"The Cullen", Melbourne: Hoteliers, schaut auf dieses Haus
Die Verwunderung war herauszulesen: “Wie haben Sie überhaupt von uns erfahren?”, fragte die Buchungsabteilung des “The Cullen” via E-Mail.
Verständlich, die Überraschung. Zu dem Zeitpunkt, da wir buchten, war das Hotel noch nicht eröffnet, hatte nicht einmal eine richtige Homepage - und trotzdem kommt da eine Buchung aus Germany.
Aber das Konzept und die ersten Bilder fanden wir spannend genug (und den Vor-Eröffnungspreis auch): Das “The Cullen” ist das erste Haus einer neuen australischen Kette namens “Art Series Hotels”, initiiert vom Immobilienkonzern Asian Pacific Building Corporation. Der kennt keine Krise und investiert 193 Millionen Euro in sechs Hotels, die alle einer Idee folgen: Jedes wird nach einem Künstler benannt, dessen Werke das Design bestimmen.
Im Fall des “The Cullen”, dem ersten eröffneten Art-Series-Haus, handelt es sich um Adam Cullen. Eine mutige Entscheidung: Der Australier ist bekannt für drastische, teils verstörende Bilder gewalttätiger Handlungen, gern vorgenommen an Frauen (hier einige Beispiele). Und, nein, vorher kannten wir ihn auch nicht.
Diese heftigeren Bilder wird man im “The Cullen” vergeblich suchen. Das Management hat sich jene Werke herausgesucht, die familientauglicher sind. Auch davon gibt es eine Menge. Einige Originale hängen unten im Foyer, zahlreiche Drucke zieren Flure und Zimmer.
Hier einige Eindrücke von der Eröffnungsparty:
Dabei hat jedes Zimmer ein Leitmotiv, in unserem Fall das Pferd. Das findet sich dann auch auf der Milchglasscheibe wieder, die das Bad vom Rest des Zimmers trennt. So entsteht ein harmonischer Design-Eindruck quer durch das Gebäude, ohne dass jene kühle Uniformität dominiert wie in vielen Designhotels.
Doch selbst wenn da Ölschinken dörflicher Stilleben hingen: Wir kämen nicht umhin das “The Cullen” in den höchsten Tönen zu bejubeln. Die gesamte Konzeption der Zimmer ist stimmig bis ins Detail: Der Reisende findet alles, was er sucht dort, wo er es sucht.
Noch dazu enthält die Ausstattung eine Küchenzeile, die aber nicht optisch negativ ins Gewicht fällt. Kunstbücher finden sich reichlich, ohne dass sie Hinweise enthielten, sie ja nicht mitgehen zu lassen. Ein Hotel vertraut seinen Gästen - das gibt es traurigerweise selten. Jedes Stockwerk enthält gar eine Waschmaschine - exzellente Idee für das Lang-Reisen-Reiseziel Australien.
Die Lage ist gut, wenn auch nicht top-zentral. Doch das Haus liegt in South Yarra, dem vibrierenden, hippen und schwulen Ausgehviertel - da wollen Sie so oder so hin, wenn Sie in Melbourne sind. Die Gegend ist gesegnet mit Restaurants, direkt gebenüber liegt ein bunter, wundervoller Lebensmittelmarkt.
Ein exzellentes Restaurant kann das “The Cullen” aber auch bieten: Im Erdgeschoss liegt das “Hutong”, ein großartiges chinesisches Restaurant mit coolem Interieur.
Als ob dieses Gerüst nicht genug strotzt die Art-Series-Premiere noch dazu vor Servicefreundlichkeit. Dazu zählen Ideen wie Mietfahrräder oder ein Miet-Smart. Auf unsere Frage, wo man zu Weihnachten essen gehen könnte, kam innerhalb eines Tages eine richtig gute Liste.
Vor allem aber: Selten, vielleicht nie, haben wir ein Team erlebt, das durchgängig so fröhlich, zupackend und herzlich zur Sache ging. Ausgerechnet Heiligabend fiel uns ein Teil unserer Kamera auf das Vordach im ersten Stock - wiederzubekommen nur mit einer Leiter. Doch der Haustechniker hatte Weihnachtsurlaub, wie wir am Morgen erfuhren. “Ich schaue mal, was ich tun kann”, sagte der Rezeptionsdiensthabende. Als wir am Abend zurückkamen war das Teil wieder da.
Uns fällt nichts, aber auch wirklich nichts Negatives zum “The Cullen” ein. Es ist ein perfekt designtes, herausragend geführtes Design-Hotel, vielleicht gar das beste seiner Art, in dem wir je nächtigten. Hoteliers dieser Welt, schaut auf dieses Haus, wenn Ihr etwas Neues plant.
Womit wir nur noch eine Bitte hätten: Könnte Art Series nach Deutschland kommen?
Bitte.
Bitte!
BITTE!
The Cullen
164 Commercial Road
Prahran/Melbourne

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