"Fehrenbach", Düsseldorf: 60 Stunden bis ins Paradies
Ja, wir haben gefragt. Ob es einen Unterschied macht, wenn man eine Rinderschulter 40 Stunden bei Niedertemperatur gart, oder 60 Stunden. Solch eine zweieinhalbtägige Behandlung wies nämlich das “Fehrenbach” auf seiner Karte aus. Wir hatten mit einer humorvollen Replique von Chefin Julia Fehrenbach gerechnet. Stattdessen antwortete sie trocken: “40 Stunden haben wir probiert. Aber in der Schulter ist eine Sehne. Nach 40 Stunden war sie noch da, nach 60 war sie weggeschmolzen.”
Touché.
Aber irgendwie typisch, wenn man Gast im “Fehrenbach” ist, einem kleinen Restaurant am nördlichen City-Rand von Düsseldorf. Jürgen Fehrenbach steht am Herd, seine Frau begrüßt die Gäste mit Handschlag und führt fröhlich und charmant durch den Abend. Das Paar ist Gast-Wirt im schönsten Sinne: Den beiden ist anzumerken, dass ihnen das Wohl der Menschen an dem runden Dutzend Tische am Herzen liegt. Für gewöhnlich gibt es zwei Menüs, das eine von ihr, das andere von ihm ausgewählt. Deutsch-französisch-modern lässt sich die Auswahl beschreiben. Und kreativ.

An diesem Abend aber ist Tour de Menu, bei der teilnehmende Restaurants ein festgelegtes Menu zum günstigeren Preis servieren. Statt für gewöhnlich 65 Euro kosten die fünf Gänge 54 Euro. Das ist nicht zu viel verlangt für einen wirklich tollen Abend. Schon der Gruß aus der Küche ist eine Überraschung. Ein Königsberger Klops nämlich, aber kein grauer Flummi, wie es ihn häufig in gut-bürgerlichen Restaurants gibt, sondern ein butterweicher Traum. Es folgen ein paar Paarungen aus Miral-Perlhuhn und Hummer - schon allein der Anblick ist eine Pracht. Und der Geschmack ebenfalls, egal ob in Aspik oder als Röllchen.
Herrlich simpel, aber eine Geschmacksgranate ist dann ein Tomaten-Ravioli mit gebratener Jakobsmuschel…

…bevor eine Curry-Consommé unsere Geschmacksnerven reinigt.
Aber eigentlich sind wir ja wegen der Rinderschulter gekommen. Na ja, also, vor allem ich. Denn Fleisch, das 60 Stunden lang gegart wird - das klingt nach einem Gericht für Männer. Und die Fehrenbachs enttäuschen nicht: Auf der Zunge zergeht die Schulter und hat doch den vollen Fleischgeschmack - das erinnert mich sofort an das Wagyu-Rind im “Nobu”. Damit noch Biss in die Sache kommt, wird die Schulter ergänzt durch ein perfekt medium zubereitetes Stück Filet, das ganze in einer Barolo-Essigsauce.
Ist es eine Überraschung, dass auch das Dessert wundervoll war? Schoko-Tarte mit Pfeffer-Ananas und Schoko-Chili-Eis… Muss ich noch mehr sagen?
“Zu uns kommen die Gäste wegen des Essens, nicht wegen der Show”, sagte Jürgen Fehrenbach der “Rheinischen Post”. Wie wahr. Und wegen der wunderbaren Bewirtung. Für uns ist das “Fehrenbach” eines der sympathischsten Restaurants der Stadt. Deshalb ist es erstaunlich, wie wenig bekannt der Name in Düsseldorf ist, wo sich doch sonst jedes neue Restaurant in Minuten herumspricht. Das “Fehrenbach” aber ist auch nach Jahren noch ein Geheimtipp. Vielleicht ist das ja besser so, aus Gastsicht: Noch sind die Vorlaufzeiten bei den Reservierungen einigermaßen erträglich. Wenn es häufiger 60-Stunden-Schultern gibt, könnte sich das dramatisch ändern.


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