Weinrallye 14: Zwei zum Grillgut - theoretisch.
Eigentlich eine hübsche Idee. Zur Weinrallye, Ausgabe 14, lädt diesmal das SanoVia-Blog ein. Für alle, die jene Rallye noch nicht kennen: An einem Tag schreiben alle Weblogs, die Lust darauf haben, über ein bestimmtes Weinthema.
Und es ist ja auch nicht ungewöhnlich, was sich SanoVia da ausgedacht hat: Weine zum Grillabend, nämlich.
Nur, Entschuldigung, aber:
GRILLEN? IN DIESEM SOMMER?
HA!
WIE DENN?
Wir sind ja schon froh, dass wir beim Fotografieren unserer Kandidaten den Regenschirm neben die Flaschen legen konnten. Dieses Jahr haben wir noch kein einziges Mal den Kugelgrill auf unserem Balkon angeworfen. Traurig, aber wahr.
Somit müssen wir uns also behelfen mit Erinnerungen anno 2007. Und damals entdeckten wir in unserem Lieblings-Delikatess-Geschäft, der Butterhandlung Holstein zu Münster, ein Weinchen, das wunderbar zu allen Arten Grillgut passt. Denn dieses “alle Arten” ist ja immer so eine Sache. Die Herren wollen Fleisch, pardon FLEISCH, über dem Feuer, die Damen lieber Fisch und Garnelen. Die Brücke aber zwischen Schweinenacken, Lammfilet und Pangasius, den kann kaum ein Wein schlagen.
Einer aber schafft das. Es ist ein Bordeaux Clairet, abgefüllt für Holstein von Chateau de Piote, das im Besitz vom Virginie Aubrion ist . Die Geschiche dahinter klingt ein wenig rätselhaft: Denn die Chefin darf wegen einer Klage des Chauteau Haute Brion ihren Nachnamen anscheinend nicht recht verwenden. Vielleicht hat ein weinkundiger Leser ja Details dazu. Madame Aubrion nun ist verwandt mit einer Holstein-Mitarbeiterin, weshalb die Münsteraner vielleicht nen besonders guten Preis bekommen. Eine Flasche kostet den Kunden auf jeden Fall 7,95 Euro - was ein wirklich fairer Kurs ist.
Der Clairet sieht aus wie ein dunkler Rosé, ist aber ein Rotwein, der ein wenig länger auf der Maische lag, als ein Rosé. Entsprechend hat er auch mehr Umpf. Der Chateau de Piote bringt eine Menge Erdbeer, Kirsche und Johannisbeer mit, dazu ein wenig Kräuter- und Teenoten. Mit seiner fruchtigen Leichtigkeit passt er prima zu Fleisch, verdirbt aber auch keinen Fisch. Und mit 12 Prozent Alkohol bewegt er sich auch im Rahmen. Übrigens haben wir ihn auch schon mal gekühlt probiert, als Rosé praktisch, und auch das ist nicht übel.
Wer es dann doch in der Hitze des Sommers - HAH! VIELLEICHT 2009 WIEDER - kälter mag, für den haben wir auch noch etwas. Auch dieser Wein kommt von Holstein, auch er wird in jedem Sommer von den Münsteranern (von denen wir uns nichts sehnlicher wünschen, als eine Filiale in Düsseldorf) selbst importiert. Er heißt Colombelle, ist ein Vin de Pays aus der Gascogne, von Plaimont, genauer gesagt.
Landwein? Ich sehe schon gerümpfte Nasen mancher Snobs vor mir. Die entrümpfen sich aber ganz flott, wenn der erste Zitrushauch des Colombelle die Nüstern streift. Ein ganz frischer, leichter Wein, bei dem sich Zitrone und Orange paart mit einem Hauch Banane. Und dann kommt eine richtige Ladung Minze auf, was so richtig frisch macht. Drin stecken vier Rebsorten: Colombard, Ugni Blanc, Listan und Chardonnay.
Das überzeugt selbst den gestrengen Herrn Parker, der dem Colombard 84 Punkte gegeben hat. Und was kostet dieser 84-Pünkter? Lächerliche 4,50 Euro pro Flasche.
Nochmal zum Mitdenken: 84(!) Parker-Punkte (!) für 4,50 Euro (!) - dafür kannstes nich selps machen, woll?
Wer sich unsere Empfehlungen gönnen möchte, kann auch im Netz bei Holstein bestellen. Oder Sie fahren einfach mal nach Münster und gehen dort gleich ein paar der großartigen Salate essen, die Holstein ständig frisch herstellt. Das Stammgeschäft wird nach einem Totalbrand derzeit noch wieder hergestellt, das kleine Bistro ist aber schon funktionstüchtig und Wein gibt es beim Ableger in den zentral gelegenen Münster-Arkaden.
References (1)
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Response: Grillen auf sizilianischIch hätte die aktuelle Weinrallye ja fast übersehen...


Reader Comments (1)
Habe den Colombelle getestet und für gut befunden. Das war ein guter Tip