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Fred and Sharon, please come back

Meine erste Reise in die USA führte mich ins tiefe, tiefe Land. Nach Martinsville, Indiana, wo Basketballkörbe und Maisfelder schon zu den Touristenattraktionen gehörten. Ich wohnte in der Familie einer Bekannten, die ein paar Jahr zuvor die Austauschschülerin einer Ex-Freundin gewesen war und sich damals so sehr für Deutschland begeisterte hatte, dass sie damals Deutsch studierte und heute Deutschlehrerin ist.

Zu dieser Zeit, 1992, lief in Deutschland gerade die Serie “Roseanne”. Und vieles, was ich in Martinsville sah, wirkte wie eine Roseanne-Kulisse. Die dunklen Holzmöbel in Küchen, zum Beispiel, die knöchelkitzelnden Flauschteppiche, den Besitzer einhüllende Sessel und Klappstühle, immer wieder Klappstühle.

Gern vergessen wir, dass die US-Kultur unser deutsches Leben zwar erheblich beeinflusst, dass aber das tatsächliche Leben in Nordamerika gespalten ist. Eine tiefe Kluft liegt zwischen Ost- und Westküste, eine noch tiefere zwischen Metropolissen wie New York oder San Francisco und dem Rest da draußen. Wer sich für das Leben dort entscheidet - oder wer von dort nicht wegkommt - für den ist die nächste Mall oft eine Stunde weit weg. Oder mehr. Ein wenig nachempfinden lässt sich dann die Begeisterung Ende des 19. Jahrhunderts, als Richard Sears mit dem ersten Versandhauskatalog die große, weite Welt in das Reich der unendlichen Maisfelder brachte.  

In solchen Gegenden muss jede kleine Festivität, die in Deutschland als liebenswertes Pfarrfest mitgenommen wird, hochgeredet werden zu etwas, dass den Begriff  “awesome” verdient.  Dann spielt die örtliche Schulband auf und bunte Schleifen gehen an die Bäckerin des besten Kuchens und den Besitzer des folgsamsten Hundes. Einmal im Jahr ist Homecoming, dann reisen viele derer an, die es dort nicht ausgehalten haben. Und sie sagen, dass sie es vermissen, das kleine Örtchen, und essen den preisgekrönten Kuchen auf wackeligen Klappstühlen.

 

Das Leben draußen, auf dem Land, in den USA und Kanada ist weit, weit von dem entfernt, was wir uns von einem Land unbegrenzter Möglichkeiten erträumen. Es ist so unexotisch, dass nicht einmal die Fernsehteams von Kabel 1 oder RTL 2 uns noch einen Einblick in einer ihrer Hach-ist-das-skurril-Dokus gönnen mögen.

Viel authentischeres aber liefert uns ohnehin das Internet. Zum Beispiel die Filme von Sharon und Fred, die ich bei Bloggerheads gefunden habe.  Ihre Geschichte: Das Ehepaar aus Kelowna, Kanada, scheint versucht zu haben, sich als lokaler Videoproduzent zu verdingen. Doch kaum jemand mochte ihre Filme schauen. Nun ist ihre Seite derzeit offline, ihre Videos aber noch bei Youtube zu finden.

Vielleicht haben sie einen Fehler gemacht. Sie haben sich in den Vordergrund geschoben, haben ein Werbevideo von liebenswert-bemitleidenswerter Art produziert - und das wird im Internet schnell zum Spottobjekt:

 

Dabei wäre es so schön, mehr aus der kanadischen Wildnis zu erfahren. Nicht großartig für die schwere TV-Kamera gestellte Szenen, sondern Bilder mit einer intimen, wunderbaren Nähe, die uns demonstrieren, dass Nordamerika so exotisch sein kann wie Vietnam.

 

Posted on Donnerstag, März 13, 2008 by Registered CommenterGotorio in | Comments1 Comment

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Reader Comments (1)

Das schlimme ist in meinen Augen nicht mal das Video an sich, aber das ganze als "Movie Production" zu verkaufen und im Abspann auch noch Credits einzubinden... schlimmer geht es fast nicht mehr.

März 13, 2008 | Unregistered CommenterStefab

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