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"Sketch" - ein Wunderland in London

Endlich mal haben wir einen Tisch bekommen. Immer wieder wenn wir nach London fliegen fällt uns kurz vorher ein, “Wir sollten ins ,Sketch’”.

Allein schon - und wir verlinken die erst unten, sonst sind Sie, liebe Leser, gleich mal für ein paar Stunden von Gotorio weg - wegen seiner Homepage. Die ist so wahnwitzig liebevoll, abgedreht und vielschichtig, dass man jeden kreativen Web-Designer der zivilisierten Welt an seinen Stuhl fesseln möchte, damit er begreift, wie man ein Restaurant online inszenieren kann.

Aber kommen wir zurück zur realen Welt. Denn das “Skech” hatte für uns bisher ein Problem: Es war ausgebucht.

Immer.

Seit  Jahren.

Aber diesmal hat es geklappt. Ob das Krisenzeichen oder Glück sein mögen, sei dahin gestellt. Unser Warten hat ein Ende und gelohnt hat es sich in jeder Hinsicht!

Mourad Mazouz, der schon das “Momo” in London zu einer Legende machte hat mit dem von uns sehr geschätzen Sternekoch Pierre Gagnaire und seinem Designteam nämlich ein Märchenhaus mitten in London geschaffen. Inspiriert vom Kinderbuchklassiker “Alice im Wunderland” wurden die Räume eines Stadthauses aus dem 18. Jahrhundert zu einem Fantasie-Reich für Erwachsene, einer Mischung aus Kunst, Design und Kitsch. Auch ohne hervorragendes Essen, wäre allein das Haus einen Besuch wert.

Schon die Außenwand verkündet, dass hier eine nicht ganz gewöhnliche Lokalität ihren Sitz hat. Dort klebt ein Hund - mit halbem Kopf. Warum auch immer. Fragen Sie nicht. Fragen Sie den ganzen Abend nicht, was wohl was sein könnte oder warum etwas so aussieht, wie es aussieht - genießen Sie einfach.

Das “Sketch” besteht aus dem “Lecture Room”, dem Top-Restaurant, und der legereren und günstigeren “Gallery” - für die wir uns entschieden. Der Raum ist groß und wild. Um den oberen Rand läuft eine sich drehende Videoinstallation, ein Blick auf das nächtliche Paris. Die technikverliebten Herren fragen sich sofort: Wie funktioniert das?Aber nur zwei Minuten. Dann schmunzeln alle über die pilzförmigen Tischlampen, die comicartigen Raumteiler, die vielen Details. Hier hat sich ein Innenarchitekt ausgetobt, der zum einen Freiheit hatte und zum anderen einen Comicfetisch - oder vor dem Entwurf eine gehörige Portion halluzinogener Wirkstoffe zu sich nahm. Es ist einfach großartig.

Die Karte klingt schlicht - doch die Gerichte sind das ganze Gegenteil. Wie auch in Paris kombiniert Gagnaire Aromen, die nicht kombinierbar scheinen. Zum Beispiel irische Austern mit Manzanilla-Sherry, Gurke-Apfel-Mousse, Graupen, Babyzwiebel und - kein Scherz - Montbélliard-Wurst. Und schmecke da: Die kräftige Auster verträgt sich wunderbar mit der Wurst, die Mousse sorgt für einen frischen Unterton - meisterhaft.

Oder probieren Sie die Avocadovelouté mit Ceviche aus Gambas mit Tomaten-Mango-Würfelchen und Mozarella-Eis. Nicht ganz so exotisch, aber nicht weniger schmackhaft.

Fast schon gewöhnlich dagegen der in Butter gebratene Barsch mit Blutorangen-Marmelade, Campari-Steckrüben und Knödel: ein frisches, leichtes Frühlingsgericht.

Abenteuerlicher dafür die Jacobsmuscheln auf zwei Arten zubereitet. Am Spieß in Butter gebraten mit Senf-Beurre Blanc und als wunderbar zarte Mousse auf einem Bett aus “Gonzo” (was auch immer das heißen mag)-Pilzen, die mit geräucherter Entenbrust, Tintenfisch, Koriander und Orange gemischt wurden. Schmeckt sensationell.

Zum Abschluss - hey, wir sind im Wunderland - ein echtes Große-Kinder-Dessert: Kaugummi-Eiscrème Orangenblüten-Marshmallows, Panna Cotta und grünem Knusper-Tee. Hier isst man jung, hier darf mans sein, kein anderer Nachtisch würde hierher besser passen.

Und noch etwas ist zu erwähnen, auch wenn es komisch klingt: Sollten Sie das “Sketch” besuchen, gehen sie auf die Toilette. Unbedingt. Selbst wenn Sie gerade nicht müssen. Denn dies sind die vielleicht coolsten Klos der Welt.

Sie verlassen dazu die Gallery und stehen vor einem mannshohen, ausgehöhlten Smartie. Darin: eine Bar. Links führen hellblau beleuchtete Stufen hinauf, rechts rosa beleuchtete. Gut, das Konzept ist klar. Dann stehen Sie oben und erblicken - eine Landschaft aus Eiern. Suchen Sie sich eins aus, nehmen Sie Platz und genießen Sie die Zeit im Ei.

Sketch
9 Conduit Street
London W1
Telefon: +44 (0) 207 659 4500

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Reader Comments (2)

Vielen Dank fürs Mitnehmen!
Auffallend auf den Fotos: die Größe der Portionen. Das scheinen eher Sattmacher zu sein als die Probiererl, die ich sonst in dieser Sorte Wirtshaus gewohnt bin.
Vielleicht noch ein Wörtchen zum Service? Und Wein?

April 12, 2009 | Unregistered Commenterkaltmamsell

Also der Service war unauffällig im positiven Sinne - wir haben ihn kaum gespürt. Als Wein wählten wir einen Riesling aus Südafrika, angebaut von einem deutschen Winzer, den Namen haben wir leider nicht notiert. Die Weinkarte wirkt gut sortiert, ein netter Sommelier ist auch vorhanden. Auch hier also kein Tadel.

April 14, 2009 | Unregistered CommenterThomas

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