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Weinrallye 12: Gebt uns Wein, in Gottes Namen

P1000184.JPGDer Blick der Dame hinter dem Thresen senkt sich leicht, die Augenbrauen ziehen sich zusammen. Ihr ist anzusehen: Sie hält uns in diesem Moment für teutonische Weinbarbaren, für enologische Säue, für Ballermann-Touris - und wir können es ihr nicht mal verdenken.

Denn hier, in Montalcino im Herzen der Toskana, ordert der Gast Wein nach diffizilen Details. Der Ort ist Heimat des legendären Brunello. Ein entsprechender Respekt wird erwartet. Und dieser gebietet es, Wein nach Winzern, Lagen und Jahrgängen zu erwerben. 

Ganz sicher aber löst man Verwirrung beim Verkaufspersonal aus, wenn man Wein nach dem Namen kaufen will, wie wir. “Haben Sie einen Wein mit einem Heiligen im Namen?”, fragten wir nämlich. Und dies ist, zugegeben, eine höchst merkwürdige Art der Selektion. Dann haben wir ihr erklärt warum: Dass wir eine Internet-Seite betreiben, in der wir über Essen, Reisen und Wein schreiben. Dass ähnlich geartete deutsche Seiten sich einmal im Monat zum Weintest unter einem Motto zusammenfinden. Und dass im Juni dieses Motto “Heiliger Wein” sei. Dafür bräuchten wir eben eine Flasche, die irgendwie was mit Kirche oder Heiligen zu tun hat.

Und tatsächlich wurden wir fündig: In der üppigen Auswahl der “Enoteca la Fortezza di Montalcino” kauften wir einen Rosso di Montalcino des Weingutes San Polino.weinrallye_200.jpg

Bevor wir die öffnen, aber noch ein paar lobende Worte für jene Enoteca. Weinläden gibt es jede Menge in Montalcino. Ein hübscher Ort ist das, eigentlich klein und unspektakulär, mit schönen Gässchen. Hierher kommen die Toskana-Touristen nur, um Wein zu kaufen. Die vielleicht urigste Enoteca aber liegt in der alten Festungsruine. In einem der Türme residiert sie, nach drinnen dringt kein Tageslicht.

Nett und unkomplizert lässt sich hier der Brunello testen, für 19 Euro gibt es fünf Gläser mit verschiedenen Versionen. Die Bedienung ist kundig und höchst freundlich. Unbedingt zu empfehlen ist zu diesem Tasting noch die Platte mit lokalen Käsesorten, die man unbedingt inklusive einer örtlichen Spezialität bestellen sollte, die zum leckersten gehört, was wir in der Toskana kosteten: Trüffel-Honig.

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So eingestimmt, kommt man nicht umhin, ein wenig einzukaufen. Dabei brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, dass es in der netten Atmosphäre der Fortezza teurer ist als anderswo: Wenn uns einer der gekauften Weine an anderem Ort begegnete, unterschied sich sein Preis nur in Nuancen. Das trifft auch für einen anderen empfehlenswerten Kauf zu: den Amaro mit Honig von Drogheria Franci - eine herrliche Mischung aus Kräutern und Honig.

P1000179.JPG Nun aber kommen wir zu unserem heiligen Wein. San Polino heißt das Weingut und somit dürfte es wohl nach dem heiligen Paulinus von Nola benannt sein. Der hieß eigentlich Pontius Meropius Anicius Paulinus und war im vierten Jahrhundert nach Christus römischer Senator, bevor er zum  Christentum konvertierte. Später wurde er Bischoff von Nola, einem Ort nahe Neapel.

San Polino ist ein offensichtlich recht kleines Weingut - und ein nicht sonderlich auf Außendarstellung bedachtes. Die Homepage zumindest ist eher frugal - das Logo aber ist hübsch. Der Wein auch. Mehr als das - er ist klasse.

070620081267.jpgDer Rosso ist der kleine Bruder des Brunello und unterliegt weniger strengen Regeln. Dass die beiden aber verwandt sind, das schmeckt man. Viel Pflaume kommt schon im Aroma mit und auf der Zunge auch, zusammen mit einer kräftigen Portion schwarze Johannisbeere. Doch er hat mehr an Johannisbeeren erinnernde Säure als ein Brunello. Wunderschön lang und harmonisch ist beim San Polino der Abgang: Die Tannine schlängeln sich elegant um Schokoladen-, Tabak- und Lakritzaroma. Wir tranken den 2005er und hatten das Gefühl, der könnte noch ein wenig liegen bleiben. Schon jetzt aber ist er für die 13 Euro, die wir zahlten, ein guter und höchst empfehlenswerter Wein.

 

Posted on Dienstag, Juni 10, 2008 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments3 Comments

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Reader Comments (3)

Bin voller Neid, aber ich hoffe die 19 € habt Ihr nur für Käse & Trüffelhonig gelöhnt. Das man für eine Verkostung zahlen muss wäre mir neu.

Juni 10, 2008 | Unregistered CommenterBjörn

Also in Südafrika zahlt man auch für Verkostungen. In diesem Fall ist es auch verständlich, da dies kein Weingut sondern ein Laden war.

Juni 10, 2008 | Unregistered CommenterThomas

Ein wunderbarer Weinrallye-Beitrag, der zeigt, dass Teilnehmer weder Mühen, Kosten noch Zeit schonen, um einen entsprechenden Wein - sei es zu Hause, im Urlaub oder auf Geschäftsreise - weltweit aufzutreiben. ;-)
Schade nur, dass man auf der Internetseite von San Polino nichts über die Geschichte des Weingutes erfährt.
Herzliche Grüsse,
Swetlana

Juni 11, 2008 | Unregistered CommenterSwetlana

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