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10 Gründe für London

England ist teuer und bald kann man sich die Pfund-Euro-Umrechnung schenken, und für 1 Euro auch 1 Pfund kalkulieren. Die Kaufkraft ist schon jetzt ähnlich.

Sprich: Ein Wochenende in London ist Luxus - aber absolut lohnenswert.

Ich lasse gelten, dass man sich ein kleines England-Erlebnis auch in Düsseldorf erkaufen kann. Oasis-Kleider gibt es schon bei Kaufhof, ebenso Tee von Fortnum & Mason. Warum also noch nach London reisen?

Ganz klar wegen der Londoner Extras. Und da gibt es 10 Gründe:

Nr 1: die Royals

Bis Januar 2010 ist für Frauen auf jeden Fall die Debutantes-Ausstellung im Kensington Palace ein Pflichtprogrammpunk: Die Royals haben es hinbekommen, einen Rundgang durch  circa 100 Räume und verwinkelte Gänge, etliche Treppen und abgedunkelte Zimmer zu organisieren. Zwischendurch ist man nicht sicher, ob die nächste Treppe im Buckingham Palace endet.

1958 war der letzte Debütantinnenempfang bei der Queen. Er dauerte 3 Tage und schleuste 1400 Mädels aus gutem Haus durch den Buckingham Palace. In der Ausstellung steht man hautnah vor den Originalkleidern, hört Musik der Zeit, viele Filme und zwischendurch sieht man noch 20 Diana-Kleider. Echt!

Am schönsten aber sind die Dokumente des Boom-Jahres 1958, als die begleitenden Mütter ihren Töchtern Spickzettel nach der ersten Männer-Inspektion beim Empfang zusteckten. NSIT hieß “not safe in taxi!!”. Sehr gut auch: VVSITPQ - “very very safe in taxis, probably queer”.

Nr 2: Wagamama

Eine ähnliche Verbreitung wie Starbucks, dann aber doch ein Stück weit mehr Ess-Kultur.

Da steht immer noch die Frage im Raum, warum sich das Franchising nur bis Amsterdam ausbreiten konnte…

Nr 3: M&S Simply Food

Essen auf der Hand ist eigentlich nur im M&S Simply Food der Hit. Den Spinoff von Marks & Spencer gibt es auf Straßenebene quer über die Stadt verteilt. Man nehme dort eine Portion Obstsalat, eine Portion Couscous mit Orangendressing und dazu noch marinierte Hähnchenkeulen, als Dessert eine Portion Möhrenkuchen mit Topping. LECKER!!! Ganz zu schweigen von den frischen und fertigen Gerichten für die Mikrowelle: Thai-Ente mit Reis und Zuckererbsen…. ich hör auf.

Nr 4: die Museen

Alle Museen sind kostenlos! Das ist die beste Idee, die London hatte. Das Geld kommt über die Shops  und die Cafés wieder rein.

Zugegebenermaßen wurde der Trip nach London nur wegen einer auslaufenden Ausstellung über THE SUPREMES im Victoria & Albert Museum gebucht. Das hat sich auch gelohnt: Die alten Outfits und die Audio-Passagen waren sehr hübsch zusammengestellt. Auch wenn man für diese Ausstellung Eintritt zahlen musste, und es die Formation lange nicht mehr gibt, lauschten Teenager und ihre Grosseltern den Klassikern der ersten Girl-Band.

Den Mann/Partner/Freund kann man getrost gegenüber im Science-Museum rumwandern lassen. Hier gibt es alte Computer (äh, RECHNER), Spaceshuttles und jede Menge Technik.

Nr 5: die Docklands

In den Docklands hat sich eine Finanzstadt mit etlichen Bürohochhäusern und drei gigantischen Malls unterirdisch breit gemacht. Umringt von viel Wasser, einigen stillgelegten Booten und mehreren U-Bahn Stationen, ist es kein Wunder, dass wochentags Anzug-Träger und am Wochenende die Shopper die Stadt permanent mit Leben füllen.

Sicherlich wird es mit Lehman Bros. bald einige leere Hochhäuser geben, aber das stört beim Shopping im Untergrund nicht. Diese Gegend wird in den Londoner Guidebooks selten erwähnt, vermutlich weil sie nicht typisch britisch ist. Aber bei typisch britischem Regen sind die Malls eine gute Alternative und Kauflust garantiert.

Nr 6: die britischen Banker

Auf den Wiesen oder in den Parks ist ein Brite sich dann nicht zu schade, mittags die Leckereien von M&S Simply Food auch mit einer halben Liter Flasche Wein zu vertilgen. Was soll es auch? Wir sind in London während der größten Bankenkrise seit ein paar Jahrzehnten. Wenn nicht jetzt, wann dann?

In dem Zusammenhang immer wieder schön für das weibliche Auge: die chalk-striped Anzüge der Banker mit ein bisschen Hochwasser und definitiv sichtbarer Krawatte, da fast schon fluoreszierend. London ist ein Fashion-Trendsetter.

Nr 7: die englischen Parks

Aber richtig britisch ist das Leben nur, wenn man an Hyde Park Corner sitzt, die dicken, sehr dicken Autos der Botschaften aus Kensington an sich vorbeifahren lässt, und dann zwei Reiter auf der Rotten Row entlang traben, als wäre Reiten in London sittlicher als der Maybach vor der Botschaft.

Mit welchem Hintergedanken haben die Royals die Rotten Row gebaut? Erwartete man eine Flugzeugnotlandung im Hyde Park? Oder wollte man gleich 30 Pferde nebeneinander auslaufen lassen? Es war im 17. Jahrhundert zumindest der erste beleuchtete “Highway” der Welt.

Heute ist es der größte Strandspielplatz der Welt! Und die Länge des Wegs wird auf der Royal-Parks-Seite mit Gehminuten angegeben, nicht in Länge. Hier könnte man einen Beachvolleyball-Weltcup durchführen und alle 40 Teams würden gegeneinander gleichzeitig spielen. Wahnsinn!!

Um die Paläste stehen in den Parks überall Strandliegen herum - weil man im Oktober nun wirklich kein Picnic auf königlichem Garten machen möchte. Immer gibt es irgendwo einen Royal Kiosk mit Tee, Latte Macchiato, und Kuchen. Die denken an alles. Auch an den Profit.

Nr 8: der englische Rasen

Irgendwo außerhalb von London grenzt ein ähnlicher Wahnsinn. In den Hackney Marshs gibt es 87 (!) Fußballfelder seit dem 2. Weltkrieg und die werden sinnvollerweise auch bei den 2012 Olympischen Spielen in London genutzt.

Nr 9: Bobbys suchen

Zugegeben: der alte Smog Londons weicht bei den abgasärmeren Taxis und Bussen, und Big Ben sah noch nie so “neu” aus, seitdem man es vom Ruß befreit hat vor Jahren.

Mit der Säuberung der Gebäude und dem Weichen von Fish & Chips-Läden in London, ist leider auch der Bobby verschwunden. Wozu sollte die Stadt auch unbewaffnete Hilfs-Sheriffs einsetzen, wenn an jeder (!) Ecke Kameras installiert sind?

Bomben kann man eh nicht deponieren, weil es kaum mehr Mülleimer gibt, und aufgegebenes Gepäck, zum Beispiel am Bahnhof, erst einmal gescannt wird. Schließfächer wurden aufgrund der Terrorgefahr eliminiert, oder sogar zerbombt?

Nr 10: Caffé Nero

Und wenn mir etwas in England über die Jahre (nun aber richtig) auf den Nerv geht, dann ist das: Starbucks. Welche Strasse wurde denn noch nicht ge-starbucked? Weitaus häufiger als McDonald’s oder Costa oder Caffé Nero ist diese Kette zu finden. Ist das noch britisch oder einfach nur die Globalisierung? Das Pret-A-Manger hat auch nur einen französischen Namen, ist aber Britisch.

Enjoy your meal and enjoy London!

Gotorio-Gastautorin Katrin Weber arbeitet in der Content-Vermarktung der Verlagsgruppe Handelsblatt.

 

Posted on Donnerstag, November 13, 2008 by Registered CommenterGastautor in , , | Comments5 Comments

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Reader Comments (5)

pret gehört übrigens mcdonalds.

November 14, 2008 | Unregistered Commenteran_floet

Pret-A-Manger ist super! Frish, lecker und weitestgehend bio! Nur diese Kettenartigen Aufmachungen der Ketten nervt...

November 14, 2008 | Unregistered CommenterDearDaniella

@an_floet: Nicht mehr. Ist von seinen Gründern erst zurückgekauft und dann an einen Investor weitergegeben worden.

November 14, 2008 | Registered CommenterGotorio

Allerdings knabbere ich immer noch an Ihrem Beleg, dass London teuer sei: Man muss die Pfund nicht mehr umrechnen, weil sie Euro entsprechen? Dann wäre England seit meinem letzten Besuch im Mai erheblich günstiger geworden. 50 Pfund für eine Hose wären dann nicht mehr umgerechnet 75 Euro, sondern jetzt nur noch 50 Euro - das wäre doch ein elfter Grund hinzufahren, nein? Wo liegt mein Denkfehler?

November 15, 2008 | Unregistered Commenterkaltmamsell

Das Pfund liegt ungefähr bei 1,20€...zwar noch keine 1:1 Umrechnung ber immerhin deutlich niedriger als die jahrelang üblichen 1,50€ bzw. ganz früher ca. 3DM-

Bin gestern auch aus London zurückgekommen...waren leider nur zwei Tage aber wie immer sehr fein...

November 16, 2008 | Unregistered CommentersPaCePiR8

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