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"Gehry's", Düsseldorf: Steak im Hafen

Wer ganze Mittelständler verspeist, dem kommen 500-Gramm-Filets gerade Recht. Ein Master of the Universe, eine Heuschrecke, ein Private-Equitaner oder Banker braucht keine Sößchen und Schäumchen, kein feminines Fischgericht und keinen in sechs Bestandteile dekomponierten Hauptgang. Er will totes Tier, leicht bis schwer blutend, am besten hat es lang gelitten.

Kein anderer gastronomischer Trend passte so sehr zu den vergangenen Jahren der boomenen Finanzwirtschaft, wie das Aufkommen der Edel-Steakhäuser. Vor allem in Wirtschaftsmetropolen wie Frankfurt wurde die dank Maredo-Uniformität verstaubte Idee des puren Fleisches mit simplen Beilagen neu definiert und dem Segment des Familien-Mahls entrissen.

Nun braucht die Planung und Umsetzung eines gehobenen Lokals aber ihre Zeit. Und so kommen jetzt, da die Herren des Universums auf den Mond geschossen werden, noch immer neue Varianten der reloadeten Steak-Häuser auf den Markt.

Zum Beispiel das “Gehry’s” im Düsseldorfer Hafen, der sich mit der Eigenbetitelung “Medienhafen” selbst als schwelendes Krisengebiet ausweist. Noch dazu platziert sich das “Gehry’s” in den auffälligsten Gebäudekomplex der Nachbarschaft: die spektakulären, schiefen Häuser von Star-Architekt Frank Gehry.

Längst sind sie zu einem Wahrzeichen Düsseldorfs geworden, jeder, der dort nicht arbeitet, bewundert sie. Jene, die dort Büros einrichten, fluchen schon mal ob der auch innen gewölbten Wände und schiefen Fenster - sie sind so einzigartig, dass Standard-Büromöbel zum Problem werden.

Nun darf auch der Nicht-Arbeiter Gehry-Gefühl erhaschen - dank des “Gehry’s” im weißen der drei Bauten. Geführt wird es von einem der Gastro-Paten der Gegend, Konstantin Karabatziakis, und seiner Gesellschaft Brenngold. Die lenkt schon die Geschicke des seit Jahren zuverlässig guten “Bug” sowie der optisch spektakulären “Meerbar” (bei der am Wochenende leider die Musiklautstärke irgendwann den Genuss vergällt und vom Brunch am Sonntag dringed abzuraten ist). Gerüchten zufolge soll Brenngold bald ein weiteres Lokal in der Gegend übernehmen, das in dem derzeit die halbbodenständige Kneipe “Schwan” residiert.

Aber können die auch Fleisch? Vor allem: Können sie Fleisch auch so gut wie das von uns heiß geliebte “Classic Western Steakhouse” in Düsseldorf-Pempelfort?

Die Antwort lautet: Ja - aber.

Das Ambiente ist metropolitan. In den hohen Räumen mit den schiefen Fenstern durfte sich ein Designer austoben. Es ist recht licht hier, für ein Steakhaus eher ungewöhnlich. Eine Glasfront trennt Nichtraucherbereich von Drogen-Abteilung, eine weitere die Lungenmörder von der einsehbaren Küche. Draußen wird im Sommer wohl eine Vereinigung mit der nachbarschaftlichen Schwester “Meerbar” stattfinden.

Im Gegensatz zu anderen Steakhäusern neuerer Prägung wird im “Gehry’s” das Fleisch nicht wirklich zelebriert. Es gibt deutsches, argentinisches und amerikanisches, jeweils in zwei bis drei Größen und entweder als Roastbeef oder Filet. Auf der Tageskarte finden wir noch zwei weitere Varianten. Mehrere der Wahlmöglichkeiten auf der Homepage gab es an diesem Abend nicht. Das ist für den Untertitel “Prime Beef Restaurant” wenig. Auch die Einführung durch den Service - der den Abend über etwas holprig bleiben wird - liefert nur wenig mehr Einblicke. Deutsches Fleisch sei ein wenig säuerlich, argentinisches kräftiger, amerikanisches milder und zarter.

Wir beginnen mit gegrillten Riesengarnelen in Ingwerpesto - sehr lecker - und einem ebenfalls exzellenten Salat mit Jakobsmuscheln. Der erreicht uns allerdings erst eine satte dreiviertel Stunde nach Bestellung. Bis dahin begeistern wir uns für den tollen “Rancho Zabaco”-Zinfandel aus dem Sonoma Valley, der allen Gästen dringend empfohlen sei, denn er passt bestens zu Fleisch. Preis im Restaurant: 44 Euro.

Irgendwann, so anderthalb Stunden nach der Order, fragen wir uns doch, ob es nicht langsam Zeit wäre für den Hauptgang. Es dauert noch mal 15 Minuten und eine Nachfrage, dann wird es endlich was. Das Warten hat sich - auch wenn es inakzeptabel lange dauerte - durchaus gelohnt: Die Fleischqualität im “Gehry’s” ist absolutes Spitzenniveau. Das US-Filet ist schön hoch geschnitten, auf den Punkt zubereitet, und so butterweich, dass Vergleiche mit Wagyu-Rind erlaubt sind. Das argentinische Gegenstück ist schön kräftig, deftig und ebenfalls perfekt medium. 

Die Beilagen dagegen sind verbesserungswürdig. Beispiel: Der grüne Spargel für 9 Euro war eher laff und spärlich portioniert. Saucen müssen ebenfalls extra geordert werden, die in der Karte stehende “Bratensauce” ist eine andere Beschreibung für “Wir kippen die Flüssigkeit aus der Pfanne und verdicken sie ein wenig.” Und ich vermisse eine richtig schöne, rauchige Barbeque-Sauce - gibt’s leider nicht.

Wenig Motivation brachte der Speisekarten-Konzeptionist in Sachen Desserts auf. Schade, eigentlich. Die Crème Catalan geht so, das hausgemachte Eis ist lecker. Ich tippe aber mal, der Fleisch vertilgende, männliche Teil der Zielgruppe wäre über etwas schokoladiges sehr, sehr glücklich.

So verlassen wir das “Gehry’s” hellauf begeistert von der Fleischqualität - aber verwundert wegen der kleinen Nachlässigkeiten. Die könnte man als Gast prima durchgehen lassen - wenn der Preis nicht wäre. Mit 48 Euro für ein 400-Gramm-US-Filet legt das “Gehry’s” die Latte hoch - und muss sich daran messen lassen. Und diesem Klassenanspruch genügt das Hause nicht immer. Das mag daran liegen, dass sich manches erst noch einschubbeln muss. Doch die Frage ist, ob die Wirtschaftskrise dem Restaurant diese Zeit lässt - auch wenn es ihm zu wünschen wäre.

Gehry’s
(Weißes Gehry-Gebäude)
Neuer Zollhof 3
40221 Düsseldorf
Telefon: 0211 157 99 373

 

Posted on Sonntag, Februar 8, 2009 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments4 Comments

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Reader Comments (4)

War neulich zum ersten mal im Gehry´s. Empfehlung von Freunden. So etwas hat in Düsseldorf gefehlt. Essen super, ein bißchen überteuert, aber wir sind schließlich in Ddorf. Der DJ hat ein wenig laut aufgedreht... Ansonsten: Ich geh wieder hin, schon deshalb, weil die Raucher besser sitzen als die Nichtraucher!

März 29, 2009 | Unregistered CommenterThomas Koch

War gestern zum zweiten Male im Gehry`s. Der erste Besuch war Spitze. Leider war ich gestern total unzufrieden. Die Hauptspeise (400gr. Steak/Argentinisch) kam zeitl. zur Vorspeise. Also zurück! Da wir (4 Personen) ein wenig länger sitzen wollten, bat ich den Kellner die Hauptspeise doch später zu bringen. Später kam unser bereits vorheriges Essen (ca.1/2 Std.) aufgewärmt. Das ging M.E. gar nicht. Steak war innen nicht saftig und außen verkrustet!! Ich habe mein Steak darauf zurückgegeben und bestellte nochmal ausdrücklich saftig im Kern rot. Und was kam? Ein völlig durchgebratenes Steak. Nicht saftig, leicht zäh !!
NIE WIEDER

April 12, 2009 | Unregistered CommenterS.K.

***Hier stand ein Kommentar, desse Neutralität zu bezweifeln war. Es gibt Hinweise, dass hier ein Restaurant-Konkurrent versucht, den anderen schlecht- und sich selbst gutzuschreiben.***

November 23, 2009 | Unregistered Commentergelöscht

Schaaaaade. Wir waren gestern im Gehry´s. Nach großer Vorfreude stellte sich der Abend dort leider als kleines Desaster dar.
Wir mussten bereits auf die Getränke eine halbe Stunde warten, die auch erst durch eine Erinnerung an die Kellnerin diese lange Zeit benötigten. Während dieser Zeit kamen jedoch verschiedene Kellner mit Getränken zu uns, die Ihren Besteller suchten. Ob sie jemals ankamen?
Nach über einer geschlagenen Stunde kam dann auch die zunächst falsche Vorspeise. Wir hatten Bruscchetta mit Tomaten und die Riesengarnelen in Ingwer-Kruste bestellt.Es kam das Bruscchetta und Tatar - wollten wir nicht. Nach weiteren 10 Minuten dann die richtigen Vorspeisen. Leider waren die Garnelen trocken und OHNE Ingwerkruste. Also zurück. Ich hatte dann auch keine Lust mehr auf eine Vorspeise:-( Zum Hauptgang. Das 250g Filet war auf den Punkt medium gebraten das 400g wurde stark verfehlt und ging stark in die "englische" Richtung. Die Beilagen sehr dürftig - von der Sauce ganz zu schweigen. Da weder nach Kaffee oder Dessert gefragt wurde, verzichteten wir dann auch darauf. Wer keinen Umsatz machen möchte..... Leider wurde weder ein Getränk oder ähnliches als Entschädigung für die lange Wartezeit und die misslungene Vorspeise angeboten. Wir sahen andere Kellner an unserem Tisch (auf der Suche nach den Bestellern diverser Getränke und Speisen)öfter als die uns zugewiesene:-(
Vorsicht auf der Toilette ist geboten: Bloß nicht nur den Heißwasserhahn aufdrehen. Das Wasser kommt tatsächlich kochend heiß und dampfend aus dem Hahn - tut weh!!!
Fazit: bei DEN Preisen erwarten wir besseren Service, besseres Essen und eine bessere Organisation. Die Musik ist für eine Konversation zu laut. Vielleicht ideal für Paare, dich sich nichts mehr zu sagen haben:-)
Nie wieder

Januar 31, 2010 | Unregistered Commenterxxx

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