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Montag
Mai092016

Youdinner: Komm in den Club

Es gibt Ideen, von denen man sofort denkt: „Da hätt ich auch drauf kommen können.“ Weil diese Idee eben so eindeutig in die Zeit passt und fast schon simpel erscheint.

Eine solche Idee begegnete uns jüngst im industriell geprägten Teil von Düsseldorf-Oberkassel. Wir erhielten eine Einladung zum ersten Youdinner der Stadt.

Youwas? Filmen mit Essen?

Nein, die Betonung liegt auf “Dinner”: Es geht um einen Club für ungewöhnliche – und hochwertige – Abendessenserlebnisse.

Das kann natürlich erstmal jeder von sich behaupten, das mit dem hochwertung und ungewöhnlich. Und genauso kann jeder mit Adjektiven herumwerfen wie „herausragend“ oder „exklusiv“, so wie es Youdinner auf seiner Homepage tut und wie es vielleicht auch nötig ist, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Was also steckt hinter dem Club?

Zunächst ist eine Jahresgebühr fällig von 180,- Euro für eine Einzelperson oder 300,- für ein Paar. Dafür bekommt das Clubmitglied die Möglichkeit, Veranstaltungen zu buchen – die weitere 49 bis 99 Euro kosten. 30 bis 40 sollen es pro Jahr in den Städten werden, die Youdinner erschließt. Aktuell sind dies Stuttgart, Düsseldorf und Köln. Hinzu kommen teurere Reisen zu den Sterne-Tempel der Welt. So war der Club jüngst im Cellar de Can Roca, demnächst steht eine Doppeltour zu Sergio Hermanns „Pure C“ und „The Jane“.

Dabei gilt immer die eigentlich wenig hochwertige All-inclusive-Idee: Der Preis für einen Abend schließt Wasser und Wein ein. “Wenn sie mit uns reisen, müssen sie eigentlich kein Bargeld mitnehmen”, sagt uns Miguel Calero, einer der beiden Gründer von Youdinner.

Als wir das hörten, waren wir höchst skeptisch. Denn das klingt doch eher wie ein Fitnessstudio, das daran interessiert ist, dass seine Kunden gerade nicht erscheinen. Andererseits steht hinter Youdinner nicht irgendwer: Calero war über zehn Jahre der Servicechef des 3-Sterne-Hauses “Vendome” in Bensberg, dann half er beim fabelhaften Sergio Hermanns aus. Sein Partner ist Daniel Ohr, der ehemalige Marketingchef der Modehandelskette Breuninger.

Ihr erster Auftritt in Düsseldorf (ausnahmensweise haben wir uns einladen lassen) beeindruckte uns derart, dass wir wenige Tage später Mitglied bei Youdinner wurden.

“Goodbye, Lenin“ war die Überschrift des Abends in der Eastside Eatery, eigentlich eine Kantine für den Coworking-Space Klan. Das rohe Ambiente passte zum Motto: DDR-Gerichte.

Yup. Das kann schlimm werden. Oder fantastisch.

Es wurde letzteres dank Sonja Baumann und Erik Scheffler, dem Koch-Team des Ein-Sterne-Restaurants „Gut Lärchenhof“ in Pulheim. Scheffler ist Ostdeutscher und konzipierte die Idee: zweigeteilte DDR-Klassiker, einmal so, wie es sich gehörte (OK, einen deutlichen Tacken feiner), einmal modernisiert und dekonstruiert.

Zum Beispiel Spreewälder Gurke: Das Original kommt in dem Fall aus dem Glas und steht zum Gruppenteilen als Senf- und Gewürz-Version in der Tischmitte. Baumann und Scheffler servieren derweil wunderschön angerichtete, gefüllte Gurken, deren Inneres all jene Aromen enthält, die eine Spreewälder Gurke ausmachen. Dazu kommen Anreicherungen wie Senf-Eis und grobkörniger Senf, die für ein frisches, herrlich gurkiges Gericht sorgen – auf dem Teller versehen mit einem grünpudrigen Ampelmännchen.

Es folgt: Soljanka.

Schon immer liebte ich Soljanka. Diese Klassik-Soljanke aber ist die beste, die ich je hatte, mit wuchtigem Aroma aber ohne die eigentlich obligatorische Scheibe Orange oder Zitrone am Boden. Ihre moderne Version ist lecker, fällt aber ab. Sie ist mit einem Schuss Sahne zubereitet, enthält dafür statt der DDR-Wurst das, was eigentlich reingehört: Schälrippe.

Was Schälrippe denn eigentlich ist, darüber kann man dann mit den anderen Gästen debattieren. Denn Youdinner will nicht nur wirtschaftlich ein Club sein, sondern auch konzeptionell. Die Gäste sitzen an einer langen Tafel und sollen sich im Stil eines Supper Clubs kennenlernen. Das funktionierte für uns beim ersten Mal noch nicht, ist aber grundsätzlich ein Glücksspiel.

Nicht jedes Gericht funktioniert an diesem Abend. Der “Dosenfisch”, eine Makrele mit Birne, gerät zu salzig, da hilft auch nicht der Gag, sie unter einer Dose zu servieren. Die parallel gereichten Rollmöpse und Heringe in Tomatensoße gewinnen klar.

Auch beim vielleicht abseitigsten Gericht der DDR-Küche macht die Originalversion mehr Spaß: Jägerschnitzel. Dabei handelte es sich, man muss es Wessies erklären, um eine panierte Jagdwurst mit Spirelli-Nudeln und Tomatensoße. Es gab damals halt nicht so fürchterlich viel Schnitzel im Arbeiter- und Bauernstaat.

Baumann und Scheffler servieren deshalb erstmal Jagdwurst-Schaum in Panade-Kugeln mit Spirelle aus Roquefort – eher eine Vorspeise, denn ein Hauptgericht. Das ist eigentlich auch besser so, denn die Portionen dieses ersten Youdinners in Düsseldorf sind extrem üppig: Hungrig dürfte keiner gegangen sein.

Erst recht, weil ausgerechnet dieses merkwürdige Jägerschnitzel, ja, es ist wirklich eine panierte Wurst, saulecker ist.

Übertroffen wird dies noch vom Dessert: Eierschecke. Die dekonstruierte Version könnte sich in jedem gehobenen Restaurant sehen lassen. Die klassische Eierschecke, ein Familienrezept, wie wir erfahren, ist jedoch zum Niederknien gut.

So verlassen wir die Eastside Eatery begeistert: Genau diese Paarung aus gehobener Küche und schräger Idee hat bisher gefehlt, finden wir. Wenn es dem Team gelingt, auch weiterhin Köche von Sterne-Qualität zum Mitmachen zu überreden, könnte das Youdinner durchgeknallte Esser wie uns dauerhaft begeistern.

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