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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

Praktischer Hinweis: Wenn Ihr in Rubriken suchen wollt, findet Ihr die weiter unten auf der Seite unter dem Stichwort Suchen und Finden!

 

Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Samstag
Sep212013

Rom, Du ewig Gestrige

“Nach London oder New York fährst du, um zu sehen, wie es mal wird. Nach Rom fährst Du um zu sehen, wie es mal war.”

Sehr wahre Worte von der besten aller Reisebegleiterinnen. Zum ersten Mal waren wir in Rom und angesichts eines Alters nahe der Midlife-Krise ist dies eigentlich unverzeihlich - doch irgendwie hat es halt nie gepasst. Dies ist nachhaltig zu bedauern, denn all das, was Sie irgendwo über die unfassbare Masse an Kulturgütern gelesen haben und über die überwältigende Schönheit eines Baus wie dem Peters-Dom - davon ist absolut jedes Wort wahr. 

Eher aus Zufall gingen wir beispielsweise in eine unscheinbare Kirche, weil sie eben auf dem Weg lag. Zack: Zwei Apostel waren dort begragen und die Ketten, die Petrus einst in Gefangenschaft hielten wurden ebenfalls ausgestellt, weshalb die Kirche auch San Pietro in Vincoli heißt. Und natürlich steht auch dort ein Michelangelo - der Moses. 

Die Historie ist erschlagend - und vielleicht ist das der Grund, warum Rom wirkt wie stehengeblieben. Allerdings nicht irgendwo in den Jahrhunderten sondern in den 60er Jahren. Die meisten der kleinen Cafés beispielsweise scheinen mit ihrer Mischung aus Fliesenboden, billigen Wohnmarkt-Stühlen und hässlichen Kühltheken wie zuletzt unter Aldo Moro renoviert. 

Und dies gilt anscheinend auch für Restaurants von gutem Ruf. Nehmen wir nur die “Trattoria del colli emiliani”. Ihre Homepage ist modern und heimelig, die Historie wird betont, das Foto des Teams schmückt die Startseite - glauben Sie davon nichts.

Das Bild oben zeigt: Selbst der Hausfotograf kann nur bedingt die Situation retten: Selten saßen wir in den vergangenen Jahren ungemütlicher. Der bedrängte, aber voll besetzte Gastraum wirkt eher wie die Dorfkneipe einer Gegend, die sich dem wirtschaftlichen Niedergang längst gebeugt hat. Die Plastik-Speisenkarte im Kunstledereinband ist karg wie Sandboden nach einem Rekordsommer, das Licht ist Depressionen förderlich. Der grüne Boden, die helle Wandvertäfelung, die schlimme Wandfarbe… Im Hinterkopf des Besuchers ertönte eine Lautsprecherdurchsage: “Der gute Geschmack has just left the building” - und hier handelt es sich um eine Aufzeichnung von 1968. 

Trotzdem ist es voll, Reservierungen sind am Wochenende - wie praktisch überall in Rom - dringend angeraten. Die erste Essensschicht belegen die Touristen, ab halb 10 kommen die Einheimischen. Warum? Weil es hier solides bis gutes Essen zu bezahlbaren Preisen gibt. Die Tortellini mit Kürbis sind sensationell, die Ente mit Orange sehr marmeladig - kein Gericht kostet mehr als 15 Euro, keines ist irgendwie innovativ oder ungewöhnlich, keinem der Servierenden rutscht ein Lächeln heraus. 

Als “Osteria des neuen Typs” wird dagegen das “La Gensola” in Trastevere bezeichnet. Wahrscheinlich, weil es einen skandinavisch anmutenden Holzbaum in einem der Gasträume gibt. Ansonsten ist es hier wenigstens sehr, sehr gemütlich und der Service wirbelt mit sichtbarer Begeisterung am eigenen Job.

Das Interieur ist klassisch osteriiesch mit zahlreichen, quer über Wände und Schränke verteilten Weinflaschen. Immerhin: Nicht 60er, aber doch irgendwie zeitlos gestrig. Die Beschriftung des Vorgängerlokals ziert noch immer eines der Fenster. 

Zunächst aber grüßte die Küche mit Panelle - frittierter, vor Fett triefender Teig mit Hühnchen: saulecker aber tendenziell Kleidungsversauend, also vorsichtig essen.

Panelle sind ein typisch sizilianischer Imbiss und um diesen Landstrich geht es auch küchentechnisch im “La Gensola.

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Dienstag
Aug132013

Stöhnen sie nicht, fotografieren Sie Ihr Essen

Hach, die Gastronomie. Es geht ihr so schlecht, Deutschlands Wirte stöhnen als ob sie sich für die Synchronisation in osteuropäischen Kellern gedrehter Pornos bewerben wollten. 

Das Rauchverbot! STÖHN.

Steigende Einkaufspreise! STÖHN.

Erhöhte Terrassengebühren! STÖHN.

Das Wetter! STÖHN.

Die steigenden Sky-Gebühren! STÖHN.

Und um ehrlich zu sein: Mir reicht’s - ich kann das nicht mehr hören. 

Das soll nicht heißen, dass ich gegen Gastwirte bin. Wir gehen gerne aus, wir lieben die hohe Gastronomie ebenso wie Kneipenküche oder Bars. Doch muss auch mal die Frage erlaubt sein, ob es nicht eine hohe Zahl von Gastronomen gibt, denen ihre Gäste ziemlich egal sind und die sich eher als Gutsherren fühlen, denn als Gastgeber. 

Dieser Gedanke kam mir in dieser Woche, als dieses Instragram-Foto aus einem Berliner Lokal die Runde machte: 

 

 

Anscheinend kommen solche Hinweise häufiger vor in letzter Zeit. So hat laut Medienberichten das Stuttgarter “BraunS” nicht nur einen orthgraphisch fragwürdigen Namen, sondern auch den Hinweis auf seiner Speisekarte: Wir bitten darum, im BraunS Mobiltelefone lautlos zu stellen, nicht zu telefonieren und nicht zu fotografieren.” 

Schon befragen erste Medien Juristen, ob denn Gastwirte mit dem Urheberrecht das Ablichten ihrer Speisen verhindern können (können sie nicht), obwohl so weit anscheinend noch niemand gegangen ist. 

In welchem Jahrhundert leben solche Gastronomen?

Dabei ist das Spiel doch ganz einfach: Wer Lust auf gutes Essen hat, der wird durch Bilder von ebensolchem angeregt. Eine typische Reaktion sieht dann so aus wie die, auf mein Matjes-Foto am Samstag:

Und bei ihrem nächsten Münster-Besuch wird Silke jetzt wohl dem Bistro der großartigen Feinkosthandlung “Holstein” einen Besuch abstatten. 

Aber wo ist denn das Problem mit dem Fotografieren? Hätten es die Wirte lieber, die Gäste würden die (Handwerks-)Kunst, die aus ihrer Küche kommt, eines kurzen Blickes würdigen um sie dann mit einem lauten “Hau rein” hinterunterschlingen? Das Fotografieren ist eine Würdigung der Leistung des Kochs. Und diese Leistung wird weiterverbreitet über Social Media. 

Natürlich wäre es verständlich, wenn die am Tisch sitzenden Mitesser genervt sind, muss der Teller erst zurecht gerückt und 20 mal abgebildet werden, bevor das Essen beginnen darf. Nur: Das ist nicht Sache des Wirtes. Ebensowenig der Einsatz von Blitzlichtern - denn dass in Restaurants gemeinsame Fotos gemacht wurden ist nicht neu. 

Verständlich ist es schon eher, wenn ein ambitionierter Koch sich sorgt, dass seine Gericht sich optisch durch Blitzlicht wie eine unappetitliche Pampe präsentieren. Doch warum helfen sie den Gästen - schließlich sind es ihre Gäste - nicht einfach? So wie es die “New York Times” über das “Bouley Restaurant” berichtet:

“But rather than tell people they can’t shoot their food — the food they are so proud to eat that they need to share it immediately with everyone they know — he simply takes them back into his kitchen to shoot as the plates come out. “We’ll say, ‘That shot will look so much better on the marble table in our kitchen,’ ” Mr. Bouley said. “It’s like, here’s the sauce, here’s the plate. Snap it. We make it like an adventure for them instead of telling them no.”

Tipps zum Fotografieren im Restaurant gibt es übrigens bei der Küchenreise. 

Natürlich könne man die Fotografierenden auch gleich bitten, das Bild direkt nach dem Mahl hochzuladen - aber bitte mit entsprechendem Hashtag und der Verortung, damit alle mitbekommen, wo es dieses optisch opulente Gericht zu verkosten gibt.

Fotografierende Gäste und Gastronomen könnten so zu einem Team werden. Der eine kocht, der andere isst, bezahlt und wirbt gleichzeitig. Stattdessen aber gibt es solch miesepetrigen “Bitte nicht fotografieren”-Hinweise. Ohnehin tun sich ja viele Kneipiers, Köche und Restaurantbesitzer oft schwer mit diesem Internet. Viele Homepages sind grauenhaft schlecht, noch immer in Flash programmiert (und damit von Apple-Geräten aus nicht einsehbar) oder nicht mobiloptimiert. Den großartigen Reservierungsdienst Open Table nutzen nur wenige. Es gibt viel zu wenige Blogs, auf Facebook ist weiter nur die Minderzahl vertreten. 

Es wäre so einfach mit begeisterten Gästen zu kommunizieren, sie für sich einzuspannen, zur Gemeinschaft zu werden, eben zur Community rund um Essen und Trinken. Und solch eine Community, die lässt auf einander nichts kommen, sie unterstützt die anderen Mitglieder in ihren einzelnen Anliegen.

Und wäre das nicht was, wenn beim nächsten STÖHN-Anfall der Gastronomen nicht nur deren Branchenverband eine Pressemitteilung veröffentlichen würde - sondern auch die Gäste sich solidarisierten?

Dienstag
Jul302013

Rogacki - Wo West-Berlin noch WEST-Berlin ist

Wann immer wir an einem Wochenende in Berlin weilen, pflegen wir seit Jahren ein Samstag-Nachmittags-Ritual: Austern im KaDeWe. Weil es so herrlich retro ist, dort zu sitzen, umspült von Touristen und auf Ellenbogennähe mit West-Berliner Stammkundschaft. Hier hat die “Praxis Bülowbogen” bis heute nicht Sendeschluss. 

Damit ist es nun vorbei. Zum einen haben die Preise ein nicht mehr erträgliches Niveau erreicht. Zum anderen haben wir einen magischen Ort entdeckt. Einen Platz, der zum Berlinkulturerbe erklärt werden müsste, auf dass er niemals sein Ambiente ändere. Hier ist West-Berlin noch WEST-Berlin, jenes WEST-Berlin vor dem Fall der Mauer. 

Der Ort heißt: Delikatessen, Imbiss, Stadtküche Rogacki. 

Gäbe es Rogacki nicht, kein Tourist würde sich in die Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg verirren. Hier verteidigen die Wilmersdorfer Witwen noch immer Berlin, so wie es einst im Musical “Linie 1” besungen wurde

Die Architektur wird von jenem grausamen Mix aus 70er-Pseudo-Futurismus und grauen Zweckbauten bestimmt, der so typisch ist für viele West-Berliner Stadtteile.  

Auch wir wären nicht hier, gäbe es nicht Anthony Bourdain.

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Donnerstag
Jul112013

Wie Manhattan gewachsen ist

Daten sind toll. Und Dienste, die etwas mit den Daten anfangen noch toller. Mit Hilfe von Google Earth ist ein faszinierendes Video entstanden, das zeigt, wie New York in die Höhe geschossen ist:

Mittwoch
Jun122013

Fußballreisen: Egal ob Arsenal oder BVB - es muss sich was ändern

Was für ein wundervolles Geschenk. “Gutschein für ein Arsenal-Heimspiel” steht auf der liebevoll gestalteten Karte.

Arsenal FC - an diesen Club habe ich, was den englischen Fußball betrifft, 1999 mein Herz verloren, als ich für einige Monate in London arbeitete. Keine 15 Minuten dauerte damals der Fußweg von meiner Unterkunft zum Highbury Park und dieses kleine, alte Stadion, das man zwischen Arbeiterreihenhäuser hindurch betrat, bescherte mir den großartigsten Fußball, den ich bis dahin gesehen hatte. Bergkamp, Anelka, Viera und Overmars machten mich zum Arsenal-Fan. Das alte Highbury ist inzwischen in einen Wohnkomplex verwandelt worden, nicht weit davon entfernt steht das größere und austauschbarere Emirates. 

“Das ist ja Wahnsinn! Woher hast Du denn die Karten?”, bejubelte ich die Herzensdame.

Sie antwortete: “Die kaufen wir noch!”

Ich antwortete: “Wir haben ein Problem!”

Denn das Stadion des Arsenal FC ist grundsätzlich ausverkauft. Wer das Team sehe möchte, braucht zumindest die unterste Stufe der Mitgliedschaft was bedeutet: Man zahlt in der niedrigsten Kategorie fast 30 Pfund pro Person um das Anrecht zu haben, vor jedem Heimspiel an der Verlosung von 3.500 Karten teilzunehmen.

Da bleibt für eine gezielte Reise entweder ein völlig überteurtes Komplettreisepaket - oder der Schwarzmarkt. Der aber hat einen Haken: Der Weiterverkauf von Fußball-Karten ist in England unter Strafe gestellt. Eigentlich ist dies ein Relikt aus den Zeiten, da fast 100 Menschen im überfüllten Stadion von Hillsborough zu Tode gequetscht wurden und Hooligans die Stadien in der Hand hielten. Es folgte ein Stehplatzverbot und eine restriktive Karten-Verkaufspolitik. Heute ist der Stadionbesuch in der Premier League ein bequemes und unproblematisches Vergnügen. 

Wenn man eine Karte hat.

Was wir nicht hatten. 

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