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Schottland - es kann nur eines geben

Wenn von Schottland als Reiseziel die Rede ist, gibt es zwei Reaktionen. Die eine ist geprägt von Ironie, ja, gar Häme. “Ihr wollt nach… Schottland?”, fragte ein Großteil des Freundeskreises.  Nur: Keiner, der so spricht, war bisher dort.

Die andere Variante ist Begeisterung: “SCHOTTLAND!” Sie kommt von jenen, die schon vor Ort waren.

Diesem Ausruf schließen wir uns an. SCHOTTLAND! Nachvollziehen kann ihn nur, wer schon einmal dort war und selbst erfahren hat, dass viele Vorurteile gegen die Heimat des Herrenrocks genau das sind: Vorurteile. Mit einigen von ihnen wollen wir nun aufräumen in den kommenden Artikel bei Gotorio.

Zum Beispiel:

- In Schottland kann man nicht gut essen.

- Schotten sind geizige, unfreundliche Menschen.

- Außerdem sprechen sie in einem Akzent, den kein gemeiner Mitteleuropäer versteht.

- In Schottland gibt es nichts als Natur.

- Ständig regnet es.

All das stimmt nicht. Und um direkt mal mit dem letzten dieser Vorurteile zu beginnen: Wir fuhren die erste Juli-Woche quer durch das Land. Zweimal hat es eine Stunde lang geschüttet. Und das war auf der Isle of Skye, die sich nach einem Regenguss in ein mystisches Wunderland verwandelt. Einen Morgen lang war es neblig. Ansonsten aber: 22 bis 28 Grad, leichte Bewölkung, das Dach unseres Miet-Mini-Cooper blieb fast ganztägig unten. Herrlich. Dann fuhren wir am letzten Tag gen Süden, denn wir flogen ab Newcastle. Kaum war die Grenze zu England überquert: Graue Wolken, Tropfen, Unwetter.

Nein, da war Schottland wirklich netter. Auch, weil es bewohnt wird von Menschen, die geradezu vor Freundlichkeit sprudeln, spricht man sie an. Schnell ist der Besucher im Gespräch, immer ist es freundlich, gar herzlich. Und das mit der Sprache ist auch kein sonderliches Problem. Zwar ist der Akzent unüberhörbar - und für uns nach einer Woche immer noch nicht kopierbar -, aber man kommt prima zurecht. In Manchester und Liverpool ist die Sache deutlich problematischer.

Warum die Schotten geizig sein sollen, das wissen wir dann auch beim besten Willen überhaupt nicht. Wären sie wirklich kniepig, hätten sie wohl kaum so schöne Schlösser und Burgen errichtet - und so viele. Rechts ein Herrenhaus, links eine Feste: Hier gibt es mehr historische Bauten als Postämter oder Tankstellen. Alle sind sie angekündigt per Tour-Schild. Davon gibt es reichlich, fast immer führt abseits der Motorways eine Tourist-Road durch kleine, abseitige Straßen mit Schaaf-, Enten- oder Wildwechsel. Fast scheint es, wer Besitzer irgendeiner Art von fester Behausung ist, muss sich wehren, um nicht ein Hinweisschild mit stilisierter weißer Distel auf blauem Grund zu bekommen. Obwohl diese touristische Infrastruktur bestens ausgebaut ist, wirkt es nur selten voll. Außer am Loch Ness: Da knubbelt es sich.

So werden wir von Schottland nur Gutes zu berichten wissen. Und diese Vorurteile werden wir wegwischen. Bis auf eines: Es heißt, unter dem Schottenrock trage der Schotte nichts. So wurde es einst in Germany auch besungen. Dazu aber können wir nichts sagen - wir haben nicht nachgeschaut.

Als Urlaubslektüre empfehlen wir übrigens die Krimis von Ian Rankin und Val Mcdermid:

Posted on Donnerstag, Juli 9, 2009 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | Comments4 Comments

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Reader Comments (4)

Na dann bin ich ja mal auf die Berichte gespannt. Mal sehen ob Ihr einige meiner Tips benutzt habt oder nicht. Und "freue" mich das meine Vorhersage fuer Loch Ness eingetroffen ist ;-)

Juli 10, 2009 | Unregistered CommenterArmin

kann mich nur anschliessen. Ich war letztes Jahr im Herbst drei Wochen in Schottland unterwegs und würde jederzeit wieder hin fahren.

Juli 10, 2009 | Unregistered CommenterSusanne

Mit der Erfahrung einiger Schottlandaufenthalte kann ich den Wetteroptimismus nicht teilen. Nicht zuletzt sprechen die Einheimischen von five seasons a day. Es ist kälter und regnerischer als anderen Orts - was der Schönheit keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, der schnelle Wechsel der Wolkenformationen produziert grandiose Lichtspiele. Zu meinen Erfahrungen zählen weggeflogene Zelte, von den Achsen gehobene Wohnwagen und Bergwanderungen im dichten Nebel, gewürzt mit der charmanten Untertreibung britischer Zeitgenossen, die im Vorbeigehen feststellen: the weather is very disappointing. Wäre es draussen nicht kalt und nass, würde drinnen in den Tearooms und Pubs die homemade Soup auch nicht annähernd so gut schmecken.

Die Mutter aller Schottlandreiseberichte ist natürlich Dr. Samuel Johnsons Reise zu den Hebriden. Wenn auch vielleicht nicht mehr ganz aktuell ... Sehr lesenswert auch 44 Scotland Street von Alexander McCall Smith.

Juli 10, 2009 | Unregistered CommenterAndreas

Ach was, das mit den five seasons sagen die Einheimischen nur um die Besuchermassen abzuschrecken.

Kaelter (aber was heisst kaelter wirklich?) sicherlich, ist ja auch etwas weiter noerdlich als der Grossteil Europas.

Aber regnerischer? Klar, regnerischer als in Spanien oder Sueditalien sicherlich. Aber auch bei weitem nicht so sehr wie es immer wieder gerne erzaehlt wird. "Da regnet es jeden Tag". "Da regnet es immer". Dazu habe ich es schon zu oft gehabt dass ich teilweise mehrere Tage, manchmal bis zu einer Woche keinen Tropfen Regen gesehen habe.

Kleiner Tip, Ende April bis Juni oder dann wieder im Herbst, das sind die normalerweise besten und trockensten Zeiten. July und August sind vergleichsweise schlecht in den meisten Jahren.

Juli 10, 2009 | Unregistered CommenterArmin

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