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Ein paar Worte zum Berliner "Borchardt"

Es gibt Restaurants, an denen scheiden sich die Geister wie sonst selten. Und anscheinend liegen sie verdammt häufig in der Hauptstadt. Das “Grill Royal” ist so ein Fall. OKes Essen, desaströser Service - und doch fanden sich bei der Diskussion hier Menschen, die meinten, das sei eben so.

Ähnlich geht es dem “Borchardt”. Die einen meckern über mittelmäßiges Essen, unhöfliche Kellner, schlechte Luft und hohe Lautstärke - der Laden sei unmöglich.

Und hier können wir uns nicht anschließen. Sicher, das “Borchardt” ist nicht der Himmel der Kochkunst. Aber es gib gutes, teilweise sehr gutes Essen zu einem höchst vernünftigen Preis (zumindest, wenn man aus Düsseldorf kommt und rheinische Preise gewöhnt ist). Jüngst aßen wir die Gans - sie war wirklich, wirklich gut.

Auch sind wir noch nie unhöflich behandelt worden. Der chronisch überforderte Servicechef entschuldigt sich eher zu oft dafür, dass wir trotz Reservierung eine halbe Stunde warten müssen. Die Kellner sind zwar zackig drauf und manchmal chaotisch - angepampt aber wurden wir noch nie.

Einstellen muss man sich allerdings darauf, dass Romantik nicht das Ding des “Borchardt” ist. Es ist halt laut, weil der Schall Pingpong mit den hohen Wänden spielt - das erinnert uns atmosphärisch an unser geliebtes “Roberts Bistro”.

Entschädigt wird man durch die Gäste. Zum Beispiel den tuntigen Anfangzwanziger mit den Manga-Comic-artig mit einem Tuch hochgebundenen Haaren, der Louis-Vuitton-Tasche und dem Lidschatten. Leute gucken macht durchaus Spaß im “Borchardt”. Denn gerade die Größen der Wirtschaft sind oft hier, an unserem Abend saßen ein paar Tische weiter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und sein Kommunikationschef Stephan Baron, nur eine Schale Austern störte ihr intensives Gespräch.

Nein, wir können nichts wirklich Negatives über das “Borchardt” sagen. Es ist ein Restaurant, wie es eine Hauptstadt braucht - im absolut positiven Sinne. Nur eine Homepage, die scheint ihm noch zu fehlen. Aber das hat ja auch etwas.

Borchardt
Französische Str. 47
10117 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 818 862 62


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Reader Comments (4)

wenn ich in Berlin bin, gehe ich dort immer hin, ich mag diese Brasserie Atmosphäre, im Le Moissonnier ist's auch nicht ruhig....

Dezember 2, 2009 | Unregistered CommenterBolliskitchen

Zu einem Borchardt-Konkurrenten könnte das das erst jüngst eröffnete HEINRICH in der Rosa-Luxemburg-Str. heranwachsen. Deutsche Küche, Berliner Klassiker aus den 20/30er Jahren und, was uns begeistert hat, die hierzu passende Musik. Von Artie Shaw über Kid Ory bis hin zu Claire Waldoff, die "Golden Twenties" sind hier an vielen Stellen zugegen. Auf der Empore (hier ist eine Lounge für den Whisky oder Drink danach) waren wir an diesem Abend nicht mehr, sah aber sehr einladend und gemütlich aus. http://heinrich-restaurant.de

Dezember 2, 2009 | Unregistered CommenterTom Kerschke

Das versöhnt mich etwas mit dem Borchardt, denn ich habe beide Spaltungen in mir. Als heranwachsende Konkurrenz sehe ich aber die Comandanterie, schon wg. Größe und Lage. Ich staune immer noch, wie jemand dort solche Räume bekommen hat.

Hr. Mary findet im übrigen Webseiten unnötig. Gastronom alter Schule und unheimlich sparsam...

Dezember 2, 2009 | Unregistered CommenterMichael

Wir haben im März 2010 dort sehr gut Mittags gegessen. Es war um 12.00 Uhr so gut wie leer und hat sich auch bis 14.00 Uhr kaum wesentlich gefüllt. Also war nix mit Leute gucken!

Juni 18, 2010 | Unregistered CommenterUlla

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