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Samstag
Apr282012

"Harry's Bar", Venedig: eine Inszenierung

Gut, sie haben den Bellini erfunden… („Der war aber lecker!“)

Gut, sie haben auch das Carpaccio erfunden… (Das zerlief ja förmlich auf der Zunge!“)

Doch ein Abendessen in “Harry’s Bar” ist mehr. Es ist kein gewöhnliches Essen, es ist ein inszeniertes Ereignis.

Das Publikum gemischt: Amerikaner, Japaner, Araber, vereinzelte Italiener, die einen der begehrten Tische an diesem Abend ergattert haben. Ja, und wir. Vorsorglich zwei Monate vorher gebucht.

Dazwischen aber auch der 22jährige britische Popstar mit Groupie. Wieso überrascht es nicht, dass sie den teuersten Champagner bestellen? Die Kellner, stets souverän, rollen erst dann mit den Augen, als die junge „Dame“ unter gekünsteltem Gekicher Wein bestellt: Sie hatte ein Foto ihres Lieblingstropfens auf ihr Smartphone geladen und zeigt es dem Oberkellner mit kindischem Stolz…

An solche Gäste dachte Giuseppe Cipriani wahrscheinlich nicht, als er seine Bar 1931 eröffnete. Aber das Etablissement, das heute zu den berühmtesten Restaurants der Welt zählt, verdient gut an ihnen. Hier geht niemand unter €200 pro Person raus. Selten jedenfalls, denn das Ruhrpott-Pärchen (er Goldkettchen, sie blondiert und toupiert) bestellt eine Flasche Wasser, teilt sich eine Portion Carpaccio - und wird ebenso aufmerksam bedient wie der Vierer-Tisch, der eine Rechnung von €1.200 zurücklässt. Sie waren da, sie haben es erlebt und werden die Legende von “Harry’s Bar” in die Welt hinaustragen. Die einen nach Castrop-Rauxel, die anderen nach Dubai.

Der erste Stock ist unaufdringlich und eng möbliert. (Vermeiden Sie unbedingt die Unruhe und den ohrenbetäubenden Lärm im Erdgeschoß.) Hier herrschen noch die 50er Jahre, als Humphrey Bogart zu Gast war. (Ich habe den ganzen Abend über gehofft, in seinem Sessel gesessen zu haben…) Es ist geradezu unheimlich: Man fühlt sich einfach wohl. Irgendetwas an dieser bizarren Atmosphäre vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit.

Hier ist die Zeit stehengeblieben. “Harry‘s” verdient sein Geld noch am Essen, nicht am überraschend preiswerten (Haus-)Wein. Und das Essen ist vorzüglich. Die Vorspeise, natürlich Carpaccio, kostet Sie lockere €58. Dieses Carpaccio (übrigens, meine Damen, ohne Rucola serviert!) wird - ich warne Sie - fortan die Benchmark für jedes Carpaccio sein, das Sie jemals wieder essen.

Ein Hauptgericht kostet nur unwesentlich mehr. Es sei denn, Sie entscheiden sich für das Tagesgericht (ein geradezu himmliches Risotto mit Erbsen und Spargel) oder für Ciprianis Kreation eines Club Sandwich (€37), dessen vulkan-ähnliche Architektur allein schon überzeugt. Und wenn Sie nicht gerade mit den Kalorien kämpfen, werden Sie auf die Schokoladentorte (ein Gedicht) nicht verzichten wollen. Bei einem Preis von €31 können Sie zumindest behaupten, noch nie in Ihrem Leben so viel Geld in ein Stück Torte und Ihr leibliches Wohl investiert zu haben…

Während Sie all dies mit einem perfekten Espresso krönen, schlendert der Chef durch die Reihen und erkundigt sich nach dem Wohlbefinden seiner Gäste. Unweigerlich denkt man: Genauso muss Harry damals ausgesehen haben! Die Inszenierung erreicht ihren Höhepunkt.

Unterm Strich? Ist alles nur Einbildung? Spielen einem die eigenen Geschmacksknospen einen Streich - nur weil sie vorher die Preise gesehen haben? Lohnt der Preis für dieses Erlebnis wirklich?

Die Antwort auf alle drei Fragen ist: Ja. Denn selbst das Essen ist phantastisch. 

 

Unser Gastautor Thomas Koch ist der Doyen der deutschen Media-Agentur-Branche. Er bloggt unter Ufomedia

Harry’s Bar
Calle Vallaresso, 1323
30124 Venedia 


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