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"Cookies Cream", Berlin: Vegetarische Coolness

Nein, das kann jetzt nicht richig sein. Hier? Niemals ist hier ein Restaurant!

Doch Heiko, unser Tip-Geber führt uns weiter in die düstere Gasse hinter dem “Westin Grand” in Berlin-Mitte. Schmuddelig ist es hier, die Hotel-Mülltonnen waren auf Leerung, abgestellte Kisten, rohe Wände. Überfallenwerdensangst steigt auf. So sehen Ecken aus, an denen unschuldige Menschen entweder erschlagen oder rechtzeitig von Spider- oder Batman gerettet werden. “I need a hero!” röchelt Bonnie Tyler durch das Hirn.

Dann ein Eingang, grell leuchtende Birnen darüber. Und ein Schild. “Cookies Cream” - wird sind angekommen.

Seit Jahren residiert hier schon das “Cookies”, ein Club mit bevorzugt elektronischer Musik. Und seit anderthalb Jahren findet sich im ersten Stock ein Restaurant, das im Namen zusätlich “Cream” bekommen hat. Ein vegetarisches Restaurant, muss betont werden. Manchen stößt das ab. “Ich brauch mein Fleisch”, sagt mancher und wählt dann doch Fisch. Doch Fleisch ist in diesen Tagen ja auch ein Statussymbol, überall machen Edel-Steakhäuser auf.

Vegetarische Restaurants aber sind in Deutschland selten. Und wenn es welche gibt, fliegen sie oft auf traurig niedrigem Niveau. Dabei kann es sogar fleischlose Küche auf Sterne-Niveau geben, wie wir jüngst im “Noma” bei einigen Gängen erfuhren.

Und auch die Karte im “Cookies Cream” verspricht mehr als Bratlinge an Salat. Zum Beispiel gibt es Ziegenkäsemousse mit Schmorgurke, Liebstöckel, Pfefferpflaume und Croutons. Oder ein pochiertes Landei im Kartoffelnest mit Malzbiersabayone. Wir ordern und schauen uns um. Cool ist es. Mitte-cool. Rohe Betonwände, dazwischen schlichte, mit weißen Tüchern bedeckte Tische, Kerzen. Essen im Bunker, irgendwie. Aber eben so Berlin-Mitte wie Berlin-Mitte nur Berlin-Mitte sein kann. Der Service ist dagegen gar nicht kühl - sondern freundlich, fröhlich und kompetent. Womit er gar nicht dem “In Mitte ist es patzig”-Bild entspricht, dass sich hier nach unseren Besuch im “Grill Royal” aufbaute.

Die Küche - ganz offen ohne eine Trennwand - hält die Versprechen. Die optische Darbietung hat teilweise Top-Niveau. Die Gerichte sind durchweg gelungen, könnten manchmal vielleicht ein wenig mehr Differenzierung vertragen. Dass die Sabayone beim Landei nach Malzbier schmeckt - kaum zu erahnen.

Ein echter Knaller sind dann die Parmesanknödel mit Korianderkarotten in Amalfi-Zitronensud. Da passt alles zusammen. Der Parmesan bestimmt zwar den Geschmack, aber Koriander und Zitrone spielen prima mit. Dazu passt eine wohl überlegte Weinkarte, die sogar meinen Lieblings-Spätburgunder-Produzenten Becker beinhaltet. Die Weine sind eher gehobenen Preises, was für das Menü nicht gilt: Lächerliche 28 Euro für drei Gänge - hey, das ist Mitte! Für Arme, aber sexy!

Zum Abschluss gönnen wir uns Pralinenmousse mit Rhabarber, Schmandcrème und Minzspitzen sowie eine Holunderblüten Crème Brullée mit Waldbeersorbet, Kompott und Muscovadocrumble. Hinzu kommt dann noch Cookie selbst, der Chef. Praktisch jeden Abend sei er hier, berichtet unser Kundiger. Er setzt sich zu uns und erzählt ein wenig. Davon, dass er schon immer ein Restaurant über dem Club haben wollte. Am liebsten ein vegetarisches, denn er selbst sei eben Vegetarier. Und dass dann dieser junge Koch habe anfangen wollen. Der hätte auch zum “Facil” gehen können, dem von uns heiß geliebten Sterne-Restaurant am Potsdamer Platz. Doch er hätte Chef werden wollen. Das ist er nun - und er macht seinen Job wirklich gut.

So verlassen wir das “Cookies Cream” mit einem hohen Maß an Entspanntheit. Vorbei an Mülltonnen und Abgestelltem. Ja, hier in diesem düsteren Gang hinter dem plüschigen “Westin Grand” ist tatsächlich in Restaurant. Und noch dazu ein wirklich gutes.

Cookies Cream
Behrenstr. 55
10117 Berlin
Tel.: 030 - 27 49 29 40

Posted on Dienstag, Juni 23, 2009 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , , , | Comments2 Comments

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Reader Comments (2)

Da stehen "abgestillte" Kisten hinterm Hotel herum? Ist ja'n Ding. In welchem Alter werden Kisten denn gemeinhin abgestillt? Bekommen die abgestillten Kisten dann die vielen Fläschchen, die man oft darin findet? Und was sagen die Kistenmütter dazu? ;-))

Juni 25, 2009 | Unregistered CommenterBeta Test

Der war gut - wird korrigiert ;-) Danke für den Hinweis.

Juni 25, 2009 | Unregistered CommenterThomas

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