"The Amateur Gourmet": Schöner schreiben, besser schmecken
Den Sonntag verbrachten wir im Riesenstau, wältzen uns gemeinsam mit tausenden anderen über Stunden von Tirol aus gen Norden. Der Abreisetag für die Über-Silvester-Eine-Woche-Pflichtbucher paarte sich mit dem Ferienende in NRW zu einem Lindwurm der Freudlosigkeit, der sich über die A8 zur A3 schleppte. 11,5 Stunden brauchten wir brutto (Zwei Stunden davon versüßten wir uns aber mit Shopping bei den Adidas- und Puma-Outlets in Herzogenaurach. Hey, der Navi hatte uns dort sowieso von der Autobahn abgeleitet. Ehrlich!)
Noch etwas machte uns aber die grausame Stauerei erträglich: ein Buch. Als selbstgemachtes Hörbuch trug der Beifahrer aus einem Werk vor, dass wir bei unserem New-York-Trip erworben hatten - “The Amateur Gourmet” von Adam D. Roberts. Das besondere daran ist der Autor: Roberts ist Blogger, sein Amateur Gourmet ist auch bei uns auf der Linkliste, es ist das beste Food-Blog, das ich kenne. Roberts liefert Kochrezepte genauso wie Restaurant-Kritiken und persönliche Erlebnisse. Und das in einem bemerkenswerten, erzählerischen Stil, den er nun auch in Buchform durchhält.
Seit 2004 bloggt Roberts und es war für ihn eine Befreiung. Von Haus aus ist er Jurist und aus einer Familie, die jeden Abend (doch, so beschreibt er das wirklich) in ein Restaurant geht. Weil ihm Recht aber so langweilig war, lernte er kochen - und tauchte in eine neue Welt. Dann begann er darüber zu bloggen und entschloss sich nach dem Jura-Abschluss noch kreatives Schreiben zu studieren.
Sein Erstling soll Lust machen auf gutes Essen. Gut, das muss er bei uns ja echt nicht, ist ja schon da, diese Lust. Aber trotzdem machte es einen tierischen Spaß, seiner persönlichen Reise zum kulinarischen Genuss zu folgen. Ganz unbefangen sucht er sich Paten für einzelne Kapitel, zum Beispiel zum Einkauf auf dem Markt oder dem Besuch eines Top-Restaurants. Herrlich offen erzählt er von seiner eigenen Nervosität beim Zusammentreffen mit Koryphäen oder bei seinem Allein-Essen im “L’Atelier” von Joel Robuchon. Der Untertitel des Buchs passt wunderbar zu Roberts Art: “How to Shop, Chop, and Table-Hop Like a Pro (Almost)”. Alles kommt von Herzen, mit Schwung und Witz, mit den 206 Seiten ist man flott durch - und traurig, dass es nicht weiter geht.
Grandiose neue Erkenntnisse liefert “The Amateur Gourmet” für die, die gerne gut essen, nicht. Für diejenigen, die nicht verstehen, warum sich Menschen wie wir so begeistern können für die Kochkünste eines Robuchons oder Dieter Müllers, warum manche so ein Bohei machen um eine Flasche Wein, eine Scheibe Trüffel, um eine Foie Gras, für die liefert das Buch eine Erklärung, vielleicht sogar einen Anstoß, selbst mehr zu wagen. Beiden Gruppen sei das Buch aber dringend empfohlen: einfach, weil es saumäßig Spaß macht. So viel Spaß, dass sogar ein Stau erträglich wird.
Wer Gotorio unterstützen möchte, kann das Buch übrigens über diesen Link ordern:


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