Weinrallye 15: Ein Traum vom Kap
Dass der Wein, der am Strand von Woauchimmer so köstlich schmeckt,
nach dem Urlaub zu Hause aber eher flau daherkommt kenne ich
ehrlicherweise nur aus Erzählungen. Soll aber wirklich vorkommen.
Ein perfekter Urlaubswein, der zu Hause ebenso köstlich mundet wie in seiner Heimat, ist zum Beispiel der 2005 Pinotage Redhill vom Weingut Simonsig in Südafrika. Entdeckt haben wir ihn im vergangenen Jahr bei unserer Kap-Tour, die uns zu Beginn nach Stellenbosch führte, dieses wunderbare Weingebiet mit Weingütern im kapholländischen Stil.
Nur:
Welche der über hundert Weingüter sollen wir besuchen? Am Abend vor
unserem ersten Ausflug trinken wir in einem Restaurant einen Tropfen
der uns umhaut. Von Simonsig kommt er und deshalb ist klar: Dieses Gut
kommt auf die Liste.
Das
55 Jahre alte Unternehmen gehört
den drei Malan-Bründern. Auf der Cellar-Tour erklärt uns einer der drei
Herren des Hauses die verschiedenen Rebsorten, die wir im Traubengarten
probieren. Und es ist spannend, wie unterschiedlich die Trauben
schmecken, auch wenn wir es nicht schaffen, Pinotage, Cabernet
Sauvignon, Merlot oder Chardonnay (den ich als Wein nicht gerne trinke,
als Traube aber sehr lecker fand - aber das nur am Rande) blind
zuzuordnen. 
Nach der Erklärung des Herstellungsprozesses durch die Weinmacherin Debbie Burden (angeblich die beste Frau ihres Fachs am Kap) geht es zur Weinprobe. Gemeinsam mit dem Kellermeister suchen wir uns je fünf Weine und noch etwas Bubbeliges aus und genießen das Ganze auf der Terrasse vor dem Haus. Auf einer Karte können wir unsere Kommentare zu den einzelnen Tropfen festhalten. Als eher Weinprobenunerfahrene kommt mir das Testen auf diese Art fast schon wissenschaftlich vor. Dass ich den Wein dann allerdings in einen Spucknapf entsorgen soll, statt ihn genüsslich herunter zu schlucken, kommt nicht in Frage. Was schmeckt kommt auch in meinen Magen - dient ja schließlich hier auch einem analytischen Zweck. Und wie soll ich denn bitte einen Abgang vernünftig beurteilen wenn der arme Wein keine Chance auf einen ordentlichen solchen hatte? Eben.

Unser
Votum
unter südafrikanisch blauem Himmel in wunderbarer Stimmung: Der
Cabernet Sauvignon kann was, ebenso die Cuvées “Tiara” und “Frans
Malan”. Favorit ist eindeutig der Pinotage Redhill. Den Platter,
die
Bibel des südafrikanischen Weins, ziehen wir erst einmal nicht zu
Rate - wir haben auch eine eigene Meinung. Anschließend stellen wir
aber fest, dass sich seine Meinung mit der unseren deckt. Er gibt dem
Cabernet 3,5 von 5 möglichen Sternen, Tiara und Frans Malang bekommen
4, der Redhill 4,5 Punkte - passt.
Weil es so köstlich ist und wir uns zu Hause auf keinen Fall ärgern wollen, bestellen wir auch ein paar Kästen nach Hause. Das geht in Südafrika wunderbar einfach, praktisch jedes Weingut exportiert per Dienstleister gen Europa - zu bezahlbaren Preisen. Die Ökologie leidet allerdings ein wenig: Die Ware wird eingeflogen. Erwartet uns dafür schon bei mir im Büro als ich den ersten Tag zurück bin.
Und wie schmeckt er denn jetzt, mein Urlaubswein?
In
Südafrika wunderbar beerig, pflaumig und spicy vanillig. Der lange
Abgang kommt mit Röstaromen und einer Portion Pfeffer daher. Eine ganz
leicht lederige Unternote schwingt auch mit. Der Blick auf Weinberge,
das einzigartige südafrikanische Licht, die laue Luft und der noch
bevorstehende Urlaub, schlagen auch auf die Geschmacksknospen nieder.
Gar köstlich!!
Und in Düsseldorf? Gut 1 1/2 Jahre nach der Südafrikareise schmeckt der Wein heute genauso wunderbar wie in Stellenbosch. Wir gönnen dem 2005er Jahrgang noch den Dekanter und nicht nur die köstlichen Aromen, nein, auch die Weinberge, das Licht und die herrliche Reise schmecken mit. Und dachte ich in dem Urlaub noch, einmal Südafrika reicht - heute bin ich da ganz anderer Meinung.
Dieser Text ist Teil der Weinrallye 15. Mehr dazu hier.

Reader Comments (1)
Auf jeden Fall noch mal hin! Die Weingüter dort geben auch noch einige Besuche her. Den Simonsig kenne ich leider nicht. Wenn ich jedoch heute einen Vergeleegen, Thelema, Boekenhoutskloof oder einen Kanonkop trinke, ist die gefühlte Distqanz zum Kap nahe Null.
Ach ja, der Platter. Das ist dort zwar die Bibel. Aber irgendwie habe ich bei dem immer so das Gefühl, dass die Skala eigentlich erst bei 3 Sterne beginnt. Mit einem und zwei Sternen bewertet er i.d.R. Traubensaft, -most und -essig ;-)