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Donnerstag
Jul192012

"Blue Hill", New York: Das alte Greenwich hat ne Farm

In meinen Kindertagen hatte mein kleiner Heimatort Senden ein Sternerestaurant: der “Grüne Zeisig” lag im Ortsteil Ottmarsbocholt und meine Eltern sind dort nie mit mir (oder ohne mich) hingefahren. Denn die besten Freunde erzählten gern: “War superlecker - aber zuhause haben wir uns erstmal nen Brot gemacht: satt wirste da nicht.”

Genau da liegt ja manchmal das Problem mit diesen Sterne-Restaurants: Nicht jeder kann mit dieser Art des Kochens etwas anfangen.

Die einen schweben davon, hüpfen in ihrem Mund die verschiedenen Konsistenzen umher, sie schmecken genau hin, wie sich Aromen beim Kauen verändern, sie bewundern die architektonische Kleinkunst auf ihrem Teller. Und die anderen: Finden es nicht lecker genug. Im Sinne von Horst-Lichter-lecker. 

In Greenwich Village zu New York hat seit dem Jahr 2000 ein Restaurant seinen Sitz bei dem wir glauben: Es beherrscht die seltene Kunst, beide Seiten zu begeistern. Seine Name: “Blue Hill”. 

Ein paar Stufen hinunter ins Souterrain muss der Gast, unten ist es voll - nicht nur, weil das “Blue Hill” bestens gebucht ist, sondern auch weil die Bar mit ihren Hockern dem Raum etwas gefülltes verleiht. Unangenehm ist das nicht, aber eben sehr lebendig. 

Die Geschichte des Lokals ist besonders. Denn eigentlich ist Blue Hill eine Farm in Massachussetts. Und die lieferte anfangs allein, inzwischen zusammen mit einer weiteren im Staat New York, die meisten der Ingredienzen für die Menüs. Klar, Fisch und Krustentiere eher nicht - aber eben Fleisch, Gemüse, Obst, Kräuter, Brot, ja sogar Gin. Und das täglich Damit stand das “Blue Hill” an der Spitze der Bewegung des lokalen Essens, die sich in den vergangenen Jahren an der US-West- und Ostküste breit gemacht hat. 

Deshalb auch tauschen wir bei unserem Menü, “Farmers Feast” nennt es die Karte, einen Gang aus. Das “Blue Hill” ist bekannt für sein “This Morning’s Farm Egg” - ein Ei vom Tag, saisonal zubereitet. In unserem Fall kommt es pochiert mit Spinat und Speck, eine sehr leckere Kombination bei dem das Ei tatsächlich wunderbar eiig schmeckt. 

Zuvor aber grüßt die Küche mit Avocado-Burgern. Auch hier steht Qualität der Zutat im Mittelpunkt. Die Avocado ist perfekt gewürzt, aromatisch und wird von zwei leckeren Brothälften zusammengehalten. 

Danach ganz leicht angegrillter Wahoo. OK, wir mussten auch Wikipedia bemühen: Dieser Fisch ist mit Makrelen und Thunfisch verwandt, sieht aber aus wie ein Barracuda. Geschmacklich liegt er sehr nah am Thun, weshalb die Kombination mit Rhabarber, Pinienkernen und Basilikum die Geschmackspapillen Hulahula tanzen lassen. Die Muscheln aus der Gegend müssten gar nicht dabei sein, das Spiel aus sauer, nussig, kräuterig und fischig macht das Gericht selbst bei einem verregneten Sommer zum Wettertröster. 

Im Hudson Valley, dem bergigen Gebiet im Staate New York, waren wir noch nicht. Wir glauben aber, dass es dort bald keine Enten mehr geben kann. Denn praktisch jedes New Yorker Restaurant (zum Beispiel das “Savoy”) mit fleischiger Küche serviert “Hudson Valley Duck” - so auch das “Blue Hill”. 

Ist ja verständlich: Die Fleischqualität ist exzellent und die Mischung mit grünem Spargel, eingewickelt in farmeigenen Bresaola und gepaart mit gedünsteten Zwiebeln ist ein deftiger Knaller, fast schon zu deftig für den Sommer. 

Zwischendurch wandert der Blick zur Bar. Hier kann der Gast nicht reservieren, was schade ist. Denn wer einen Platz dort ergattert, kann sich auf ein Spiel einlassen. Die Barkeeper unterhalten sich ein paar Minuten mit ihm - und ordern dann, was sie individuell für passend zum Besucher halten. Zu gern hätten wir den Barkeeper das Essen wählen lassen, der eine solche Seelenruhe mitbringt und mitten im Hauptgeschäft mal fünf Minuten stehend und mit gesenktem Kopf meditiert. 

In solch einer Minute kam ihm vielleicht auch die Idee für den leckeren Digestiv: einen Cocktail aus “Blue Hill” Gin und Erdbeeren. “Hat er sich vorhin ausgedackt”, sagt der Kellner - der nebenbei wie seine Kollegen Schwung und Spaß an der Sache ausstrahlt. 

Erdbeeren dominieren dann auch das Dessert: Sie sind zu Canneloni mit Crème Fraiche verarbeitet worden, ein wenig Balsamico rundet den Geschmack ab.

Ehrlich gesagt ist das aber der schwächste aller Gänge. Jedes der Gerichte ist für jene, die gerne ihr Essen analysieren, die auf Details horchen und schmecken ein Vergnügen - denn die Qualität der Ingredienzen allein ist schon den Michelin-Stern wert, denn das “Blue Hill” seit Jahren trägt.

Und jene, die einfach gerne lecker essen gehen wollen werden sich definitiv nicht langweiligen. Wir glauben: Auch sie werden sich ein wenig in das Haus verlieben. Erst recht, wenn die Rechnung kommt: 85$ für das Menü sind in Manhattan ein höchst freundlicher Preis - erst recht, wenn man daheim die Abrechnung in Euro bekommt. 

Blue Hill
75 Washington Square
New York 
Online-Reservierung 

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