"The Bull and Last", London: Sunday Roast wie es sich gehört
Sonntag, März 24, 2013 Im 19. Jahrhundert, als die industrielle Revolution sich so recht austobte, hatten die Menschen in der Region Yorkshire nicht viel - aber ihren Glauben und am Sonntag ein Stück Fleisch. Dieses stellten sie in den Ofen, bevor sie sich zur Kirche aufmachten, Gemüse und Kartoffeln wurden im Topf daneben gelegt, auf dass sie sich vollsögen mit Fleischsaft.
Kehrte die Familie heim vom Gottesdienst, so berichtet es die Kulinarik-Legende, hatte der Braten jenes angebratene Stadium erreicht, dass wir heute “englisch” nennen. Gern wurde er dann serviert mit einem Yorkshire Pudding, einem fluffigen Eierkuchengebäck, das sich ebenfalls seinen Teil von Fleischsaft und Bratensauce ansaugt.
“Sunday Roast” nennt sich das und verbreitete sich im Lauf der Jahrzehnte über ganz England. Erst waren es die Pubs, die am Sonntag für die Gäste einen Braten in die Röhre schoben, damit die Gäste-Familien auch am siebten Tag der Woche die Bude füllten. Dann kamen die Gastro-Pubs und trieben die Idee eines Sonntagmittäglichen Familienessens auf eine neue Ebene.
Wann immer wir an einem Sonntag im Königreich sind, versuchen wir solch einen Sunday Roast mitzunehmen. Unseren bisher besten hatten wir in der “Marquess Tavern” in Islington - leider aber scheint sich diese wieder weg vom Gastro-Konzept und hin zum traditionellen Pub zu entwickeln.
Wohin also beim London-Trip?
Wir vertrauten dem Restaurant-Preis der “Observer”-Beilage “Food Monthly” und buchten einen Tisch im “The Bull and Last” in Highgate/Hampstead. 2008 gegründet, gewann der Gastro-Pub 2011 den nationalen Titel für das beste Sunday Lunch und landete 2012 wieder auf der Shortlist.
Gäbe es auch einen Preis für das heimeligste Pub-Ambiente, auch hier würde “The Bull and Last” vorne mitkämpfen. In der eher untouristischen Nachbarschaft wirkt das Lokal von außen wie ein gepflegter, aber normaler Pub. Innen dagegen hat es die Kuscheligkeit eines Land-Gasthofs mit geklinkerten Wänden, Spiegeln, und ausgestopften Tieren an den Wänden.

Vollkommen durchnässt vom Regen treten wir ein und sofort wird uns ein wenig wärmer. Über dem Pub-Raum befindet sich ein noch schönerer Speisesaal mit offenem Kamin und hererwärmendem Service. Bemerkenswert auch: Die hohe Tafel weist nicht handgeschriebene Tagesempfehlungen auf - sondern listet die Zulieferer von Fleisch, Fisch und Gemüse. Wir ahnen, dass dies gut werden könnte.
Doch wir liegen falsch: Es wird sogar besser, es wird wundervoll.
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