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Montag
Sep072015

Münster Marathon: endlich Durchschnitt

Einen Tag vor meinem Geburtstag rief mich Peter Turi an, Chef des Medien-Branchendienstes Turi2. Er wollen eine neue Rubrik starten, die heiße “Wir graturilieren”. Und darin wolle er Geburtstagshabern ein paar Fragen stellen und ob ich Lust hätte, der erste zu sein. 

“Na gut”, meinte ich, “frag mal”. Wie das vergangene Lebensjahr so war, interessiert ihn, und wo ich meinen Jahrestag verbringen würde. Und: Was ich mir für das kommende Lebensjahr so wünsche. Dabei fällt mir so was nie ein, ich stotterte irgendwas von Aufstieg für Preußen Münster und nen Marathon um 4 Stunden 30, aber das beides völlig unrealistisch sei. Das sollte so was wie witzig sein. 

Nun habe ich drei Freunde, die in Sachen Ausdauersport Ansätze zur Geistesstörung zeigen. Und zwei von ihnen, Thorsten (Firlus, der für die Wirtschaftswoche das tolle Sportblog “Mein Schweinehund und ich” schreibt) und Thomas nahmen diese Sache mit 4:30 so was wie ernst. 

Also schenkten sie mir zum Geburtstag das Projekt 4:30. Sie würden mich beim anstehenden Münster Marathon begleiten, auf die Pace achten, alles tragen, was ich auf der Strecke bräuchte und sie würden an den Verpflegungsständen Wasser, Bananen und Orangen herbeitragen. 

Was für eine wundervolle Idee. Wenn da nicht die Zeit wäre.

Denn meine bisherige Bestleistung liegt bei 4:41, gelaufen vor zwei Jahren in Köln. Und dann noch dieser Sommer: Endlich mal wieder ein richtiger in Deutschland, doch für Lauftraining unterdurchschnittlich hilfreich. Bei meinem zweiten 32-Kilometer-Lauf hatte ich mich beispielsweise auf brütende Hitze eingerichtet, wurde jedoch von schüttendem Regen begleitet. Meinen letzten 32er brach ich nach 20 Kilometern ab, weil es schlicht zu heiß und schwül war. 

Auf der anderen Seite ist diese 4:30-Marke psychologisch vorbelastet. Denn es gab im vergangenen Jahr eine Auswertung aller europäischen Marathons (leider habe ich sie nicht mehr), die ergab, dass die durchschnittliche Zielzeit aller Läufe bei viereinhalb Stunden. Und in meinem Leben war ich im Sport noch nie Durchschnitt – sondern immer darunter. Gnaden-Vier und so. Es wäre etwas Besonderes, diese Marke zu erreichen. 

Entsprechend nervös war ich in den Tagen vor dem Münster Marathon. Den lief ich ja schon vergangenes Jahr, ein schönes Rennen ist das, mit toller Stimmung und vielen Zuschauern. Die Organisatoren schaffen es, die Einheimischen an den Straßenrand zu bekommen, Läufe wie der in Düsseldorf mögen sich daran ein Beispiel nehmen. 

Am Start ist es frisch, aber nicht so saukalt wie in London. Trocken soll es bleiben, später wird trotzdem ein Schauer durchziehen. Also mal los, links vor mir das blaue Trikot von Thorsten, rechts das grellgrüne von Thomas, 50 Meter weiter der 4:30 Zugläufer. 

Eigentlich sollte der Münster Marathon in genau anderer Richtung gelaufen werden. Denn die ersten 10 Kilometer sind die optisch schönsten, wir schlängeln uns durch die City. Danach wird es stellenweise einsamer, erst recht in der westfälischen Parklandschaft, in der uns ein ordentlicher Gegenwind begrüßt.

Die beiden Hasen zeigen sich dienstleistungsorientiert. Vor jeder Verpflegungsstation die Frage: “Brauchst Du was?”, und dann sprintet einer der beiden vor und reicht mir im Lauf Wasser, Banane, Orange oder ein Iso-Getränk. Mehr noch: Seid dem Köln Marathon schwöre ich auf den Carbo-Drink von Dextro Energen. Zwei 0,33-Liter-Flaschen hab ich abgefüllt, jeder meiner Lauf-Butler trägt eine davon. 

Thorsten hat sich zusätzlich entschlossen, das Gefühl zu simulieren, wenn man einen Marathon weit vom nächsten Supermarkt entfernt wohnt: Er schleppt die ganze Zeit einen Laufbeutel mit seinen Utensilien, weil er mit extrem leichten Gepäck erst am Morgen angereist ist. Seine Sicht der Dinge lesen Sie in seinem tollen Blog “Mein Schweinehund und ich”. 

Tatsächlich machen sich die Hilfsdienste bemerkbar: Wir laufen wie ein Uhrwerk, 10 Kilometer dauern zwischen 1:03 und 1:04. Auf der Strecke ist weniger los, als 2014. Daran dürfte das Wetter schuld sein, das schlechter vorhergesagt worden war. Deutlich weniger Einfamilienhausbesitzer haben ihre Frühstückstische rausgestellt oder Nachbarn zum Mittagsbier geladen. Dafür scheint es an den organisierten Stimmungspunkten voller: Egal ob in Nienberge oder Roxel – die zu durchquerenden Vororte machen richtig Party. 

Und nicht alle haben es sich nehmen lassen, am Support-Wettbewerb teilzunehmen, bei dem es ein paar hundert Euro zu gewinnen gibt. Eine Straße hat ihre Anwohner in Cheearleader-Kostüme gewandet, ein Wasserstand verkündet “Wo Wasser ist, sind auch Piraten” – die Kostüme sind entsprechend. Mein Favorit aber ist der des vergangenen Jahres: Damals lief ich durch ein Spalier von acht Bräuten. Diesmal haben sie auch noch ihre Männer motiviert, alle tragen weiß und Engelsflügel, die sie symbolisch weiter verleihen: Sie pappen den Läufern kleine Aufkleber mit ebensolchen auf den Rücken. Darauf ist nicht mal das Marketing der heimischen Provinzial-Versicherung gekommen. 

Leider, und hier sind wir wieder bei Umgekehrt-wär-schöner, gibt es so um den Kilometer 35 den unnettesten Teil der Strecke. Es wird anstengend und ich muss mich konzentrieren, die Pace zu halten. Doch schon jetzt ist klar: Es klappt mit der 4:30. Mehr noch: Selbst wenn ich einbreche und jeden Kilometer auf 7 Minuten laufe, reicht es. Was bedeutet: Es wird sogar noch schneller. 

Endlich erreichen wir wieder die Stadt, an Kilometer 41 wartet der traditionelle Stand mit Wein (nein, danke). Dann ist klar, wo die ganzen Leute waren: In der City. Der letzte Kilometer ist der stimmungsvollste Schlussabschnitt, den ich bisher gelaufen bin. Es ist noch voller und noch lauter als vergangenes Jahr, hier ist mehr los als in Hamburg oder Köln, jetzt reicht’s auch noch für einen kleinen Spurt. 

Am Ende stehen 4:27:56 auf der Uhr – eine Zeit, die ich mir nie zugetraut hätte (und die ich ohne Thorsten un Thomas – DANKE!) so nicht geschafft hätte.

Noch nie war ich so glücklich, durchschnittlich zu sein.  

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