"French Laundry": We will attend!
Unser nächster Urlaub wird kulinarisch gesehen sicher einer der Höhepunkte unseres Lebens. Wir haben nämlich einen Tisch reserviert bei Thomas Keller in einem seiner beiden 3-Sterne Restaruants, der “French Laundry”.
Keller befindet sich in der gleichen Sternengalaxie wie Ferran Adrià und wird als einer der, wenn nicht als der beste Koch der Welt gefeiert. “Er ist ein Zauberer”, sagt beispielsweise der New Yorker Koch und Schriftsteller (übrigens sehr lesenswerter Bücher) Anthony Bourdain: “Man kann ihn nicht im Ernst als “besser” oder “am besten” oder gar “perfekt” bezeichnen. “Er steht einfach außer Konkurrenz.”
Die Chefredakteurin des “Gourmet Magazines” Ruth Reichl hat die French Laundry 1997 als “Amerikas aufregendstes Restaurant bezeichnet, in dem ein Mahl ein Abenteuer, ein erregender Geschmackskarneval sei!”
“Keller ist Gott” sagen die, die in den Genuss eines seiner Tasting- Menus gekommen sind, die so angelegt werden, dass lauter kleine Portionen in so unendlicher Köstlichkeit daherkommen, dass der Esser unbedingt noch einen Bissen mehr von genau diesem einem kleinen Gang haben möchte. Dann aber folgt der nächste der von ebensolcher überwältigender Geschmacksexplosionsintensität ist und das Spiel beginnt von vorn.
Thomas Keller selbst sieht sich laut Medienberichten allerdings weniger als Superkoch denn als Buddistischer Mönch auf der Suche nach Perfektion. Lebensmittel die in seine Hände gelangen, werden mit Erfuhrcht und Respekt behandelt. Und so zusammengestellt, dass es zunächst nach wilder Mischung klingt, wie “OYSTERS AND PEARLS”: “Sabayon of Pearl Tapioca with Island Creek Oysters and White Sturgeon Caviar”, also eigentlich geschmacksneutrale Stärkekügelchen mit Austern und Kaviar. Für Keller ist das vollkommen logisch. Perlen zu Perlen kommentierte er das Gericht. Und schmecken soll es - wenn er dafür als Gott bezeichnet wird - fantastisch.
An die begehrten Pläzte in dem immer ausgebuchten Restaurant kamen wir, wenn man sich die Star- und Sternenkochhimmeldimension bewusst macht - eigenltlich recht einfach. Es ist glücklicherweise nicht so wie bei Adrià im “El Bulli” das für 2008 komplett ausgebucht ist und Anfragen für 2009 ab Mitte Oktober per Mail entgegen nimmt. In der “French Laundry” darf der Gast zwei Monate vor dem gewünschten Termin reservieren.
Da wir genau eine Nacht im Napa Valley gebucht haben um eben in der “French Laundry” zu essen, gehe ich darum auf Nummer sicher bei der Reservierung und nehme diese auch genau (!) zwei Monate im voraus vor. Laut Website funktioniert diese über openTable.com, einem Reservierungssystem meines Vertrauens. Weil ich auf Nummer sicher gehen will versuche ich es dann aber doch schon einen Tag vor der zwei Monatsfrist - fahre damit aber vor die Wand: “Your requested date exceeds the maximum advance reservation limit for The French Laundry.”, lese ich. Gut, dann warte ich noch einen Tag. Um punkt 9.00 unserer Zeit also um 24.00 Uhr Ortszeit bin ich wieder bei Open Table - aber was ist das? “There are no reservations currently available for the day you have requested. The French Laundry maintains a waitlist via the phone only. They would be happy to add your name to the list.” Wie jetzt? In einer Sekunde alles ausgebucht?? Oder will man die Reservierung doch nur persönlich entgegen nehmen? Man will - and I know why.
Das Reservvierungsbüro ist ab 10.00 Uhr geöffnet. Um punkt 19.00 Uhr unserer Zeit rufe ich an. Der Anrufbeantworter informiert mich, dass das Büro um 10.00 Uhr öffnet. OK, noch keiner da.
Um 19.05 Uhr informiert mich der Anrufbeantworter wie vorher.
Um 19.07 Uhr, der Anrufbeantworter, um 19.09 genauso - die Dame an der Reservierungsline macht sich sicherlich noch schnell einen Kaffee…
19.10 Uhr Anrufbeantworter.
19.11 Uhr - BESETZT.
Meine Wahlwiederholung läuft heiß, die Leitung bleibt dauerbesetzt. Natürlich habe ich diverse Wettbewerber um die begehrten Plätze. Aber aufgeben tue ich nicht. Nein, mein Ehrgeiz bleibt. Schließlich will ich meinem Liebsten, der sich passenderweise in der Luft Richtung San Francisco befindet, mit der freudigen Kunde über die gelungene Buchung erfreuen ( ja, ja, die Liebe…).
Nach 95 Versuchen (mein Telefon hat’s gezählt) - ein Freizeichen. Es folgt, mit einem herzlichen Willkommen: die Warteschleife.
In einer recht langen Wahrteschleifenzeit erfahre ich gefühlte 220 mal, dass die “French Laundry” in Yountville im Napa Valley in einem kleinen Steinhaus liegt, wann die Lunch- und Dinnerzeiten sind, dass in der “French Laundry” täglich zwei 9-Gänge-Tasting Menüs kreiert werden - ein Chef-Menü und ein vegatarisches, die Küche ist Amerikanisch mit französischen Einflüssen und außerdem, dass es einen Dresscode gibt. Ein Jacket ist Pflicht , Krawatte dagegen optional. Jeans oder T-Shirts sind nicht erlaubt. Ja, und der nächste frei Platz gehöre mir.
Bald, nach circa 15 Minuten, vernehme ich eine freundliche menschliche Stimme. Ich trage meinen Reservierungswunsch vor und -jaha, hurra, jippiieee!!, ich bekomme einen Tisch für zwei Personen 5.30 pm. Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Nachdem ich meine Kreditkarten- und Telefonnummer hinterlassen habe bekomme ich noch die Bestätigungsnummer unter der ich 72 Stunden vor unserem Besuch anrufen soll.
Ach ja, und nettweiser weist die Dame mich auch darauf hin, dass ein Jacket Pflicht ist, Krawatte dagen optional. Jeans und T-Shirts sind nicht erlaubt… Aber eigentlich geht es uns ja um das Essen, wenn wir sollten, würden wir dafür auch im Black Tie kommen.


Reader Comments (8)
Bei dem Aufwand wär' mir schon längst der Appetit vergangen. Da fahr' ich lieber rüber nach Sonoma oder weiter nach Healdsburg.
Hier gibt es ein tolles Video auf youtube "Bourdain at French Laundry"
http://www.youtube.com/watch?v=G-5Sol8K-3o
Grüße,
Martin
www.berlinkitchen.com
Mich würde mal interessieren, was man für so ein Monstertasting investieren darf…
Das Menue hat einen Fixpreis von 240 US Dollar.
und diese fantastisch klingende restaurant hat sogar ein vegetarisches tasting menu.
oh man...das gibts doch eigentlich garnicht, da muß ich mal hin.
kennt noch jemand richtig richtig gute restaurants die standardmäßig vegetarische menüs anbieten?
Es gibt in San Francisco noch das "Greens", das hervorragend sein soll: http://www.greensrestaurant.com
Eventuell testen wir das auch noch während unserer Reise nach SF.
@Thomas: Aha, schön was wir alles so machen ;-)
Ich habe vor einiger Zeit einen Bericht über Kellers New Yorker Restaurant Per Se gelesen...ich frage mich ob es da wohl auch so schwierig ist einen Tisch zu bekommen.