Andouillette: Gescheitert am Pansen
Appetitlich sieht sie aus. Leicht rund gebogen, wie eine Wurst zu sein hat. Ein geripptes Röstmuster hat die Küche hinterlassen, überdeckt wird es von einer rot-goldenen Sauce. Daneben lecker aussehende Bratäpfel-Stücke und gedünstetes Gemüse plus Kartoffelpurée. So sieht es aus, ein leckeres Essen in unserem Lieblingsrestaurant “Roberts Bistro”.

In diesem Moment, da der Teller vor mir steht, weiß ich noch nicht, dass ich scheitern werde. Ich werde alles geben, kämpfen - und doch scheitern.
Als Erinnerung: Ich hatte mir für die nähere Zukunft vorgenommen, meinen kulinarischen Horizont zu erweitern - um Innereien. Weil die ja gerade so angesagt sind. Und Ihnen, liebe Leser, hatte ich versprochen beim nächsten Besuch unseres geliebten “Roberts Bistro” etwas mit Innereien zu ordern. Schon immer hatte ich mal mit der Andouillette geliebäugelt. “Innereienwurst” ist die Beschreibung auf der Karte. Aber Andouillette, das klingt so leicht schwingend, wie ein Chanson, da klingt la vie en rose mit und savoir vivre.
Der Kellner holt mich aus den frankophilen Schwärmereien: “Sie wissen, dass das Pansen ist?”
Schluck.
Pansen ist dann doch eine heftige dritte Lektion in Sachen Innereien, nach Knochenmark und Ochsenherz. Wobei Pansen natürlich nicht ganz richtig ist, denn der verarbeitete Pansen heißt ja Kutteln oder Kaldaunen. Kaldaunen klingt ja schon mal netter, schließlich kommen sie in “Asterix und die Schweizer” vor: Da verspeisen die Römer in Auerochsenfett gebratene Kaldaunen.
Also Andouillette.
Die Idee, mich vielleicht übernommen zu haben, kommt in dem Moment, da ich die Wurst anschneide. Denn ist die Haut ein Stück angeritzt quellen wurmartige, weiche Schlängchen heraus wie sedierte Aliens. Das sieht unterdurchschnittlich appetitlich aus.
Die Gewissheit, mich übernommen zu haben, kommt in dem Moment, da sich die erste Gabel Andouillette in die Reichweite meiner Riechorgane schwebt. Zunächst schnuppert sich das lecker geröstet und würzig und rotweinsaucig. Dann aber schwingt da etwas mit, etwas modrig-verfaultes, als ob der nahe liegende Düsseldorfer Hafen sich zu einer Kläranlage restrukturiert hätte.
Und genauso schmeckt es dann auch. Zu 80 Prozent durchaus gut, bedingt durch die sehr gelungene Sauce. Zu 20 Prozent aber - schrecklich. Gut, ich hätte vorher bei Wikipedia lesen können, dass die Andouillette nicht so stark gewürzt wird, so dass der Innereien-Geschmack und -Geruch besonders kräftig durchkommt.
“Der Appetit kommt beim Essen”, heißt es ja immer. Also gebe ich die Hoffnung nicht auf und esse weiter. Schalte meine Geschmacksnerven auf Durchzug, wenn der Schmodder kommt. Das gelingt zwei Drittel Wurstlängen gut - und dann nicht mehr.
Ich bin gescheitert. Immerhin: Ich bin nicht allein.
Und fürs Leben bekehrt: Dass Kutteln mir irgendwo schmecken werden, halte ich von nun an für absolut unwahrscheinlich.

Reader Comments (5)
Das war eine Scheiss-Andouilette, die man Ihnen angedreht hat. Korrekt hergestellte Andouilette (und natürlich sorgfältig hergestellte Kutteln oder Tripes) haben diesen Beigeschmack nicht. Bitte beim nächsten Berlin-Besuch anmailen, ich geb eine Portion köstliche, beigeschmacksfreie Kutteln bei meinem Leiblings-Schwaben auf.
Auch aus München Mutzuspruch: Kutteln schmecken genauso wenig innereiig wie Herz. Ich empfehle die spanische Zubereitung mit Chorizo.
Meinem Herrn Hund schmecken Pansen allemal. Her mit der Wurst! (nicht ganz ernst gemeint*g*)
Als ehemaliger Kellner eines von Ihnen gelobten Cafés in Hamburg kann ich nur sagen, daß es mir auch noch nie gelungen ist, eine Gabel mit Andouillete näher als 5 cm an meinen Mund heran zu bekommen. Und das waren immer AAAAA-Andouilette.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Association_amicale_des_amateurs_d%27andouillette_authentique
Sehr speziell... Nix für mich....
Andouilette ist nichts fuer Anfänger! Aber leider sind die u.a. Kutteln, Därme häufig nicht richtig gereinigt! Und dann riecht es halt mal nach Scheiße wenn diese wohlklingende Wurst angeschnitten wird! Ich brauchte 4 Versuche und stellte dann meine eigene her!LG Dirk