"Gaucho", London: Das Steak am Ende der Stadt
Wer um Himmels Willen macht hier ein Restaurant auf? Also: keinen Fast-Food-Laden, sondern ein richtig cooles mit guter Qualität? Ein Edel-Steakhaus?
Diese Frage stelle ich mir auch nach Tagen noch. Die 140conf führte mich nach London und dort in das O2, den ehemaligen Millennium Dome. Der ist reich bestückt mit Restaurants, unter anderem einem, das von außen mit seinen dunklen Holz-Laden eher an eine Abercrombie & Fitch-Filiale erinnert: das “Gaucho”.

Tageslicht darf hier niemand erwarten. Wer das “Gaucho”betritt ist abgeschirmt von der Leere eines O2-Alltagstages oder auch von biergeschwängerten Konzertgängern. Hier ist es schwarz-weiß-cool. Unten eine Bar mit wunderschönen S/W-Fotos, viel Spiegeln und Kronleuchtern. Dazu ein Wein-Tasting-Raum von gehobenem Geschmack.

Das riecht nach Anspruch. Auch oben, im eigentlichen Restaurant. Kuhfellbezogen sind die Stühle, das Weiterverabeiten aller Tierteile darf man wohl unter sustainable management buchen. Die Küche ist offen, doch es ist Mittag - die Hektik hält sich in Grenzen.
Das Präsentieren der Fleischvarianten gehört in den Steakhäusern dieser Welt inzwischen zum Alltag - so auch hier. Der Service ist freundlich und flott.
Die Karte hat zwei Hauptattraktionen: das argentinische Fleisch und die argentinischen Weine. Ersteres kommt in 200-, 300- und 400-Gramm-Varianten. Zweiteres in Form einer üppigen, ausschließlich argentinischen Karte - konsequent. Und wenn durchaus gibt es ja inzwischen tolle Argentinier, leider aber auch viel Massenware.

Die Kleinhunger-Mitesser entscheiden sich für Tiger Prawns. Die sind sehr überschaubar, selbst für eine Vorspeise ist das klein.

Das Fleisch kommt puristisch daher: ein Steak et son Teller, würde der Franzose es beschreiben. Es kann nicht ganz mithalten mit jener Qualität des Gotorio-Lieblings-Steakhauses “Classic Western”. Aber das ist Jammern auf höchstem Niveau: Der “Gaucho” reitet nur knapp hintendran bei etwas niedrigeren Preisen.
Schön sind auch südamerikanische Details, die nicht überall zu finden sind. Zum Beispiel handgeschnittene, dicke Pommes Frites mit leicht süßlich-scharfer Chorizo - eine schöne Kombination. Oder vorab ein Brot mit hohem Käseanteil - sehr lecker.
Wie also schafft es so ein Haus sich hier zu halten? Nur durch Konzertgänger? Zum einen: Das “Gaucho” ist eine Kette und verfügt über 13 Ableger quer durch London. Und das verändert ja die Kostensituation.
Zum anderen ist es vielleicht eine Wette auf die Zukunft: Rund um das O2 wird heftig gebaut - Büroimmobilien. Und dort, wo sich die Gauchos der Wirtschaft ansiedeln sind Steaks ja bekanntermaßen immer gern gesehen.
(Vielen Dank für die Essens-Fotos an Madlen Nicolaus, die auch das Copyright an ihnen hat.)
Gaucho at the O2
Peninsula Square,
London SE10 0DX
Tel.: +44 (0) 20 8858 7711

Reader Comments (2)
Hallo Herr Knüwer,
wäre schön, wenn Sie bei solchen Texten auf die Preise der Gerichte und der Weine dazuschreiben könnten.
@Mathias: Die Preise in den Gaucho Restaurants sind gehoben, aber nicht abgehoben. Es ist auf jeden Fall preiswert im eigentlichen Sinne des Wortes. (Ich kenne das Gaucho in Canary Wharf, und wann immer ich die Chance habe, gehe ich hin.)