"Hyuga", Düsseldorf: Guter Fisch und Shikataganai
Sushi in Düsseldorf – eigentlich schon fast alltäglich. Und doch gibt es immer noch etwas zu entdecken. So zum Beispiel das japanische Restaurant “Hyuga”: Klein, ursprünglich, gutes Essen. Authentisch japanisch - aber mit Schönheitsfehlern. Aber dazu später.
Es gibt nicht nur viele Restaurants mit japanischer Küche in Düsseldorf, sondern die Mehrzahl ist authentisch und gut. Das liegt sicher auch daran, dass in Düsseldorf rund 7.000 Japaner leben, die hohen Standard kennen und erwarten. Es gibt noch einige Lokale, die fast nur von Japanern aufgesucht werden. Die, die von deutschen Gästen entdeckt werden, verlieren manchmal an Beliebtheit bei Japanern, weil sie sich (wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit) assimilieren. So soll das bei den „Seiyo-jin“, also den westlichen Mitbürgern, bekannte und beliebte Restaurant “Kikaku” in letzter Zeit stark nachgelassen haben. Das munkelt jedenfalls die japanische „Community“. Wo also Hingehen, wenn der alltägliche Sushi-Jiper kommt?
Das „Hyuga“ liegt etwas versteckt in der Klosterstraße. Meine Schwester fragte direkt: „Aha, wie schreibt man denn Hyuga?“ Selbst Japanern erschließt sich der Name nicht sofort. Er besteht aus den Symbolen für „Tag“ und „Weiß“. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Ortsnamen, das ist nicht so genau zu bestimmen. Mein Liebster hat Geburtstag, ich lade ein. Wäre doof, wenn das Essen nicht gut ist.
Reservieren ist etwas umständlich. Theoretisch geht es, denn es gibt eine Telefonnummer. Praktisch ist es eine Tortur, denn fünf Tage lang rief ich täglich an und keiner ging dran. Also bin ich persönlich hin. Man bedauerte kurz und freundlich, dass ich mich bemühen musste.
„Shikataganai“, hätte meine Großmutter gesagt. Das bedeutet so viel wie „kann man nichts machen“, passt in alle Lebenslagen und zieht sich durch das Leben der Japaner. Man ergibt sich dem Schicksal. Ich – diesbezüglich eher westlich geprägt – hätte lieber einen Lösungsansatz bekommen. Etwa eine E-Mailadresse, wo ich bei nächsten Mal sicher vorab reservieren kann oder so. Gibt es aber nicht. Nun denn.
Der reservierte Platz für zwei ist direkt am Eingang und recht klein - „Shikataganai“. Wir schauen uns um: Für ein japanisches Restaurant gerade zu romantisches Licht. Na ja - zumindest blendet uns kein Neonlicht, immerhin. Könnte sogar fast eine gemütliche Bistro-Stimmung aufkommen, wenn nicht der große rote Cola-Kühlschrank mitten im Raum stünde. „Japaner sehen so etwas nicht“, erkläre ich. Klingt komisch, aber offensichtlich stört es keinen, dass der Werbeträger die Mitte des Lokals markiert, insofern stimmt es, was ich sage. Candle-Light-Dinner mit japanischem Essen geht eben nur zu Hause oder im Restaurant Nagaya in Düsseldorf. Die sind aber auch weniger traditionell mit ihrer Küche als hier im “Hyuga”. An der Wand hängt eine Urkunde von „Gault Millan 2008“: Das “Hyuga” und sein Meister haben ein Häubchen bekommen.
Es sind fast nur Japaner da. Einige Deutsche versuchen zwischenzeitlich, einen Tisch zu bekommen, aber ohne Reservierung schaut es schwierig aus, gerade zu viert. Das Lokal ist klein. Draußen stehen zwei japanische Gäste und telefonieren. In Japan ist mobiles Telefonieren in der Öffentlichkeit verpönt, man geht raus. Wie hierzulande inzwischen die Raucher. Nicht so im “Hyuga”: Wir sind heute von Kettenrauchern umzingelt. Ich frage nach und nein, es gibt keinen getrennten Nichtraucherbereich. Ab dem 1. Juli (Rauchverbot in NRW!) wird man gar nicht mehr hier rauchen dürfen, tröstet mich die japanische Bedienung. Das hilft mir just in diesem Moment wenig. „Shikataganai“.
Dafür bekommen wir die obligatorischen heißen Tücher, um uns zu erfrischen. Die Dame erfrischt ihre Hände, hart gesottene Männer dürfen sich das heiße Tuch auch ins Gesicht werfen. Wir schauen in das Menü. Sehr ordentlich, gute Palette an verschiedenen Gerichten, schön auf japanisch geschrieben, eine Spalte weiter die deutsche Übersetzung. Damit kann man arbeiten. Preise sind OK, für die japanische Küche sogar moderat. Wenn man nicht gerade Sushi will, kann man ab 8 Euro ein Hauptgericht bestellen. Wir nehmen einen Tee und Kirin vom Fass. Das ist ein helles, japanisches Bier – sehr leicht und passt sehr gut zu Sushi.
Bei den Vorspeisen sind wir eingeschränkt: Leider gibt es keinen rohen Oktopus. Schade, damit fallen einige verlockende Entrées aus, Tako-Wasabi hätte ich super gefunden. Wir bestellen ein Maguro-Nuta. Das ist roher Thunfisch (Maguro) mit Lauchzwiebeln in einer Miso-Sauce. Kann man wahlweise auch mit anderen Fischsorten bekommen. Der Fisch ist knallrot, sehr frisch und schmeckt vorzüglich, die Portion ist mindestens doppelt so groß wie im Kikaku bei gleichem Preis. Mein Liebster hat sich außerdem Tori-Karaage gewünscht. Tori heißt Vogel und ist in der Regel Hühnchen, Karaage ist frittiertes Fleisch. Der Vogel ist außen kross und innen zart, die dunkle japanische Sauce ist keine herkömmliche Bulldog-Sauce (diese Sauce wird zu allem Paniertem gereicht und kommt auch bei den Seiyo-jin gut an), sondern offensichtlich selbst gemacht und steht im weißen Kaffeekännchen auf dem Tisch. Lecker. Sieht auch gut aus. Ich habe leider keine Kamera dabei. Irgendwie doof, gerade als Japanerin.
Die Hauptspeise ist Sushi. Wie in den meisten japanischen Restaurants im Ausland gibt es drei Abstufungen bei den Sushi-Tellern: Nami (Durchschnitt), Jo (hoch, gesprochen „dscho“) und Toku-jo (besonders hoch). Gemeint ist die Exklusivität des Fisches.
Die Erfahrung zeigt, dass der Nichtjapaner am besten mit Nami bedient ist, denn dort findet man die herkömmlichen und beliebten Fischsorten wie Lachs oder Makrele. Zusätzlich kann man dann noch ein paar Nigiri-Happen (Reisbällchen mit Fisch) à la carte bestellen. Die Auswahl hier ist nicht groß, aber in Ordnung. „Roup de Mer“ – aha, der Übersetzer war ein Landsmann. Auch Thunfisch gibt es in drei Kategorien: Maguro ist der gemeine Thunfisch, Chu-Toro ist „fetter Thunfisch“, Oh-Toro laut Karte „mehr fetter Thunfisch“. Sehr nett. Oh-Toro ist eine Delikatesse, das Fischfleisch ist rosa weißlich und schmilzt im Munde. Leider gibt es heute kein Oh-Toro. Auch Anago (Aal) ist heute nicht zu haben, schade.
Aber das, was sie haben, ist exquisit. Wir haben einmal Nami-Zushi und einmal Jo bestellt. Das Geburtstagskind bekommt das Jo-Sushi, mag aber eigentlich die Fische von meinem Teller lieber. Gut, dass es hier kein Faux-pas ist, Essen bei Tisch zu tauschen. Die Portion hat eine gute Größe, das Shari (Sushi-Reis) ist sehr gut, die Fische großzügig geschnitten und von bester Qualität. Habe lange nicht mehr so gutes Sushi gegessen. Wir sind begeistert, aber leider viel zu schnell satt. Der Vogel vorher, der war zu viel. Zum Glück ist die Dessert-Auswahl nicht groß: Grüntee- oder Vanilleeis mit oder ohne Rote-Bohnen-Paste. Also keine Besonderheiten, nichts verpasst.
Wäre die Bedienung etwas aufmerksamer gewesen, hätten wir vielleicht auch mehr getrunken. Heute waren zwei Firmengruppen da, die offenbar viel Aufmerksamkeit brauchten – etwas viel „Shikataganai“ für einen Abend. Die drei Mädels waren aber durchaus freundlich, hätten sich nur etwas mehr kümmern können. Keiner nimmt wahr, dass wir aufstehen und gehen – kein „Arigato-gozaimashita“, was Gästen normalerweise in japanischen Restaurants zum Abschied hinterher gerufen wird. Ein etwas ungewohnt trister Abgang. Aber das Essen war super und wir kommen wieder, ganz bestimmt.
Unsere Gastautorin Rika Keuchel ist Kommunikationsberaterin in Düsseldorf. Für Gotorio hat sie uns Europäern schon erklärt, wie gutes Sushi aussieht.
Hyuga
Klosterstr. 78
40211 Düsseldorf


Reader Comments (2)
Hallo Rika,
gibt es eigentlich in Düsseldorf noch ein japanisches Restaurant à la Daitokai, wo ein Koch direkt vor der Nase und den Augen der staunenden Gäste auf einer Kochplatte die Spesen frisch zubereitet?
Bin für einen Tipp dankbar.
Viele Grüße
Karin
Hallo Karin,
in Düsseldorf bietet das Restaurant Benkay (im Hotel Nikko) die "eiserne Platte" an, wo Köche am Teppanyaki Grill japanisches Essen zubereiten. Ich weiß nicht, ob das neu eröffnete Edo das auch anbietet - früher, als das Edo am Seestern war, war es dafür bekannt...
Restaurant Benkay
Immermannstraße 41,
40210 Düsseldorf
Tel. 0211 834 0 (Hotel Nikko)
Beste Grüße
Rika