Hallo Hotel Sacher
Fritz Eckhard ist schuld. Er erlebte im Wohnzimmer meiner Großeltern wunderbar amüsante Geschichten. 1973 war der Fernsehkonsum bei uns zu Hause streng limitiert und so freute ich mich bei Omi und Opa um so mehr auf die Geschichten in denen der Portier Oswald Huber mit charmantem Wiener Schmäh mindestens ein mal pro Folge “Hallo Hotel Sacher… Portier” in den Hörer seines dicken schwarzen Telefons wienerte. Ob Hoteldiebe oder Heiratsschwindler im Spiel waren, die Hotelgäste im Sacher boten mir als 7jähriger immer viel Spaß.
Und hier beweist sich auch mal wieder, dass Markenbildung in der Kindheit beginnt. Vermutlich haben mich diese Serie und später Dallas und Denver für mein Erwachsenenleben versaut. Mein Über-Ich oder was auch immer glaubt nämlich, das Leben muss so sein. Im Grunde meines Herzens bin ich ein Luxusweib. Das dazu das luxuslebenerfüllende Portemonnaie fehlt ist die Krux an der Sache. Aber trotzdem, etwas Luxus muss schon sein und darum war schnell klar: Wir fahren nach Wien, wir schlafen im “Sacher”. Schon allein, weil’s doch so romantisch ist und herje, wo will man denn schöner wienerisch, zuckerbäckerisch schlafen in Wien und man gönnt sich ja sonst nichts…
Und es ist ganz wunderbar im “Sacher” zu nächtigen. Ich habe es geliebt!
Sehr aufmerksam und vornehm zurückhaltend ist das Team und so kommt die Opulenz in der Ausstattung noch besser zur Geltung. Erlesene Antiquitäten und eine wunderbare Bildersammlung zieren die Räume, feinste Eleganz strahlen diese aus. Die Dame an der Rezeption geleitet die Gäste direkt zum Zimmer (a Capella lässt grüßen - im Sacher müssen die Gäste allerdings noch selbst einchecken).

Wir nächtigen in einem der neuen Zimmer, die in dem aufgestockten Teil des Hotels liegen und als “Sacher light” beschrieben werden. Interior Designer Pierre Yves Rochon und Besitzerin Elisabeth Gürtler haben diese Zimmer gestaltet. Unseres ist wunderbar groß, mit einem entzückenden Schrankzimmer, das in den Damenschränken diese niedlichen Satinbezogenen Bügel bereit hält - hach, da kommt Sissi-Feeling auf.
Auf einem Tischchen stehen zur Begrüßung zwei Sachertortenwürfel und frisches Obst. Im Bad, das neben der großen Badewanne eine Dusche bietet, in der sich selbst der 1,95 m große Mann meines Herzens strecken muss um an den Regenduschkopf zu reichen geht es mit der “Time to Chocolat”-Pflegeserie schokoladig weiter.
Ja, Schokolade kann der Gast übrigens immer haben. Ob beim opulenten Frühstücksbuffet im extrem-bekronleuchterten Marmor-Saal (ich sach nur: Sachtertorte, Gewürzguglhupf, Anna Sacher Schnitte, original Schokerlkuchen mit Eierlikör - eine echte Aufgabe) oder in einem der Cafés oder Restaurants. Diese sind übrigens nach Farben sortiert. So gibt es zum Beispiel eine “Blaue Bar und ein “Restaurant Rote Bar”. Da ist dann auch tatsächlich alles blau, respektive rot. Es gibt auch noch ein Restaurant “Anna Sacher” das ist beige.
Wir waren in verliebter Stimmung und haben uns für rot entschieden, was gut war. An den Wänden Blutrote Ornamenttapeten, auf denen Ölgemälde hängen. Rotgepolsterte Sessel und Bänke, ein güldener Kronleuchter - wäre es gerade erst eröffnet worden, wäre Neobarock die perfekte Beschreibung. Bis auf die Volants und Zimmerpalmen im Wintergarten superschön. Der Blick geht von dort wahlweise auf die Wiener Staatsoper oder, noch besser, nach der Oper auf deren Gäste, die zahlreich einfallen.
Aber geeern bringens den Damen auch noch etwas aus der Küchn - Küß die Hoand! Und wie schmeckt es? Unser Sacher Tafelspitz mit Apfelkren, Schnittlauchsauce und Erdäpfelschmarrn mit Dillfisolen - wir hätten aber auch Cremespinat oder eingemachten Erbsen-Kochsalat dazu bekommen können - war sehr lecker und sehr reichlich. Da lassn’s sich ja nicht lumpen. Satt werdn solln’s schon, die Gäste. Danach gibt es Schokolade, ja sicher. In Variationen. Einfach köstlich.
Und der Rest ist so, wie ich ihn mir in einem Luxushotel wünsche. Eine megabequemes Bett mit feinstem Bezug, JBL- Boxen, CD/DVD-Player. Die Moderne hat auch Einzug gehalten. Die lässt sich aber schnell wieder vergessen und in wienerische Stimmung verzaubern, wenn man selber direkt gegenüber vom “Sacher” (superpraktisch für Stiellettobeschuhte Damenfüße) in die wunderschöne Wiener Oper geht, auf dem Balkon ein Glas Champagener trinkt und anschließend zum Beispiel “Capriccio” sieht - eine Oper über die Entstehung einer Oper.
Ja, dass wäre auch ein Stoff für “Hallo Hotel Sacher Portier” gewesen:

Reader Comments (2)
Das sieht doch mächtig plüschig aus. Wart ihr die einzigen Gäste unter 65?
Es waren sogar jede Menge Gäste unter - ich würde mal schätzen 35. Was allerdings auch daran gelegen haben mag, dass gerade EM war. Übrigens ein netter Kontrast Fußballtrikots auf Barockmöbeln. Mächtig plüschig ist es aber, das ist vollkommen richtig. In der Zuckerbäckermetropole Wien ist das allerdings nach meinen Geschmack genau die richtige Plüschration. In anderen Städten wie z.B. New York würde ich mir so einen Stil nicht aussuchen.