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"Brenner", München: Bussi-Bussis kleinster gemeinsamer Nenner

20012008926.jpg“Im ,Brenner’“, kommentiert ein Ortskundiger die Wahl unseres Abendessen-Ortes, „im ,Brenner’ sind sie alle.“

Mit „alle“ sind in diesem Fall „Alle Münchener Bussi-Bussis“ gemeint, denn wir sprechen über ein sehr gefragtes Grillrestaurant im Herzen der bayerischen Kapitale.

Nun haben wir Pech, es war Sonntag und Sonntag scheint für „Alle Münchener Bussi-Bussis, die man aus ,Gala’ und ,Bunte’ kennt“ kein Ausgehtag zu sein. Stattdessen sehen wir jede Menge „Alle Münchener Bussi-Bussis, die gerne mal in ,Gala’ und ,Bunte’ wären“.

Diese sind vor allem an ihren weiblichen Mitgliedern zu erkennen, deren Gewänder der zuständigen Verkäuferin beim Erstehen zwar ein „Des steht eahna aber ausgsprochen guat“ entlockte – aber damit nur demonstriert, dass Servicepersonal aus monetären Erwägungen heraus dazu neigt, Minderheitenmeinungen zu vertreten. Der Herr zu dieser Dame garniert sich übrigens gern als Graf Schal.

Warum sie sich alle im „Brenner“ treffen ist leicht zu erklären: Es ist ein Hort des kleinsten gemeinsamen Nenners. Da wäre das Ambiente: Niemand wird bestreiten, dass die ehemaligen Pferdeställe mit ihren hohen Sandsteindecken und dem fast kathedralen Charakter sowohl spektakulär wie auch schön sind. Egal ob Designfreund oder bayerischer Volkskunstfanatiker – das mag jeder.

Der Essensgast wird praktischerweise an einigen Lockauslagen entlang geleitet. Auf Eis warten Austern, bei unserem Besuch allerdings recht wenige – vermutlich wird montags geliefert. Eine Theke weiter gibt es Kuchen und Desserts. Und direkt neben unserem Tisch steht eine der zentral platzierten Kochstationen hinter deren verglasten Auslagen Am-Stück-Fische und zerteilte Rinder auf Befeuerung warten.

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Das Grilldepartement macht den Abend zwar recht unterhaltsam – wer sich nichts zu sagen hat, guckt einfach den „Brenner“-Brutzlern zu – aber leider auch lärm- und geruchsintensiv. Wenigstens versucht die Lokalführung nicht mit überlauter Musik den Hipness-Charakter zu erhöhen.

20012008929.jpgDas Wort „Grill“ deutet auf die Kernkompetenz des Hauses hin: Fleisch. Pardon: FLEISCH! Und Fisch. Beide werden auf eine gewöhnungsbedürftig-karge Art zubereitet, die vielleicht der Historie der Bayern als asketischem Bergstamm zuzuordnen ist. Grundsätzlich ohne Gewürze, Marinade oder sonstigen Schnickschnack landet das Getier auf dem Rost. Erst anschließend wird gewürzt, keinesfalls aber gesoßt. Beilagen gibt es meist auf einem Extrateller, das große Weißporzellan gehört allein dem Grillgut.

Und dieses ist ausgesprochen gut. Exzellent gar. Der Hirsch ist zart und wildaromatisch, das Entrecote von bemerkenswerter Größe und bester Qualität, beide sind medium mit leichter Neigung zu englisch. Allerdings: Gefragt, wie wir das Fleisch wünschen, hat man uns nicht. Der Bayer an sich braucht vielleicht unbedingt Blut und Besucher mussten sich schon immer den Einheimischen anpassen. Auch der Rosenkohl zum Hirsch ist hervorragend - und das schreibt ein Rosenkohl-Gegner.

Was das „Brenner“ dagegen überhaupt nicht kann ist – so ziemlich alles andere. Zum Beispiel der Salat aus gegrilltem Gemüse mit gegrilltem Schwertfisch als Vorspeise. Das Blattgrün wurde eher lau angewärmt denn gegrillt, der Schwertfisch ist nicht trocken (was häufig passiert) aber trotzdem zu fest.

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Oder die hausgemachen Nudeln: kein Genuss. Der Schwertfisch auf roter Beete erntet da wenigstens ein Achselzucken. Auf dem gleichen Niveau bewegen sich das angeblich originale (dafür aber zu sahnige) Tiramisu und der optisch ansprechende aber geschmacklich nicht mitreißende Zitronenkuchen.

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Der Service aber ist freundlich, bemerkenswert freundlich für einen In-Laden. Noch erstaunlicher: die Preise. Pro Person zahlen wir gerade einmal 42 Euro inklusive Trinkgeld – und da heißt es immer, München sei so teuer.

Und vielleicht ist das der Grund, warum sie alle hingehen, die Münchener Bussi-Bussis jedweder Couleur: Das „Brenner“ tut keinem weh. Jeder findet etwas zu essen was ihn im schlimmsten Fall nicht stört, im besten Fall gut schmeckt, niemand stört sich am Ambiente und die Brieftasche wird auch nicht sonderlich gelehrt. Oder wie der Bayer sagt: „Passt scho!“

Die Videokritik liefern diesmal Podcast-Berater  Alexander Wunschel und als Unterstützung im Hintergrund Vpod-Chef Rodrigo Sepulveda-Schulz:
Link: sevenload.com

Brenner
Maximilianstr. 15
80539 München

 

Posted on Mittwoch, Januar 23, 2008 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments5 Comments

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Reader Comments (5)

Beim nächsten Mal München vielleicht eher ein Ort für Essliebhaber, vulgo Foodies? (Kenne absolut niemanden, der im Brenner Essen geht. Bin sogar stolz darauf, fürchte ich.)

Januar 24, 2008 | Unregistered Commenterkaltmamsell

Sind im Brenner nicht inzwischen die Bridges and Tunnels gelandet? - Hätte dich im Zweifelsfall eher ins Kull geschickt (ein kleines Bistro, in dem alles begann, was heute Brenner/Riva/Cortiina ist).

Der Preis deutet übrigens darauf hin, dass auf Aperitiv und Wein verzichtet wurde.

Januar 25, 2008 | Unregistered CommenterHelga

Stimmt, kein Wein. Weil nach einem Konferenztag - noch dazu in Bayern - Bier einfach sein musste ;-)

Januar 25, 2008 | Unregistered CommenterThomas Knüwer

Die einzigen Essen bei denen ich bislang im Brenner gelandet bin waren Geschäftsessen mit Unternehmensberatungen. Die liegen in der großen Mehrheit alle drumherum, und da gilt das wohl als gleichzeitig schick und praktisch.

Februar 25, 2008 | Unregistered CommenterHarald

hi, ich komme aus München, aber solche Restaurants sind für mich viel zu teuer .. leider.. aber wenn man Geschäftsessen dort macht da kann man viel von dem Steuer absetzen, oder ..?

Mai 3, 2008 | Unregistered CommenterSergej

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