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Wenn ich einmal reich wär - würd ich machen, was in "Time" steht

Manchmal muss ich darüber schmunzeln, was deutsche Medien so als “Super-Luxus” oder “Bestes von Welt” in ihren Reise- und Lifestyle-Bereichen anpreisen. Denn seit seligen Schulzeiten bin ich Abonnent des “Time”-Magazins. Und das berichtet von Luxuprodukten, gegen die jene, in old Germany beschriebenen, wirken wie bei Aldi erworben.

In einer der letzten Ausgaben, zum Beispiel, ist von einer Reise zu lesen, bei der ich doch grübelte, ob ich sie antreten würde, dereinst, wenn ich den Rekord-Lotto-Jackpot knacke oder mein mir bisher nicht bekannter Erbonkel in den USA, der mit den Ölquellen, von dieser Welt abtritt und ich von der Alleinerbschaft erfahre. 

“Around the world in 80 ways” heißt das Konzept, doch angesichts des Absenders, den Leading Hotels of the World, reist der Kunde wohl ungehetzter und bequemer als einst Phileas Fogg. Und 80 Tage dauert es auch nicht. Nein, es sollen 80 Erlebnisse in 28 Tagen sein. Dazu gehören ein Heli-Flug mit Champagner über Hongkong, der Privatbesuch im Palast von Jaipur und eine Weinprobe mit Raritäten auf einem Gut im Napa Valley. Dazu gibt’s natürlich ein paar bleibende Geschenke wie ein Stück von Baccara, ein Kleid von Isabell Kristensen oder eine Kiste Wein. Zielort der Reise: eine Suite mit Blick über den Central Park.

Na gut, das kostet natürlich. Eine Milion Dollar, um genau zu sein. Immerhin: Dafür reisen zwei Personen. Und ein Zehntel des Geldes geht an Elton Johns Aids-Stiftung. Also wenn Onkel George mich bedenkt, in seinem letzten Willen…

Als streng dienstleistungsorientiertes Medium offeriert “Time” natürlich noch Hinweise auf andere Hyper-Luxus-Trips. Zum Beispiel per Kreuzfahrtschiff mit der “Grand Pacific”-Tour der Reederei Silversea. Nur Suiten gibt es an Bord und ohnehin hat sich Silversea dem Komplettluxus verschrieben: Aus-, Einpacken und ähnliche Plackerein übernimmt ein Butler, das Arrangement einer Cocktailparty in der Suite-Kabine ist selbstverständlich kein Problem. Das deutet allerdings wohl auf viel Plüsch und Alte-Leute-Klientel hin - was die offiziellen Fotos bestätigen - und ob man in diesem Umfeld 92 Tage um die Welt schippern möchte, weiß ich nicht so recht. Möglich aber ist es mit Stationen unter anderem in Los Angeles, Tahiti, Singapur und Alaska. Kosten: bis 55.000 Dollar.


Und selbst für den Luxus daheim liefert “Time” Vorschläge, die zum einen das Budget von 99,99999999999999999 Prozent seiner Leser deutlich überschreiten, zum anderen in deutschen Medien überhaupt nicht auftauchen - was angesichts des Kuriositätencharakters wirklich schade ist.

Wer, zum Beispiel, verschandelt sich sein üppiges Anwesen mit einen Weinschrank, auf dem ein Holzmodell des Weingutes steht? Diese laubsägige Geschmacksverirrung bietet Antique Wine, ein Spezialist für Wein-Raritäten.

Die erste Ausgabe ist Chateau Margaux gewidmet, und 15 seltene Flaschen des Top-Gutes füllen unhübschen Schrankteil. An sich sind diese Flaschen für Extrem-Sammler natürlich höchst begehrenswert. Ein 1900er ist darunter und eine Flasche von 1928. Nur thront über ihnen eben das Winzerhaus, in dem nochmal drei Flaschen integriert sind. Unter seinen Treppen - hey, die önologische Version des Überraschungsei - ist Platz für den Korkenzieher. Wer bereit ist für diese Mischung aus gehobener Sperrholzarbeit und überdimensioniertem Touristentand aber 195.000 Pfund hinzulegen, der bucht auch Reisen für eine Million Dollar. 

Posted on Sonntag, August 10, 2008 by Registered CommenterThomas Knüwer in | CommentsPost a Comment

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