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"Castle Stuart", Inverness: Heartland in den Highlands

Die am häufigsten nach der Rückkehr aus unserem Schottland-Urlaub gestellte Frage war: “Und? Hat’s gespukt?”

Wir müssen gestehen: Nicht so richtig. Es gab aber Albträume - und die sollen auch eine Folge der drei Geister sein, die Castle Stuart heimsuchen.

Aber zurück zum Anfang. In Schottland, das war irgendwie ausgemacht, würden wir zumindest ein paar Nächte unser Haupt in einem Schloss betten. Schlosshotels gibt es auch reichlich, nur leider teilen sie sich in zwei Kategorien auf: Die einen sind superhyperaufgetunte Sechs-Sterne-Plus-Landsitze. Viele anderen wirken, na ja, eher muffig.

Und dann - stießen wir auf Castle Stuart. Und es war dieses sympathische Video, das uns sofort buchen ließ:

Genauso sympathisch war dann der Mailwechsel mit der Tochter des Hauses. Die heißt zwar auch Stuart, doch mit den schottischen Stuarts hat ihre Familie nichts zu tun. Ihre Eltern, Kanadier, haben das Schloss aus seinem 300jährigen Schlaf des Verfalls erweckt. Niemand wollte es haben, angeblich weil es im Haus spukt. Mit Caroline Stuart also mailten wir die Feinabstimmung. Denn ein elektronisches Buchungssystem gibt es nicht, dafür aber acht Zimmer, die alle unterschiedlich eingerichtet sind. Und das macht die Sache kompliziert, möchte man spezielle Räume haben.

Als nun alles geregelt war, bekamen wir ganz altmodische Post: ein Hotelprospekt mit ein paar handgeschriebenen Zeilen. Herzerwärmend.

Nicht anders der Empfang: Caroline führt uns durch einmal durch das Haus. Das ist eigentlich überschaubar - ein Mitteltrakt und zwei Türme - wenn da nicht die Geheimtüren wären. Derer gibt es vier, drei davon im Empfangsraum. Und es ist das erste Spiel, das alle Gäste zur Begrüßung spielen dürfen: Finde die Türen. Und das Skelett, das sich hinter einer von ihnen verbirgt.

Ja, die Stuarts sind stolz auf ihre Geister. Drei von ihnen sollen herumspuken. Und möglicherweise handelt es sich dabei um einen Halbbruder von Maria Stuart, der den Bau des Schlosses bereits 1561 begann. Dummerweise wurde er ermordet. Genauso wie sein Sohn, den erwischte es mit 13 Dolchstößen. Blutige Zeiten. Erst der dritte Earl of Moray vollendete das Castle 1625. Doch mit der steigenden Macht der Engländer verfiel es immer mehr, auch weil die Einheimischen es für verspukt hielten.

Im 19. Jahrhundert unternahm eine Gruppe Einheimischer den Versuch, die mysteriösen Erscheiungen aufzuerklären. Der Größte und Stärkste unter ihnen fiel dabei nachts aus dem Fenster und starb. Danach ließ man es so bewenden, Schottland arrangiert sich mit seinen Gespenstern. Die Geschichte jener Nächte ist festgehalten in einem kleinen Romänchen, das in jedem Zimmer zu finden ist - damit die Gäste das richtige Gruseln erfasst.

Hach, so ist Schottland, so muss es sein. Und so wie die Zimmer. Mit alten Möbeln, aber nicht staubig. Und jedes anders eingerichtet, dekoriert im Tartan eines Clans, der zu den Teilnehmern eine Schlacht nicht weit vom Schloss entfernt gehörte.

In drei Nächten probierten wir gleich drei verschiedene aus. “Wie die Prinzessin auf der Erbse”, kicherte Carolyne Stuart. Das lag schlicht daran, dass wir ohnehin einmal umziehen mussten - und in der letzten Nacht überraschend doch noch der Murray-Room frei wurde - das Zimmer mit den drei Erkerzimmerchen, in denen die drei Geister spuken sollen. Hätten Sie sich das entgehen lassen?

Zunächst begannen wir aber im MacLachlan-Zimmer, der “Battlement-Suite”. Sie heißt so, weil man herannahende Truppe leicht erkennt - vom zimmereigenen Turm. Die Suite liegt oben im Westturm und die Aussichtsplattform gehört exklusiv den Bewohnern des MacLachlan. Großartig. Egal, bei welchem Wetter. Aussicht und eine schottische Fahne über dem Kopf. Hier bin ich Schlossherr, hier darf ichs sein.

Das Zimmer selbst ist geräumig und fast schmerzhaft liebevoll eingerichtet. Es gibt Shortbread und Ingwer-Kekse in Männchenform mit Schottenrock. Und Tee. Und Kaffee. Und hausgemachten Eistee. Und einen Kamin. Das Bad liegt separat ein paar Treppenstufen und einen Gang weiter. Warmes Wasser ist kein Problem (man könnte ja erwarten, dass es nicht bis hier oben reicht), man muss nur ein wenig warten.

Die kleineren Zimmer sind nicht minder liebevoll, aber auch deutlich kleiner. Unsere zweite Nacht verbrachten wir im MacIntosh-Room unter einem Himmelbett. Sein Fenster sollten man hier - wie überall - nicht zu weit öffnen: Die drei weißen Tauben schauen gerne mal hinein. 

Und dann - zum Abschluss - das Murray-Zimmer. Mit einem Leseerker, einem Spieleerker und einem Schminkerker. Denn der Raum ist auch die Honeymoon-Suite und die werdende Dame soll sich ja stilvoll auf den großen Moment vorbereiten. So wie Helen Mirren, die große, britische Schauspielerin und Oscar-Gewinnerin, im Jahr 1997.

Von hier ist fast alles zweieinhalb Stunden entfernt. Außer Inverness, der “Hauptstadt” der Highlands - die ist eine Viertelstunde weit weg, ansonsten aber nicht erwähnenswert. Und dem Loch Ness, bis zu dessen Ufer sind es 40 Minuten.

Ohnehin gibt es auch einiges in der Nähe zu sehen. Zweieinhalb Stunden aber sind es von Castle Stuart aus zum Beispiel nach Edingburg. Oder zur dramatischen, atemberaubenden Isle of Skye.

Mindestens einmal sollte man trotz aller lockenden Ausflugsziele auch im Castle dinieren, des Schlossherrengefühls wegen. Vorweg nehmen wir einen Aperitif aus der gut bestückten Bar und setzen uns vor dem Kaminfeuer ins Lesezimmer. Eine große Halle gibt es auch, aber die ist mittelalterlich-museal und nur zum Vorzeigen.

Im Lesezimmer ist es gemütlich, die anderen Gäste finden sich ebenfalls ein. Wer nicht lesen möchte - Bildbände gibt es reichlich - kann auch durch die vierte Geheimtür ins Billardzimmer. Dort gibt es einen Snooker-Tisch, was uns Festlandeuropäer dann doch vor Probleme stellt. Aber auch Gesellschaftsspiele, Schach und Dart sind vorhanden

Dann, gegen 19.30, erklingt die schottische Variante des Essensgongs: Ein Dudelsackpfeifer ruft zum Mahl einen Stock tiefer. Das ist nicht jedermanns Geschmack, aber Dudelsäcke gehören einfach hierher in die Highlands. Er geleitet uns in den Speisesaal an eine lange Tafel. Gut, jetzt keine 20 Meter, aber 12 Personen fasst der große Tisch dann schon.

Kulinarische Meisterleistungen sollte niemand erwarten. Es kocht eine zu Tränen rührend herzliche Dame über 70, es gibt Lachs als Hauptgericht und Wildpastete vorweg. Lecker und bodentständig. Jene Köchin bereitet auch das Frühstück zu und nichts erfreut sie mehr, als wenn Gäste es nicht kontinental frugal zugehen lassen, sondern so richtig zuschlagen. Egal ob Würstchen, Black Pudding, Speck, Eier, Pancakes - alles ist einfach wunderbar. Am finalen Morgen war uns sogar Haggis versprochen worden - doch die Köchin hatte ihn daheim vergessen. Ihr kommen fast die Tränen, wir nehmen sie in den Arm.

Auch Carolyne reicht uns nicht einfach eine Rechnung. Sie erzählt noch weiter Geschichten aus dem Castle. Vom Stuttgarter Harley-Davidson-Fanclub, der jedes Jahr anreist, zum Beispiel. Und sie sorgt dafür, dass wir Fotos von uns und dem Schloss aus jeder Perspektive haben.

Solche eine Schloss-Herrschaft ist kein billiges Vergnügen. Doch es war jedes Pfund wert. Würden doch nur all die Luxus-Ketten-Hotels so viel Herz und Stolz auf ihr Haus ausstrahlen wie Carolyne Stuart und ihre Mannschaft im Heartland in den Highlands. Das Castle Stuart ist definitiv das herzlichste Hotel, in dem wir je nächtigten.

Ach so, ob es gespukt hat? Es gab böse Träume. Und die sollen, laut dem Gruselroman auf unserem Zimmer, ein Hinweis auf die Geister sein. Also sagen wir mal: ja, hat es. Irgendwie.

Castle Stuart
Petty Parish
Inverness


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Reader Comments (1)

Hi, das Castle Stuart kannte ich noch nicht, aber danke für diesen ausführlichen Bericht und die super Fotos rund um das Castle und die freundliche Umgebung. Ich habe ein Buch mit dem Titel "Die Geister Großbritanniens" von John Brooks, aber diese Geistergeschichte über das Castle Stuart war mir neu. Da muss ich wohl der Familie einmal einen Besuch abstatten und ein Zimmer buchen.

Beste Grüße aus Schottland
Gerry,

Dezember 2, 2010 | Unregistered CommenterGerry, Laird of Glencairn

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