"Bacar", San Francisco: Kelly-Bag ohne Logo
Im Silicon Valley wird gut verdient. Und weil das Leben im Valley für einigermaßen aktive Menschen nur schwer erträglich ist, wählen viele der Besserverdiener eine Wohnung in San Francisco und pendeln. Wer bei Google oder Yahoo arbeitet, hat es da leicht, die Web-Größen karren ihre Leute per Pendelbus (Wlan on board) nach Süden.
Und mit dem Zuzug in die Stadt, kommt das Geld. Weshalb es in San Fran (don’t call it Frisco!) eine äußerst lebendige Gastro-Szene mit reichlich gehobenen Lokalen gibt. Zu diesen zählt das “Bacar”, im Soma-Bezirk. Eröffnet wurde es 2000, in den goldenen Tagen der New Economy, als noch mehr Geld über die Gegend regnete. Damals galt es, glaubt man dem “San Francisco Chronicle”, als Muster für die Weinbar des neuen Jahrtausends. Doch zwischenzeitlich rutschte es wohl ein wenig in die Bedeutungslosigkeit.

Dann aber verkauften die Gründer im vergangenen Jahr ihr Restaurant und Robbie Lewis übernahm die Küche, in dessen Lebenslauf unter anderem die Bay-Area-Legende “Chez Panisse” (die auf unserer Müssen-wir-hin-Liste für den Kalifornien-Urlaub Ende Oktober steht) und das fast ebenso bekannte “Jardinière” zu finden ist. Und seitdem ist nur Überschwängliches zu hören.
Der erste Blick des neuen Gastes fällt auf die Wand mit den Weinflaschen. Das “Bacar” rühmt sich einer ausgedehnten Auswahl und man mag es nicht bestreiten. Das nächste was auffällt: die fröhliche Freundlichkeit des Personals, egal ob Mantelabnehmerin oder Barkeeper.
Der hohe Restaurant-Raum ist nicht weniger geschmackvoll eingerichtet als die Bar als Ort des Aperitif. Auf der einen Seite ermöglicht eine halbmilchige Glaswand einen kleinen Blick in die Küche, der Rest des Raumes ist äußerst zurückhaltend eingerichtet, so dass der Eindruck entsteht, der Gast möge nicht von unnötigem Design abgelenkt werden.
Das passt ganz wunderbar zum Essen. Denn das wird nach dem gleichen Muster serviert: Edel, aber unauffällig. Es braucht keine protzige Wow-Optik, um zu begeistern. Fast schon enttäuschend schlicht kommt die in der Region gefangene Seezunge mit Baby-Artischocken, jungen Kartoffeln und einer Zitronen-Emulsion daher. Aber schlicht heißt ja nicht: schmeckt nicht. Ganz
hervorragend auch die Ente, ebenfalls von einer nordkalifornischen Farm, mit Rüben, Spinat, Wildreis und einem Port-Sherry-Pürée. Und das Kalb? Bestens! Die Desserts? Spielen ebenfalls in einer gehobenen Liga.
Vielleicht lag es daran, dass einer der Mitesser den sympathischen Restaurant-Manager Mickey Clevenger schon länger kennt - aber auch der Service hielt durch, was er zu Anfang versprach. Und so bleibt vom “Bacar” ein äußerst positiver Eindruck. Ein Restaurant, in dem “edel” nicht gleich “überkandidelt” ist. Eine Kelly-Bag ohne jedes Hermès-Logo. Und deshalb nur zu empfehlen. Meint auch das Videoblog Foodbuzz:


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