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Montag
Jan142013

"Steigenberger Parkhotel", Düsseldorf: Kein Clotted Cream beim Low Tea

In den Genuss meines ersten Cream Teas kam ich im Alter von 19 Jahren. Damals besuchte ich meine englische Brieffreundin im kleinen Ort Okehampton in Devon. Auf meine Nachfrage, was Cream Tea sei, bot mir ihre Mutter Jane an, diesen zuzubereiten. Damals aß ich das erste Mal Scones und – was noch viel wichtiger ist – Clotted Cream. Seitdem bin ich süchtig und immer auf der Suche nach einem guten Afternoon Tea mit Scones und Clotted Cream. 

Im “Reid’s Palace” in Funchal hatte ich bisher meinen besten Afternoon Tea: auf der überdachten Terrasse mit Blick auf das Meer, eine laue Brise wehte, der Service war freundlich, aufmerksam und unaufdringlich, die umfangreiche Teekarte machte die Auswahl schwer und die Sandwiches, das Gebäck und die Scones mit Clotted Cream schmeckten hervorragend. Es war also klar, dass sich zukünftige Afternoon Teas an diesem Erlebnis messen lassen müssten.

Düsseldorf sollte einen neuen Höhepunkt in meiner Afternoon/Cream Tea-“Karriere” darstellen. Na gut, das war zumindest der Plan. Und die Adventszeit schien mir den passenden atmosphärischen Rahmen zu bilden, das 5-Sterne “Steigenberger Parkhotel” an der Kö sollte ein übriges dazu beitragen. In den Wochen vor Weihnachten bot das Hotel samstags und sonntags “Original englischer High Tea in unserem Steigenberger Eck.” Das “Königin-Victoria-Gedeck” für zwei oder mehr Personen kostete 28 € pro Person. Stolzer Preis. Aber was zahlt man nicht alles in Erwartung von Scones mit Clotted Cream. 

Winterlich-kalt ist es an jenem Samstagnachmittag, ich komme ein wenig zu spät, der Grund dafür wird später noch kurz Thema sein. Meine Begleitung sitzt bereits in einem gemütlichen Cocktailsessel an einem niedrigen Tisch und genießt eine dampfende Tasse Tee. Die Bedienung hatte ihr die Jacke abgenommen und zur Garderobe gebracht. Also lege ich meine Jacke über die Lehne des Sessels und warte. Nach einer Weile erkundigt sich ein Kellner nach meinem Teewunsch und geht wieder. Also mache ich mich selbst auf die Suche nach einer Garderobe.

Nun gut, jetzt aber High Tea. 

Aktuell leidet der Blick aus dem neu gestalteten Steigenberger Eck unter den Bauarbeiten am Großprojekt Kö-Bogen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Gäste den Blick durch die schönen großen Fenster auf eine riesige Baustelle als angenehm empfinden. Aber daran kann die Hotelleitung nun einmal nichts ändern. Ansonsten ist der Raum hell, freundlich und wird von nicht zu protzigen oder steifen Möbeln dominiert. Der Pianospieler untermalt die gediegene Atmosphäre durch unaufdringliche Musik, die herausgeputzten Kellner huschen dienstbeflissen durch den Raum, anscheinend sind unter den Anwesenden viele Stammgäste.

In der Zwischenzeit fällt mein Blick auf die Teetasse meiner Begleitung - und ich stocke irritiert in der Urlaubserzählung. Gut, dass das Geschirr nicht neu oder elegant wirkt ist bei einem 5-Sterne-Haus ungewöhnlich. Aber: Tee in einer Kaffeetasse? Das erwarte ich in einem kleinen Café, bei mir zu Hause oder bei Freunden, aber nicht bei einem Afternoon Tea für 28 €.

Auch die Teekarte, die ich nun eifrig studierte, war eher enttäuschend. Etwa fünf oder sechs zwar recht gute, aber doch herkömmliche Teesorten werden geführt. Für eine Karte mit weiteren Sorten solle man sich an den Service wenden. Hier sind meine Erwartungen an einen Afternoon Tea ebenfalls die, dass ich nicht nach einer Teekarte fragen muss, im Gegenteil.

Auch meinen Tee erhalte ich in einer Teekanne mit einer Kaffeetasse. Aber genug der Erbsenzählerei. Die Étagère, nach meiner Ansicht ein optisches Highlight bei einem Afternoon Tea, sieht wunderbar aus, mein ausgehungerter Magen knurrt. Genauso, wie meine Begleitung: “Es ist gar kein Cucumber Sandwich dabei.” Um die Ehre des Steigenbergers zu retten, möchte ich anmerken, dass die drei angebotenen Sorten – pro Person ein Sandwich mit Lachs, Roastbeef und Käse, alle ohne Kruste - hervorragend schmeckten.

Der nächste Stock der Étagère ist meine Lieblingsebene. Pro Person liegt dort ein Törtchen, hoch aufragendend belegt mit Früchten. Davon abgesehen, dass ich kaum in der Lage bin, das Törtchenberg auch nur ansatzweise stilvoll zu essen, ist dies mein persönliches Highlight dieses High Teas.

Außerdem liegen pro Person noch ein englischer Teekuchen sowie ein gedecktes Törtchen auf der Étagère. Meiner Begleitung ist letzteres zu süß; ich finde es etwas mächtig, aber köstlich. Der Teekuchen dagegen ist mir auch mit Butter zu trocken und ich verzichtete gerne darauf. Das empfinde ich vor allem deshalb nicht als besonders schlimm, weil die Scones auf der nächsten Ebene darauf warteten, den Afternoon Tea perfekt abzurunden.

Theoretisch. 

Tatsächlich sind sie der Super-Gau für einen Afternoon Tea, meine persönliche Katastrophe in der Vorweihnachtszeit: Es gibt keine Clotted Cream! Stattdessen servierte man uns zu den Scones Schlagsahne!

Schlagsahne!

Ich zahle keine 28 € für einen Afternoon Tea, um Schlagsahne serviert zu bekommen!

Kaffeetasse hin oder her, Cucumber Sandwiches oder nicht, zu süße oder zu trockene Törtchen – alles hätte ich verkraften, ja sogar komplett vergessen können, wenn es ordentliche Scones mit Clotted Cream gegeben hätte!

So bleibt mir dieser Afternoon Tea nur als enttäuschend und für das Angebot als zu teuer in Erinnerung. Meiner Begleitung schmecken die Scones auch mit Butter und Schlagsahne recht gut, mir nicht. Erst recht nicht mit diesem eher behelfsmäßig servierten wirkendem Belag. Sehr schade zudem, dass Clotted Cream explizit im Angebot des Steigenberger erwähnt war.

Fazit: Das Steigenberger Eck bietet eine nette Atmosphäre mit angenehmer musikalischer Unterhaltung. Der Service könnte etwas aufmerksamer sein; auf unseren zweiten Tee müssen wir warten, weil wir längere Zeit gar keine Chance haben, die Bestellung abzugeben. Zu keinem Zeitpunkt erkundigt sich jemand bei uns, ob wir zufrieden seien. An den meisten anderen Tischen schien das allerdings der Fall zu sein.

Davon abgesehen, dass uns der erste Tee in Kaffeetassen serviert wurde, war er gut. Bei der zweiten Runde erhalten wir Teetassen, die jedoch deutliche Abnutzungsspuren aufweisen, was ich nicht schlimm finde, mich aber in einem Hotel dieser Klasse irritiert. Dafür ist der Tee dieses Mal eindeutig zu kalt und muss im Gegensatz zum ersten Tee, der uns serviert wurde, auch schon eine Weile gezogen haben. Bezüglich der Ziehdauer hätte uns eine kurze Information von Seiten des Service gefreut. Teeliebhaber sollten vielleicht vorsichtshalber den Kaffee im Steigenberger probieren.

Alles in allem finde ich den Preis überzogen für das, was uns geboten wurde. 18 € oder weniger pro Person wären angemessener. Sollte das Steigenberger auch im nächsten Jahr wieder “Original englischen High Tea” anbieten wollen, wäre es ratsam, das Angebot zu überarbeiten.

Wir werden für unseren nächsten Afternoon Tea jedenfalls lieber den Breidenbacher Hof besuchen, zu dem ich – hust – wegen meines Post-Urlaub-Jet-Lags aus Versehen zuerst gelaufen bin. Der Service dort war sehr freundlich, unglaublich bemüht und das Teegeschirr sah zumindest aus einiger Entfernung genauso aus, wie ich es von einem 5-Sterne-Haus erwarte. Die Atmosphäre war deutlich englischer und etwas “schwerer” als im Steigenberger, außerdem kostet der Spaß 35 €, aber dennoch möchte ich dem dort täglich angebotenen Afternoon Tea eine Chance geben. Schließlich soll Düsseldorf Funchal von der Spitze meiner TOP 3-Afternoon Teas ablösen. Und meine Sucht verlangt dringend nach Scones mit Clotted Cream.

Unsere Gastautorin und Neu-Düsseldorferin Britta Beumers gibt ihr im Marketing Bereich verdientes Geld gerne für gutes Essen aller Art und abwechslungsreiche Reisen aus.

Reader Comments (1)

Es ist wirklich nicht einfach, eine Teatime in Deutschland zu bekommen, die auch hält, was sie verspricht. Ich empfehle das Savoy in Köln. War wunderbar.
http://logbuch.labelizer.de/teatime-im-savoy-hotel-koeln-erfahrungsbericht/

Oktober 3, 2013 | Unregistered CommenterMarcus

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