorf sollte einen neuen Höhepunkt in meiner Afternoon/Cream Tea-“Karriere” darstellen. Na gut, das war zumindest der Plan. Und die Adventszeit schien mir den passenden atmosphärischen Rahmen zu bilden, das 5-Sterne “Steigenberger Parkhotel” an der Kö sollte ein übriges dazu beitragen. In den Wochen vor Weihnachten bot das Hotel samstags und sonntags “Original englischer High Tea in unserem Steigenberger Eck.” Das “Königin-Victoria-Gedeck” für zwei oder mehr Personen kostete 28 € pro Person. Stolzer Preis. Aber was zahlt man nicht alles in Erwartung von Scones mit Clotted Cream. 

Winterlich-kalt ist es an jenem Samstagnachmittag, ich komme ein wenig zu spät, der Grund dafür wird später noch kurz Thema sein. Meine Begleitung sitzt bereits in einem gemütlichen Cocktailsessel an einem niedrigen Tisch und genießt eine dampfende Tasse Tee. Die Bedienung hatte ihr die Jacke abgenommen und zur Garderobe gebracht. Also lege ich meine Jacke über die Lehne des Sessels und warte. Nach einer Weile erkundigt sich ein Kellner nach meinem Teewunsch und geht wieder. Also mache ich mich selbst auf die Suche nach einer Garderobe.

Nun gut, jetzt aber High Tea. 

Aktuell leidet der Blick aus dem neu gestalteten Steigenberger Eck unter den Bauarbeiten am Großprojekt Kö-Bogen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Gäste den Blick durch die schönen großen Fenster auf eine riesige Baustelle als angenehm empfinden. Aber daran kann die Hotelleitung nun einmal nichts ändern. Ansonsten ist der Raum hell, freundlich und wird von nicht zu protzigen oder steifen Möbeln dominiert. Der Pianospieler untermalt die gediegene Atmosphäre durch unaufdringliche Musik, die herausgeputzten Kellner huschen dienstbeflissen durch den Raum, anscheinend sind unter den Anwesenden viele Stammgäste.

In der Zwischenzeit fällt mein Blick auf die Teetasse meiner Begleitung - und ich stocke irritiert in der Urlaubserzählung.

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