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Mein Morgen mit Jamie

Ich öffne meine Augen. Ich bin zu Hause – sehr gut! Neben meinem Bett liegt meine Handtasche, mein Handy ist aufgeladen, ich fühl mich leicht verkatert und ich weiß: Es ist Samstag! Obwohl ich bis 5 Uhr vor der Tür war, wache ich um halb 10 wieder auf. Ich entscheide mich runter zu gehen, in der Hoffnung auf Essen.

Ich liebe Essen. Das war schon immer so. Ich liebe diese ganze Atmosphäre, wenn man zusammen i(s)st. Wir machen das jeden Tag im Büro: Zwei andere Mitarbeiter aus der Agentur und ich setzen uns zusammen und essen so ziemlich jeden Tag Nudeln mit Pesto. Aber ich liebe das, weil wir einfach gemeinsam da sitzen, quatschen, Blödsinn machen und ich finde, das ist das Beste auf der Welt.

So, wo waren wir? Ach ja: ja, ich liebe Essen!  Besonders, wenn ich abends vorher getrunken habe!

Doch im Kühlschrank herrscht außer Kälte vor allem eins: gähnende Leere. Ich brauche jetzt irgendwas Warmes… Naja, egal. Ich nehme mir eine Flasche Wasser und knall mich vor den Fernseher. Normalerweise gucke ich wirklich nicht viel fern, aber ich brauche noch ein bisschen Zeit bis mich das Leben zurückkriegt. 

CNN. Ich liebe CNN. Breaking News, Olympia und danach Larry King… Nääh, heute nicht, ich bin nicht in Larry-King-Laune und entschließe mich durchzuzappen und - OH MY GOD!

JAMIE IS BACK!

(Irgendein Vogel von RTL II hat ihn mir irgendwann weggenommen!)

„Good morning, Jamie!“, sage ich überglücklich zu mir selbst und Jamie Oliver guckt mich an, lacht zu mir rüber und redet weiter über den Fisch, den er gerade zubereitet. Ein Freund kommt dazu. Sie schmeißen bei Jamie eine „Going-Away-Party“ und natürlich kocht Jamie für die Gäste. Währenddessen erzählt sein Freund ihm und mir etwas über Australien, wo er jetzt hinziehen wird. Kein Wunder, dass er wegzieht, in England soll das Essen ja schlimmer als in indischen Slums sein, hat Jamie gerade gegiftet. Sie machen sich ein Bier auf (Danke, für mich nicht, ich kann noch nicht wieder).

Zwischendurch lässt Jamie ihn immer wieder von seinem Gericht kosten und während sie so plaudern, erwähnt er ganz beiläufig, dass der Fisch noch 25 Minuten im Ofen bleiben muss und was man für das Salatdressing benötigt. Ein paar Minuten später erscheint der Besuch, sie setzen sich, trinken gemütlich was und reden über den Freund, wie sehr sie ihn vermissen werden und überreichen Geschenke. Und natürlich sagen sie noch, wie wunderbar das Essen schmeckt. Jamie guckt mich an und sagt „Alles klar dann, bis bald!“

NEIN. NEIN. VERLASS MICH NICHT!

Ich habe immer noch nichts gegessen. Auf dem Weg in die Küche spricht plötzlich wieder Jamie zu mir „Hallo ihr da draußen! Na, alles klar?“. Ich dreh mich um, gucke ihn an und denke „Danke, alles bestens!“. Ich bin glücklich und zufrieden und gehe zurück zum Fernseher. 

Es heizt auf seiner Vespa durch die Straßen und hält an verschiedenen Läden an, um die Zutaten für sein Gericht zu kaufen. „Hey J.“, sagt er. „Ich brauche ein paar Stücke von deinem besten Fisch. Eine Freundin kommt gleich rüber und wir machen ein Probe-Dinner für ihre Hochzeit.“ J. freut sich über Jamies Besuch; sich haben sich wohl lange nicht gesehen, denke ich. Ihr müsst wissen: Paula heiratet bald! Und da ist er wieder in seiner Küche, rennt herum, quatscht mit mir und gestikuliert wild, während er beschreibt, wie großartig und fantastisch dies und das schmeckt.

Während der Werbung wärme ich mir ein paar Tiefkühlnudeln auf. Igitt, nicht wirklich lecker.

Paula und eine weitere Freundin sind angekommen und stehen jetzt mit Jamie und mir in der Küche, quatschen und schlürfen Rosé Champagner.

Ich liebe Jamie. Ehrlich. Er ist nicht immer super angezogen und er sieht auf ein etwas andere Art gut aus, aber dafür, wie er macht, was er macht, liebe ich ihn.

Ab jetzt ist er wieder Bestandteil meines Samstags. Da gibt es kein „Oh je, da müsst ihr echt vorsichtig sein“, kein „besser nehmt ihr fettarme Lebensmittel“ und keine Früchte, die man nicht auch überall kriegen kann. Jamie ist einfach da, glücklich in seinem Reich: der Küche, ohne Designerklamotten, ohne teueres Geschirr, ohne darauf zu achten, was er sagt. Wenn etwas „fucking awesome“ ist, dann sagt er das auch. Nie merkt man, dass da noch ein ganzes Kamerateam und was weiß ich noch alles vor ihm steht. Ich liebe es, wie die Leute einfach in diese Küche reingelaufen kommen, erzählen, was gerade geht und du denkst, du wärst Teil von… dieser Show? Diesem Leben? Diesem Moment? Ich kanns nicht beschreiben.

Die Sendung ist vorbei. Ich mache den Fernseher aus und merke, dass ich wieder ganz alleine bin. Das wäre anders, wenn Jamie da wäre…

Unsere Gastautorin Felicitas Hackmann ist Werberin in Düsseldorf.

Posted on Mittwoch, August 27, 2008 by Registered CommenterGastautor in | Comments8 Comments

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Reader Comments (8)

Die Begeisterung kommt klasse rüber! Ich glaube, ich muss Samstag auch mal wieder den TV anschalten ;-)

August 27, 2008 | Unregistered CommenterDaniela

Deine Begeisgterung für Jamie teile ich voll und ganz. Er ist einfach echt, und strahlt unheimliche Begeisterung aus.

August 27, 2008 | Unregistered CommenterDaniel

So schön es auch ist,Menschen für die Zubereitung von Essen zu gewinnen, so schade finde ich es parallel, dass gerade gotorio sich so wenig hinterfragend dem Großmeister des Mittelmaßes vor die Füße wirft. Jamie Oliver hat eine Funktion, er klärt auf, er regt zum Kochen an, er entmystifiziert. Jenseits dieser wichtigen Kerntugenden wird es aber schnell inhaltlich dünn. Bliebe zu klären, ob Leser dieses Blogs eine Jungmädchenschwärmerei für den Grundschullehrer der Kulinarik wirklich benötigen.

August 27, 2008 | Unregistered CommenterSiepert77

Wenn, liebes Fräulein Felicitas, Herr Oliver dann am späten Vormittag bei Ihnen durch ist, wäre es furchtbar nett, wenn Sie ihn gleich durchwinken zu mir. Und zu Mittag kann man dann auch schon mal die erste Flasche öffnen ...

Besten Dank & herzlich
Ihr Erdge Schoss

August 28, 2008 | Unregistered CommenterErdge Schoss

Ich habe Jamie gestern im Rahmen einer Pressekonferenz getroffen, er hat in Hamburg die Dinnershow vorgestellt die im November nach Deutschland kommt. Jamie war großartig, sehr höflich und geduldig. Fotos und Bericht gibt es in meinem Blog, wenn es genauer interessiert: einfach hier oben dem Link hinter meinen Namen folgen.

September 2, 2008 | Unregistered CommenterHerr Paulsen

Unten, meine ich, dem Link hinter meinem Namen hier unten.Tschuldigung.

September 2, 2008 | Unregistered CommenterHerr Paulsen

Ach, Herr Paulsen, machen wirs doch einfach. ;-) Hier ist der Link: http://nutriculinary.wordpress.com/2008/09/02/das-jamie-oliver-dinner-kommt-was-in-hamburg-und-frankfurt-aufgetischt-wird/

September 2, 2008 | Unregistered CommenterThomas

Übrigens frage ich mich ja: Wie viele Leute werden von Jamies Dinner-Show enttäuscht sein, weil sie glauben, er läuft da tatsächlich auf? Ich glaube, das Konzept wird ziemlich vor die Wand fahren, weil es wesentlich enger mit Oliver verknüpft ist als einst "Pomp, Duck & Circumstance" mit Wodarz. Und ohnehin hatte Wodarz nicht solch eine Kult-Gefolgschaft wie Oliver.

September 3, 2008 | Unregistered CommenterThomas

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