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Weinrallye 15: Walking wine and wasting time

Es ist schon spät am Nachmittag, an diesem herrlich warmen Tag, als ich endlich vor seiner Wohnung stehe und klingele: „Ich bin’s“.

Die Tür wird geöffnet. Er steht schon im Türrahmen, drückt mich, hält mir ein Glas Weißwein hin und fragt – überflüssiger Weise: „Vino?“. Ich lächele: „Vino, vino, vino!“

Dazu muss man sagen, dass wir Wein nur ‚grob’ bewerten (können): lecker, nicht lecker, ein Muss oder in den Abfluss?!
Er wohnt wirklich mitten in der Stadt, so zentral, zentraler geht es kaum. Ich liebe es hier, es ist immer eine kurze Auszeit.

Der Wein ist wunderbar und die Woche ist vorbei. Sachen ins Schlafzimmer, ab aufs Sofa. Weißwein so schön kalt … Er schlägt vor noch an den Aachener Weiher zu gehen. Kenne ich nicht, aber wenn er das sagt, wird das schon stimmen. Aber wohin mit dem Wein? Ihn mitnehmen? Bier ist in solchen Situationen soviel praktischer, aber heute kommen wir um Wein einfach nicht herum. Welcher? Woher? Sagen wir mal so: Er war süßlich, aber nicht süß und hatte so einen milden, aber intensiven Geschmack - ganz toll!

“Mich kennt hier keiner”, denke ich mir, sag es aber nicht. Und so kommen wir zu dem Ergebnis: Wenn in der ganzen Stadt Leute mit ihren Beck’s Bottlen und diesem Bier, dessen Namen ich nicht ausprechen kann, herumlaufen dürfen, dann spricht auch nichts dagegen, mit Weingläsern die City zu durchqueren. Wir öffnen noch 2 Flaschen, stecken den Korken wieder leicht in die Flaschen, damit sie im Fall der Fälle nicht auslaufen, packen sie in meine große Tasche und laufen los.

Wir sehen uns irgendwie zu selten – immer wieder stellen wir das fest. Pling - „Prost“, Ampel grün, laufen. Und so schlendern wir durch die Stadt, die Sonne scheint noch, überall Autos, die Straßen voller junger Leute, die mit einem Bierchen das Wochenende einläuten. Uns kommen Massen von denen entgegen. Und einige schauen uns leicht verwirrt an, als wir mit den doch verhältnismäßig großen Weingläsern durch die Stadt bummeln, hin und wieder anhalten, um nachzuschenken.

Angekommen. Der Weiher ist brechend voll. Überall das junge Volk, Lagerfeuer, Musik, Decken, Feuerwehrwagen. Wir legen uns zwischen die Menge und genießen die spätsommerliche Atmosphäre. Langsam wird es dunkler und kühler, aber nicht kalt. Das Glas ist fast genau so schnell leer wie wieder aufgefüllt. Die Leute reden, lachen, kuscheln, flüstern, knutschen, singen, rennen herum, essen, trinken. So ein Fleckchen.. in so einer Stadt. „Plopp!“, die nächste Flasche wird geöffnet.

Man liegt so da, kann schon fast Sterne sehen und philosophiert über das Leben, die Liebe und den Agenturalltag. Es ist fantastisch hier. So gemütlich, so voller Leben und doch so beruhigend. Er spricht wieder davon, dass wir noch mal zusammen nach Südspanien fahren sollten, endlich erholen. Mit ihm muss ich nicht nach Spanien, mit ihm ist es auch hier wie im Urlaub.

Doch irgendwann müssen auch wir wieder zurück und brechen unsere Zelte ab. Letzter Tropfen aus der Flasche in das Glas, ordentlich im Mülleimer entsorgt und zurück nach Hause – „Wohlsein!“

Vielleicht ist Köln doch nicht so schlecht. In Düsseldorf würde ich nicht mit einem Weinglas durch die Stadt laufen…

Gastautorin Felicitas Hackmann ist Werberin in Düsseldorf. Für Gotorio schrieb sie bereits über ihre Liebe zu Jamie Oliver

Dieser Text ist Teil der Weinrallye 15. Mehr dazu hier.


Posted on Donnerstag, September 18, 2008 by Registered CommenterGastautor in , , | Comments3 Comments

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Reader Comments (3)

Hatte der wunderbare Wein auch einen Namen? Dürfte ich den wissen?

September 18, 2008 | Unregistered Commenterkaltmamsell

Es war vermutlich ein Riesling Chardonnay Cuvee. Ich bin aber sowieso ein Chardonnay-Freund. Aber im Zweifelsfall würde ich immer den Sunshine empfehlen... Wie gesagt, wir können nur grob unterscheiden! :)

September 18, 2008 | Unregistered CommenterFelicitas Hackmann

Sunshine, das war doch der, passend zum Designerhemd vom letzten Jahr:-)

September 19, 2008 | Unregistered CommenterIris

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