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"Park Inn Berlin-Alexanderplatz": Dame, König, As, Design

Kaum etwas übt auf Heranwachsende männlichen Geschlechts eine solche Faszination aus, wie das Agentenleben. Neugierig ist man im Teenageralter und auch abenteuerlustig. In meiner Kindheit halfen beim Erträumen dieses Berufswegs ein ansehnliches Arsenal an “Yps”-Gimmicks. Für die heute Jüngeren: Einst gab es ein Comic-Heft, bei dem die Beigabe von Produkten noch etwas Besonderes war.

Zweiter Helfer war die Literatur, allen voran die Bücher von Frederick Forsyth und John Le Carré. “Dame, König, As, Spion” eroberte meinen Freundeskreis spätestens mit der Serienverfilmung, in der Alec Guinness die Hauptrolle des George Smiley übernahm. 

Und dann - fiel die Mauer. Gut, ein paar Jahre später. Doch seien wir ehrlich: Seitdem sind Agenten nicht mehr, was sie waren.

Wie sehr sich die Welt gewandelt hat, demonstriert auch ein Hochhaus auf dem Alexanderplatz. Ein Hotel. Mit 1012 Zimmern. Einem Casino. Drei Restaurants. Zwei Bars. Kurz: ein Klotz. Einst, zu DDR-Zeiten, soll er ein Treffpunkt von Agenten gewesen sein, die belauschten, was die Prostituierten - klar, waren auch vor Ort - mit den Westlern so besprachen. Jedes Zimmer soll verwanzt gewesen, jedes Wort von der Stasi mitgeschnitten worden sein. OK, das erzählt man sich anscheinend von jedem DDR-Hauptstadthotel. Vielleicht schwingt also eine besondere Form der Ostalgie mit.

Klotziges Stasi-Hotel - warum sollte man dort wohnen wollen? Zum einen wegen der Aussicht - zum anderen, weil die Park-Inn-Kette daraus etwas Erstaunliches gemacht hat. Punkt 1 muss man nicht erklären - es reicht ein Foto:

Das ist schon schnuckelig, besonders bei Sonnenauf- oder -untergang. Und deshalb sei empfohlen, beim Einchecken um ein Zimmer möglichst weit oben zu bitten.

Egal aber, auf welcher Etage man sich bettet - man liegt geschmackvoll. Die Einrichtung ist nicht auf Philippe-Starck-Niveau, aber moderner und weitaus schöner als in den Marriotts dieser Welt. Geschickt ausgenutzt wurde die leicht schlauchartige Raumanlage, indem das Waschbecken nicht in ein enges Bad gequetscht wurde, sondern in das Zimmer gezogen wurde, direkt neben die glaswandige Dusche.

Bleibt als einziger Kritikpunkt das Internet. Leider werden, wie bei so vielen Hotelketten, auch hier Abzockerpreise berechnet. Im Gegenzug aber sind die Zimmer höchst erschwinglich. Denn das Hotel ist so groß - es dürfte niemals voll sein. Wer Glück hat, schläft für deutlich unter 100 Euro - exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Publikum ist entsprechend: Hier reisen viele Bustouristen an sowie Bürger, die vom Abgeordneten ihres Wahlkreises eingeladen wurde.

Tja, und dann macht der Besucher einen Fehler. Er wählt den Hinterausgang und landet - auf dem Alexanderplatz.

Und der passt so gar nicht zu schönem Ausblick und freundlichem Design. Hier, auf einer nicht endenden Kirmes mit Ramschbuden, erfüllen sich auch die schlimmsten Vorurteile, die im Westen gegenüber Ostdeutschen gehegt werden. Leggins kleben so eng an den Beinen überernährter Frauen, dass die Cellulitis unübersehbar ist, bierbäuchige Herren halten mit Muskel-Shirts dagegen und gemeinsam wirken sie wie die Leistungsschau der Billig-Tätowierer. Es ist… schrecklich. Der Alex ist der vielleicht schlimmste Ort des zentralen Berlin geworden.

Aber andererseits ist es das, was Berlin ausmacht. Die Gegensätze. Zwischen wunderschön und wunderschrecklich, zwischen modern und ewiggestrig, zwischen Ostalgie und Futurismus. Und vielleicht wäre das eine Idee für das “Park-Inn”: Aus ein paar Zimmern, Blick auf den Alex, das Design wieder rausreißen und die alte Einrichtung wieder herstellen, Wanzen inklusive. Und dann gibt es das DDR-Paket, mit Prostituierter auf dem Zimmer sowie CD mit allen aufgezeichneten Gesprächen.

Immerhin gibt es noch heute an der Rezeption ein Schild, wie aus DDR-Zeiten stehen geblieben. Es weist darauf hin, dass der Gast die Aufforderungen des Dienstleistungspersonals freundlich zu finden hat.

Obwohl… Lassen wir es lieber, wie es ist.

Park-Inn Berlin-Alexanderplatz
Alexanderplatz 7
10178 Berlin

 

Posted on Montag, Mai 11, 2009 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , , | Comments1 Comment

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Reader Comments (1)

Auch wenn der Post schon etwas älter ist, super Bericht, besonders bei der Yps Erwähnung musst ich schmunzeln ... meine Sammlung war auch nicht schlecht ...Wenn es wieder einmal Berlin sein darf, dann bitte direkt bei mir melden ...

September 29, 2009 | Unregistered Commenterthomas

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