"Argonaut Hotel", San Francisco: Wahrhaft goldenes Vlies
Die Legende der Suche nach dem Goldenen Vlies durch Jason und seinen Mannen, die wegen ihres Schiffs “Argo” Argonauten genannt wurden, gehört zu den weniger im Detail bekannten Erzählungen des alten Griechenland. Das liegt nicht daran, dass sie langweilig wäre. Nein, sie ist vielmehr sehr, sehr kompliziert. Und mit Brad Pitt wurde sich auch noch nicht verfilmt. Kommt sicher noch.
In dieser Sage tauchen verschiedene Dinge auf, die nicht dazu verleiten, ein Hotel “Argonaut” zu nennen. Ich sage nur: Die Zerstückelung eines Vaters durch seine Töchter, um ihn dann einzukochen und so zu verjüngen (was ja ohnehin eine, sagen war mal, recht fantasievolle Idee ist), weckt kein Vertrauen in die Qualität einer Hotelküche.
Hinzu kommt das böse Wort “Themenhotel”. Themenhotels gibt es in Disneyland, wo man diese kindische Verkitschung lustig finden kann. Aber in der freien Touristenbahn? Da gehen solche Motto-Herbergen meist ziemlich daneben.
Nun handelt es sich beim “Argonaut” an Fisherman’s Wharf zu San Francisco jedoch um ein Kimpton Hotel. Und über diese Kette schwärmte ein US-kundiger Bekannter in den höchsten Tönen. Motto der Muttergesellschaft: “Every hotel tells a story.” Und die des “Argonaut” ist eine seefahrerische. Es liegt am historischen Hafen von San Fran (nennen Sie diese Stadt NIEMALS Frisco), dessen Besucherzentrum liegt im Hotelgebäude. Direkt daneben: The Cannery, die einst größte Pfirsich-Verdosung der Welt, zugehörig zu Del Monte. Heute ist sie ein ganz nettes Einkaufszentrum.
Maritime Atmosphäre also ist gewiss. Und Kimpton gelingt, was ich vorher nicht geglaubt hätte: ein ausgewogener Mix aus Thema und Design. Die Lobby ist seefahrerisch gelungen, Deck Chairs inklusive, hellblau erleuchtete Segel-Lampen unterteilen den Raum. Hier wird an jedem Nachmittag um 17 Uhr eine Stunde lang gratis Wein, Bier und Cidre am Kamin serviert. Dann ist es gut gefüllt und wer ein paar Small-Talk-freudige Amerikaner kennen möchte, hat hier beste Gelegenheit.
Die Zimmer sind angenehm groß. Beige-weiße Streifentapeten schmücken die Wände und passen bestens zum dunkelblauen Teppichboden mit Sternen. Ja, das klingt jetzt schlimm, aber es ist wirklich schön und gleichzeitig eigentständig. Der Internet-Zugang übrigens ist gratis, allerdings ist das Wlan wackelig, dafür gibt es eine schnelle Verbindung über Kabel.
Auch sonst sind die Annehmlichkeiten reichlich. Bademäntel gibt es wahlweise im Zebra- oder im Tigermuster; die Minibar ist extrem variantenreich bestückt; Massagen können auf dem Zimmer verabreicht werden; wer kalte Füße bekommt, findet im Schrank megaultragigakuschelige Wärmesocken (die allerdings bezahlt werden müssen).
Es ist auffällig, wie gut die Detailausstattung ist. Im Bad gibt es L’Occitaine-Produkte - ein weiteres Plus. Dazu kommt der Service: immer fröhlich, immer auf höchstem Niveau. Schon lang nicht mehr nächtigte ich in einem derart sympathischen und komfortablen Hotel.
Zwei Dinge allerdings muss man erwähnen. Zum einen schwanken die Preise: Außerhalb der Saison kostet das Zimmer, gebucht über Expedia, 138 Euro - ein Schnapper. Im Sommer geht dies hoch bis 250 Euro. Auch dieser Preis ist nicht überzogen. Allerdings sollte, wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, eines bedenken: Der Wagen wird von den Wagenmeistern des Hotels geparkt. Zehn Minuten vor der Abfahrt klingelt man einmal durch - und das Fahrzeug steht vor der Tür. Dieser Service kostet 40 Dollar pro Tag (Hybrid-Fahrzeuge sind günstiger - hey, wir sind in Kalifornien), eine Alternative aber ist praktisch nicht vorhanden.
Argonaut Hotel
495 Jefferson Street, Ecke Hyde
San Francisco


Reader Comments (3)
Na langsam wird das richtig SF-lastig hier. Meine Bleibe für die nächsten Tage ist zwar nicht weiter erwähnenswert (außer als Tipp für ein großes Zimmer in vernünftiger Lage zum guten Preis), aber morgen will ich mal den allerneuesten Gourmet Hotspot Orson in SOMA erkunden. Allein vom Wetter und vom Wechselkurs ist's toll hier.
Schön sieht das aus!
San Fran ist überhaupt eine göttliche Stadt! Als wir seinerzeit SOMA stadtplanerisch bearbeiteten, logierte ich dreieinhalb Wochen im "Ansonia Residence Club" in der Post Street. Die Angestellten arbeiteten dort gegen Kost und Logis und waren auch für das Essen verantwortlich *hüstel* So oft "Paaaastaaa Salaaad" hab ich nie wieder gegessen. Dafür wars billig und für Studenten somit erschwinglich. Danke für den Argonaut Hotel-Tipp; werde dran denken, wenn ich endlich wieder in die "City by the Bay" komme!
Ja, ja San Fran - immer wieder eine Wucht, wenn die fußgängerisch doch anspruchsvollen Hügel nicht wären. Nein, die Stadt ist eine der schönsten Metropolen der Welt, wirklich. Das Argonaut ist wirklich sehr empfehlenswert, wenn auch teuer. Und gleich um die Ecke ist auch die CableCar-Station und ein Laden (The Buena Vista, www.thebuenavista.com), der für seinen Irish Coffee berühmt ist.
Mein Hotel-Tipp für das schmale Budget ist das Grant Plaza. Es liegt dierekt am China Town Gate (www.grantplaza.com) und ist preislich ein Killer. ich glaube wir haben damals - 2006 - 60 Dollar die Nacht bezahlt.