Weinrallye 15: Fruchtbombe aus Kiwi-Land
Unsere Erinnerung, wo genau wir ihn entdeckten, geht auseinander. Sicher ist nur: Es war auf Phuket, jener thailändischen Insel, die einerseits so wunderschön, andererseits so schrecklich touristisch sein kann.
Die Herzensdame sagt: “Es war im ,Chedi’” - also unserem Hotel. Das “Chedi” steht für die schöne Seite Phukets. Noch immer ist die kleine Bucht des Hotels der schönste Strand, an dem ich lag. Wunderbar ruhig an den Hang einer Bananenplantage sind die kleinen Hütten der Herberge getackert, verbunden von Holzstegen. Den Strand dürfen nur die Gäste des “Chedi” und des noch eine Klasse darüber liegenden “Amanpuri” nutzen. Wunderbar ruhig und leer ist es hier, der Wellengang selten übermäßig, der Barservice serviert das köstliche hausgemachte Eis zur Liege. Auf Strandhöhe befindet sich in einem Bungalow das beste Restaurant - und dort soll es passiert sein. Sagt zumindest die Herzensdame.
Ich aber bin mir ziemlich sicher, dass es im “Baan Rim Pa” war. Das Restaurant macht die hässliche Seite Phukets erträglich. Über einer Klippe der Bucht von Patong hängt es, von hier aus wirkt selbst dieser Hort der Raubkopien, Billigdiscos und Alter-Europäer-mit-junger-Thai romantisch. Das Essen ist sehr gut für ein gehobenes Thai-Restaurant. Denn in Thailand gibt es nun mal das beste Essen auf der Straße: Von kippeligen Mopeds mit aufmontierten Kleinküchen oder an schummerigen Marktständen. Hier aßen wir wunderbare Gerichte, von denen wir nie erfahren werden, woraus sie bestanden - denn die Verkäufer sprechen kein Englisch.

Auf jeden Fall orderten wir - entweder im “Chedi” oder dem “Baan Rim Pa” - zum ersten Mal einen neuseeländischen Sauvignon Blanc. Den des Weingutes Nautilus, genauer gesagt, dessen Designer die Flaschen mit einem coolen Seeschnecken-Logo versehen. Einmal am Glas schnuppern reichte, um neuseeländische Sauvignon Blancs in der Liste unserer Lieblingsweine sehr, sehr weit nach oben zu schieben. Eine hellgelbe Fruchtbombe schwappte da durch das Glas: Mango, Maracuja, Banane, Orange - das volle, exotische Programm explodierte beim ersten Schluck.
Dabei sind die Kiwi-Blancs deutlich voller als ihre französischen Brüder. Und nicht gerade billig: Massenproduktion gibt es in Neuseeland praktisch nicht, von dort kommt nur Qualität. Und die kostete in Deutschland so um die 15 Euro. Den Nautilus sollten Obstfreunde übrigens jung trinken. In einem Alter von drei Jahren verwandelt er sich mit Noten von Kochbanane und Holztönen in einen Verwandten des Chardonnay. Aus dem Hause Nautlius haben wir ebenfalls den Pinot Noir probiert - empfehlenswert. Und das, egal ob rot oder weiß, auch mit Düsseldorfer Balkonblick statt am Traumstrand oder mit Buchtblick.
Dieser Text ist Teil der Weinrallye 15. Mehr dazu hier.


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