Werbung

Kontakt zu Gotorio
Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

Praktischer Hinweis: Wenn Ihr in Rubriken suchen wollt, findet Ihr die weiter unten auf der Seite unter dem Stichwort Suchen und Finden!

 

Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

Werbung
This area does not yet contain any content.
Neueste Kommentare
Suchen und Finden
Navigation
Login
« "Hotel Advokat", München: Wirtschaftswunder reloaded | Main | "Rusty Spur Saloon", Phoenix: Stoned but not lonely »
Freitag
Feb222008

"Alamo Square", San Francisco: keine Verniedlichungs-Funksprüche

Das abgenudelste Zitat der Gastronomie-Kritik kommt von Oscar Wilde. “Ich habe einen einfachen Geschmack - immer nur das Beste”, soll er gesagt haben. Eine oberflächliche Übersetzung - denn im Original heißt es: “I have but the simplest taste - I am always satisfied with the best.” 040220081008.jpg

Dieser Ausspruch eines hellen Kopfes und Freund des guten Lebens hat schon so manchen verleitet zu glauben, nur die Verniedlichungs- Funkspruch- Küche sei der echte Luxus, jene Gerichte, die drei bis vier Zeilen auf einer Speisekarte einnehmen und sich überschlagen mit “Schäumchen an Sößchen”, woraufhin Esser oft genug zurückfunkt mit “Over and out”.

Um die Ecke vom Alamo Square in San Francisco liegt ein sympathisches, kleines, französisches Restaurant, in dem Funkstille herrscht. Obwohl doch die Chen-Manie aus der Grande Nation kommt. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum das Alamo am anderen Ende der Welt seinen Sitz hat. Und dort ist das romantische kleine Lokal ein schöner Abschluss, nachdem man eine der Attraktionen der Stadt besichtigt hat, die Reihe viktorianischer Häuser, die als “Painted Ladies” in den Reiseführern zu finden sind.

040220081013_400x300.jpg 

Angenehm schummerig ist es im “Alamo”, die Wände sind in Saffran-Gelb gehalten, einzelne Mauerteile werden duch indirekte Beleuchtung hervorgehoben. Wer sich nichts zu sagen hat, der hat die hohe Fensterfront mit dem Blick hinaus in das Viertel, das vom hippen Nachwuchs langsam erobert wird. Auch zwei Nischen am Fenster gibt es, die sind zwar besonders romantisch, doch sollte der Europäer bedenken:
1. Die Kunst der Hausisolierung hat sich in den USA nie recht durchsetzen können.
2. In San Francisco windet es oft heftig.
3. Die Kombination von 1. und 2. sorgt bei den “Alamo”-Fenstersitzen für kräftig Zug.

Und wo wir gerade bei den Ratschlägen sind: Reservieren sollten Sie auch, vor allem am Wochenende. Und bei der Anfahrt mit dem Auto ein wenig mehr Zeit einkalkulieren - Parkplätze sind rar.

040220081010_400x300.jpg 

Aber zurück zum weniger Profanen: Vielleicht 15 Tische bedient die offene Küche. Die uns empfangende Dame ist fröhlich-freundlich, obwohl sie doch einen Sklavenjob verrichten muss: Denn sie ist für alle Tische zuständig - weshalb auch mal ein Hilfskoch beim Servieren einspringt. Familiär geht es hier zu. Und wie es so in Familien ist: Es wird Klartext geredet. Ohne “an” und ohne “chen”.

“Traditional Nicoise Salad
With fresh tuna, mixed greens, tomato, olive, capers, and boiled eggs….traditional”

040220081007.jpgTraditionell, Mann. Noch Fragen? Ist doch wohl alles klar, oder? Hier gelten angenehm direkte Ansagen. Und die Küche besinnt sich ebenfalls auf traditionelle Werte: gute Ware wird zu schnörkellos gutem Essen verarbeitet. Die Coquilles Saint Jacques, zum Beispiel, sind nicht innovativ - dafür aber liegen reichlich lokal gefischte Jacobsmuscheln in der Schale.

Oder der Fisch, die Spezialität des Hauses. Der Gast wählt aus dem Tagesangebot die Fischsorte, dann wie er ihn zubereitet haben möchte und schließlich die Soße dazu. Unsere Red Snapper sind sowohl blackened (ist gebraten da die richtige Übersetzung?) als auch gegrillt vorzüglich. Auch die Dessert-Kreationen stehen dem in nichts nach.

Und dann, als wir fast die letzten Gäste sind, kommt die freundliche Dame und fragt, ob wir ein weiteres Glas des offenen Weins wünschen. Nein, eigentlich müssen wir ja noch fahren. “Aber das geht aufs Haus”, sagt sie - denn anscheinend werden im “Alamo” offene Flaschen nicht für den nächsten Tag aufbewahrt. Ein weiterer sympathischer Zug, der nur bestätigt: Oscar Wilde hätte ihn auch gemocht, den “Alamo Square Grill”. Und ganz sicher hätte er nicht jenes berühmte Urteil aus dem “Bildnis des Dorian Gray” gefällt:

“Es ist ein sehr schlechter Trost, dass jemand, der uns ein schlechtes Mittagessen oder eine mindere Weinsorte serviert hat, ein einwandfreies Privatleben führt. Auch Kardinaltugenden entschädigen nicht für lauwarme Vorspeisen.”

 Die Videokritik kommt diesmal von der vor Ort lebenden freien Journalisten Siri Schubert:


Link: sevenload.com

 Alamo Square Seafood Grill
803 Fillmore St.
San Francisco

 
 

Reader Comments (1)

Ich komme soeben vom essen dort. Es stimmt die Parkplätze sind rar, aber an der Tür steht - "ask us about parking" - die Straße runter, 1. rechts und bei der Kirche links ist ein Parkplatz. Guter Tipp. Die Atmosphäre ist unkompliziert und ausgelassen und laut. Man fühlt sich wohl. Ich hatte Muscheln zur Vorspeise, die waren mittelmässig obowhl der Sud sehr gut war. Das Hauptgericht war ein Tuna, grilled, medium rare - herrlicher Fisch genau richtig zubereitet. Unglaublich zartes saftiges Fleisch mit beurre blanc ... Dazu ein Pinot Gris aus Frankreich. Als Nachspeise ein warmer Schokokuchen aus dem Ofen. Essen wie Gott in Frankreich geht auch in San Francisco und das zu guten Preisen bei der aktuellen exchange rate. In diesem Sinne "two thumbs up" für dieses Lokal ...

April 24, 2008 | Unregistered CommenterDieter Rappold

PostPost a New Comment

Enter your information below to add a new comment.

My response is on my own website »
Author Email (optional):
Author URL (optional):
Post:
 
Some HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>